Mr. & Mrs. Smith (OmU, 2005)

„I guess that’s what happens in the end, you start thinking about the beginning.“ sagt John Smith zu seiner Frau. Wenn eine Beziehung zu Ende geht, denkt man an den Anfang zurück.  Und auch wenn ich wenig auf die brodelnde Gerüchteküche gebe, war die Trennung von „Brangelina“ ein Grund mal wieder MR. & MRS. SMITH aus dem DVD-Regal zu holen. Damit ist aber nicht Hitchocks gleichnamige, aber inhaltlich abweichende Komödie aus dem Jahr 1941 gemeint, sondern die Actionkomödie von Doug Liman, die Brad Pitt und Angelina Jolie zusammenbrachte. Beide spielen das Ehepaar John und Jane Smith. Sie leben in der idyllischen Vorstadt und arbeiten offiziell als Bauunternehmer und Computerexpertin. Inoffiziell sind sie allerdings Auftragsmörder für zwei unterschiedliche Organisationen. Ihre Ehe ist nur eine Fassade und selbst der eigene Partner weiß nichts von diesem Doppelleben. Doch das permanente Verschleiern und Täuschen hinterlässt seine Spuren. Nach fünf (oder sechs) Jahren Ehe ist die Luft raus und beide finden sich bei der Paartherapie wieder. Schwung kommt in die Sache, als beide auf Benjamin „The Tank“ Danz (Adam Brody) angesetzt werden. Der Mord schlägt fehl, weil sich John und Jane gegenseitig in die Quere kommen. Im Anschluss bekommen beide den Auftrag den Störenfried zu identifizieren und zu töten. Durch die Nachforschungen erkennen beide, dass es sich bei dem jeweils anderen um einen Profikiller handelt. John und Jane müssen sich zwischen ihrem Job und ihrem Partner entscheiden. 

Jane Smith (Angelina Jolie) - © Studiocanal
Jane Smith (Angelina Jolie) – © Studiocanal
Mit den Waffen einer Frau

Mehr als 2,3 Millionen US-Amerikaner tragen den Nachnamen Smith. Und „Jane und John Doe“ sind Bezeichnungen für weibliche und männliche Leichen, deren Identität noch nicht geklärt sind. So weist der Film bereits schon recht offensichtlich auf die unklaren Verhältnisse hin. Auch die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden ausgiebigst thematisiert. Während Jane ihre Waffen im Herd versteckt hat (natürlich, wo auch sonst?), findet man Johns Waffenlager in einem geheimen Keller unter der Gartenlaube. Es gibt Filme, bei denen nicht ganz klar ist, ob das ein plattes Klischee oder ein bewusstes Übertreiben mit Hintergedanken ist. Im Falle von MR. & MRS. SMITH wirkt es dann doch wie Letzteres, da solche Momente natürlich auch einen gewissen Charme und Witz haben. In einer Nebenrolle ist Vince Vaughn zu sehen, bei dem man sich echt fragt, was er in einer Actionkomödie wie dieser macht. Vaughn ist auch nicht im Einsatz zu sehen, sondern gibt hauptsächlich den knuffigen Kumpel. Den eiskalten Killer nimmt man ihm auch nicht ab.

John (Brad Pitt) jagt seine Frau - © Studiocanal
John (Brad Pitt) jagt seine Frau – © Studiocanal
„Happy Ends are stories that haven’t finished yet.“

An den Kinokassen war MR. & MRS. SMITH sehr erfolgreich, nicht nur wegen der Gerüchte, dass es zwischen den beiden Hauptdarstellern während der Dreharbeiten gefunkt haben soll. Doch der Erfolg kann nicht über die schwache Lösung hinwegtäuschen, die der Film anbietet. Durchdenkt man das Filmende wirkt das ganze Szenario dann doch zu gut um wahr zu sein. Der Filmbeginn hält sich zu lange mit dem Etablieren des Alltagslebens der Smiths auf anstatt auf den Punkt zu kommen. MR. & MRS. SMITH ist dennoch packendes Popcorn-Kino mit Brad Pitt und Angelina Jolie, die sowohl komik- als auch actionlastige Szenen mit Leichtigkeit meistern. Die gute Chemie zwischen den Beiden überträgt sich auch auf die Zuschauer. Immer wieder war mal ein Sequel, MR. & MRS. SMITH 2, im Gespräch, in dem Jolie und Pitt wieder in ihre Rollen zurückkehren sollten. Das hat sich wohl jetzt erledigt. 

(4/6 bzw. 7.0/10)

Trailer: © FoxHomeEntertainment UK, Titelbild: © Studiocanal Germany

Filmbewertung nach Zahlen

Eine todsichere Art und Weise seine Leser (und auch ein Stück weit sich selbst) vollkommen zu verwirren, scheint mir das Herunterbrechen einer filmischen Erfahrung auf einen Zahlenwert zu sein.  Das umgekehrte Schulnotensystem habe ich mir angewöhnt, weil die erste Seite, auf der ich Filme bewertet habe, → outnow.ch war.  Mich sprach damals besonders die aufgeräumte Optik der Webseite an und ich habe fleißig kommentiert. Doch mit dem Start meines Blogs wechselte ich auch immer öfter zum deutschen Konkurrenten Moviepilot. Der hatte ein 10er-Bewertungssystem, also habe ich mein Schulnotensystem auf Moviepilot umgerechnet, obwohl es wegen der Rundungsfehler eine Diskrepanz von ± 0,5 Punkten geben kann. Relativ neu sind noch mein → Letterboxd– und mein Krittiq-Account. Bei Letterboxd musste ich alles wieder auf eine 5er-Wertung herunterbrechen, wobei es ebenfalls zu Rundungsfehlern kam. Bei Krittiq muss ich schlichtweg zwischen „Hass“, „okay“ und „Liebe“ entscheiden. Ich habe mir inzwischen einen Spickzettel gemacht um den Überblick noch halbwegs zu behalten. 

Mein Spickzettel
Mein Spickzettel

Bei Letterboxd kann man gar keine 0 Punkte vergeben, obwohl es Filme gibt, die das durchaus verdient hätten. Dafür kann ich zusätzlich zu jeder Wertung noch ein Herzchen für „Fans“ vergeben. Die vergebe ich aber erst ab 4 Punkten. Das mache ich auch eher nach Bauchgefühl. Wie ihr in meinem Spickzettel seht, sind bei Krittiq nur sehr wenig Filme wirklich als „Liebe“ gekennzeichnet. Das hat aber den folgenden Hintergrund, dass für mich „Liebe“ ein starker Begriff ist. Für mich persönlich fangen die Filme ab 4/6 an gut zu werden. „Vier von Sechs“ ist ein guter, solider Film, den man auch noch ein zweites Mal schauen kann, aber nicht unbedingt muss. „Liebe“ ist das für mich noch nicht.

Die Krux mit dem Zahlenwert

Neulich schrieb ein Leser unter meine Kritik zu DOCTOR STRANGE: „Erstaunlich um wie viel besser 5/6 klingt im Vergleich zu 8,5/10. Wobei Zweiteres sogar eine bessere Bewertung darstellt.“ Ja, ich hatte hier aufgerundet, weil 8.5 besser zu meiner Seherfahrung passte als 8.0. Und da stelle ich mir abermals die Frage, ob eine Zahl wirklich genau das ausdrücken kann, was in mir vorgeht, beim Schauen eines Films. Filmeschauen ist immer auch subjektiv. Auf Aggregatorenseiten wird es auf einen Zahlenwert heruntergebrochen, weil man damit besser rechnen kann. Ein Artikel, den ich immer wieder gerne zitiere, weil ich ihn so interessant finde, ist der von Lucas Barwenczik über die →“Schwarmkritik„.  Er weist in seinem Artikel darauf hin, dass die Bewertungssysteme, die Aggregatorenseiten zugrundeliegen, intransparent sind und bekanntere Filme nur bekannter macht anstatt auf kleinere, unbekannte Perlen hinzuweisen. 

Erwartungshaltung trifft Realität

Unabhängig davon, dass es jetzt nun einmal diese Bewertungssysteme gibt, ist unklar, ob sie vom Leser überhaupt erwartet werden. Bewerten wir einfach mit Sternen, Punkten, Zahlen, weil man uns die Möglichkeit dazu gibt? Zumal eine negative Bewertung keine wahnsinnig großen Auswirkungen mehr hat. Es gab wohl mal Zeiten, wo die Leser auf das Urteil der Kritiker vertrauten und dann eben nicht ins Kino gingen, wenn die Kritiken negativ bis grottig waren. Heute ist das anders. Heute gibt es eine Vielzahl an Kritiken, sodass für jeden Filmgeschmack auch „der passende Kritiker“ dabei ist. Das Marketing hat ohnehin die Marktmacht übernommen. Einen besonders dreister Fall war der einer 2-Sterne-Kritik zum Film LEGEND des Guardian-Kritikers Benjamin Lee. Diese schlechte Bewertung war sogar auf dem offiziellen Filmplakat zu sehen, allerdings zwischen all den 5-Sterne-Kritiken versteckt, sodass der Leser davon ausgehen musste, dass auch diese Wertung den Film bewirbt (Bildbeweis und ganze Geschichte: → „How my negative review of Legend was spun into movie marketing gold„). Lee nahm es zwar sportlich, lobte das Marketingteam, kritisierte aber wieder den schlechten Film, aber dieses Beispiel zeigt doch, dass die Wertungen ihre Bedeutung verloren haben.

Was nun?

Dass eine Filmkritik eine klare Haltung zum Film beinhalten soll, ist klar. Sie soll dem Leser eine Orientierung geben.  Ob das nun über ein Punktesystem geht, wage ich zu bezweifeln. Das geschriebene oder gesprochene Wort (egal,ob nun in einem Blog, Fernseh- oder Radiobeitrag, Podcasts oder Youtube-Channel) wird immer besser eine Stimmung oder eine Einschätzung wiedergeben können, als eine Punktzahl. Der Leser sollte sich nicht immer auf die Punktzahl stürzen, sondern sich die Zeit nehmen die Gedanken des Kritikers nachzuvollziehen. Dabei kann es helfen, wenn der Kritiker nicht nur seine Einschätzung zum Film erklärt, sondern auch eventuelle persönliche Vorbehalte wie z.B. das Nichtmögen eines bestimmten Schauspielers zu thematisieren. 

Fantastic Beasts and Where to Find Them (3D, 2016)

Manchmal lohnt sich offenbar ein bißchen Herumzujammern. Nachdem Eddie Redmayne 2015 in der GRAHAM NORTON SHOW angab, er habe die Hoffnung gehabt→ Teil der Harry-Potter-Welt zu werden, was aber nicht funktioniert habe, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Redmayne, seines Zeichens inzwischen Oscar-Gewinner, bekam doch noch seine Chance. Viele Jahre bevor Harry Potter geboren wird, taucht ein britischer Zauberer im New York des Jahres 1926 auf. Es sind Zeiten des Umbruchs. Ein unbekanntes Wesen sorgt für Chaos und droht damit die Gemeinschaft der Zauberer an die No-Majs (amerikanische Abkürzung für Nichtmagier/Muggel) zu verraten. Doch Newt Scamander (Eddie Redmayne) ahnt nichts von den Spannungen. Er ist gerade auf weltweiter Exkursion um die Vielfalt magischer Geschöpfe zu studieren. Einige gesammelte Exemplare trägt er in einem magischen Lederkoffer mit sich herum. Doch eben dieser Koffer wird mit dem Koffer des ahnungslosen No-Maj Jacob Kowalski (Dan Fogler) vertauscht, der den Koffer öffnet und einige von Newts Geschöpfen versehentlich freilässt. Nachdem dies ein Verstoß des Geheimhaltungsstatuts ist, ermittelt die ehemalige Aurorin Tina Goldstein (Katherine Waterston) gegen Scamander. Doch die ist noch vergleichsweise harmlos gegen Percival Graves (Colin Farrell), den Direktor für magische Sicherheit im MACUSA (Magischer US-Kongress). Der ermittelt bald nicht nur gegen Newt, sondern auch gegen Tina.  Zusammen mit Tinas Schwester Queenie (Alison Sudol) und Jacob wollen Newt und Tina die fehlenden Geschöpfe wiederfinden.

Percival Graves (Colin Farrell) gegen Newt Scamander (Eddie Redmayne) - © Warner Bros. Deutschland
Percival Graves (Colin Farrell) gegen Newt Scamander (Eddie Redmayne) – © Warner Bros. Deutschland
Rowlings gelungene Zauberwelt-Erweiterung

Auch ohne Harry Potter gelingt es Joanne K. Rowling, die erstmals auch als Drehbuchautorin involviert war, aus dem als Sachbuch erschienenen „Fantastische Tiere und wo sie zu finden sind“ eine gelungene Leinwandadaption, die sich auch für Nichtkenner der Harry-Potter-Reihe eignet, zu kreieren. Lediglich kleinere Referenzen wie die Zauberschule Hogwarts und dessen Leiter Albus Dumbledore verweisen auf diese. Zum Einstieg in die spätere Potterwelt oder als einmaliges Kinovergnügen reicht das aber völlig. Rowling stellt die neuen Charaktere schnell vor ohne sich mit einer langatmigen Exposition aufzuhalten und schafft es gleichzeitig eine komplexe Geschichte zu erzählen. Eddie Redmayne ist ein sympathischer Protagonist mit dem man bald seine Liebe für außergewöhnliche Tiere teilt. Diese sind im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch animiert. Als Publikumsliebling stellte sich rasch der Niffler heraus. Das Wühltier, das permanent auf der Suche nach Gold, Geld und teuren Wertgegenständen ist, sorgt für zahlreiche Lacher. 

Süß, frech und flink: Der Niffler - © Warner Bros. Deutschland
Süß, frech und flink: Der Niffler – © Warner Bros. Deutschland
Fantastische Besetzung

Doch nur die Tiere sind sympathisch, sondern auch der Cast. Besonders Dan Folger als No-maj, der die Welt der Zaubererei mit staunenden Augen kommentiert, ist mehr als nur ein netter Sidekick. Seine Flirterei mit Queenie (Alison Sudol) ist einfach nur süß.  Auch Katherine Waterston ist eine tolle Gefährtin. Rowling verzichtet glücklicherweise auf eine Liebesbeziehung zwischen Newt und Tina, aber dass eine gute Chemie zwischen Beiden herrscht, ist unbestreitbar. In der letzten halben Stunde flacht die Story etwas ab und es läuft alles ein bißchen ZU rund. Personen und Gegenstände tauchen plötzlich auf, wenn man sie gerade braucht. Mit einem simplen „Revelio“-Zauberspruch wird ein Geheimnis gelüftet und danach ist eigentlich schon alles geklärt. Auch das abschließende Verabschieden der Charaktere voneinander zieht sich unnötigerweise in Länge. Insgesamt ist der Film aber eine runde Sache, die Jung und Alt begeistern wird.

5/6 bzw. 8.5/10

Titelbild und Trailer: © Warner Bros. Deutschland

Independence Day: Resurgence (2016)

Zwanzig Jahre sind seit Roland Emmerichs erster Alien-Invasion vergangen. Und als wäre das Filmjahr 2016 noch nicht genügend vollgestopft mit Fortsetzungen greifen abermals wieder die Aliens an. Die besiegten Alienverbände hatten nämlich 1996 noch einen Notruf abgesetzt und um Unterstützung gebeten. Daher bereitet sich die Welt auf die Rückkehr vor und sowohl am Saturnring als auch auf dem Mond sind Außenposten errichtet, welche die Erdenbürger rechtzeitig warnen sollen. Als vor dem Mond ein kugelförmiges Raumschiff auftaucht, wird es von der US-Präsidentin zum Abschuss freigegeben. David Levinson (Jeff Goldblum) untersucht die Absturzstelle und kann eine geschlossene Kapsel bergen ehe ein deutlich größeres Schiff eintrifft. Während Levinson und Dr. Brakish Okun (Brent Spiner) die geborgene Kapsel untersuchen, tritt Daylan Dubrow-Hiller (Jessie T. Usher) das Erbe seine Stiefvaters Captain Hiller als Kampfpilot an. Die Tochter des ehemaligen Präsidenten Patricia Whitmore (Maika Monroe) ist mit dem Ex-Kampfpiloten Jake (Liam Hemsworth) verlobt, der auf der Mondbasis arbeitet. Von dort wird unter dem Kommando von Hiller ein Erstschlag koordiniert, der allerdings zu großen Verlusten führt. Einem kleinen Verbund gelingt es aber ins Innere des Schiffes zu gelangen, wo sie aber zunächst stranden. Währenddessen wird die geborgene Kapsel vom Mond untersucht. In ihrem Inneren verbirgt sich eine kugelförmige Raumsonde. Als sie aktiviert wird, erfahren die Levinson, Whitmore und das restliche Area-51-Team, dass die Sonde zur Erde kam um möglichst viele vor den Aliens zu retten. Diese ziehen von Planet zu Planet, um aus deren Kernen Energie zu gewinnen, die sie für ihre Entwicklung benötigen. Als letzte ihrer Art wird sie zur Verbündeten der Menschheit. Die Aktivierung der Sonde wird aber von der Alienkönigin registriert, welche sich mit einer Flotte von Alienjägern in Richtung Area 51 bewegt, um die Sonde zu vernichten. 

Zurück: David Levinson (Jeff Goldblum) und Ex-Präsident Whitmore (Bill Pullman) - ©20th Fox Home Entertainment
Zurück: David Levinson (Jeff Goldblum) und Ex-Präsident Whitmore (Bill Pullman) – ©20th Fox Home Entertainment
Sinnlose Fortsetzung – Fragezeichen oder Ausrufezeichen?

Wenn ich mir andere Kritiken zu diesem Film so durchlese, gibt es sehr viele negative Stimmen. Meine Wertung kommt da vergleichsweise human daher. Das mag zum einen daran liegen, dass meine Erwartungen recht gering waren. Wenn Roland Emmerich eine Fortsetzung zu einem Alieninvasionsfilm dreht, dann erwarte ich da kein großes Storytelling. Da reicht auch ein subtiles „In der einen Ecke steht die Menschheit. In der anderen Ecke stehen die Aliens. Let’s get ready to rumble!“ um mich zu begeistern. Ich glaube auch, dass der Alieninvasionsfilm, so wie ihn Emmerich versteht, einfach aufgrund seiner Genrebeschränkung wenig Neues bieten kann. Emmerich geht es in erster Linie um die Optik, um die visuell ansprechende Zerstörung von Sehenswürdigkeiten. Dazu reicht auch ein wackeliges Storygerüst mit Logiklöchern. (Randnotiz: Ich bin schon sehr gespannt auf Denis Villeneuves ARRIVAL, der einen komplett anderen Ansatz hat, weil er die Alieninvasion nicht nur als Vorwand für eine weltweite Zerstörung hernimmt, sondern die Interaktion zwischen Mensch und Alien zum Thema hat.)

©20th Fox Home Entertainment
Die Verbindung aus Alt und Neu

Emmerich gelingt es nicht ganz neue Figuren mit bekannten Gesichtern zu kombinieren. Alle Jungschauspieler bleiben erstaunlich eindimensional; gut, bei Liam Hemsworth wundert das ja auch niemanden → #halfahemsworth. Gestandene Schauspieler wie Bill Pullman, Brent Spiner oder Jeff Goldblum lassen aber die Nostalgie zurückkehren. Auch William Fichtner und Charlotte Gainsbourg sind eine schöne Bereicherung des Castes, auch wenn sie handlungstechnisch etwas zu kurz kommen. Die Optik und das Sounddesign sind gewohnt gut, auch wenn sie die gängigen Maßstäbe nicht übertreffen. Der Film endet mit einem an den Haaren herbeigezogenen Teaser für INDEPENDANCE DAY 3. Nach einem richtigen Abschluss fühlt sich das nicht an, sondern vielmehr wie einer dieser die „Marvel-Filmenden“ (toller Artikel zu dem Thema: → „Das Ende des Endes – Wie Filmuniversen dem Film als eigenständiges Erlebnis schaden„). Natürlich fällt INDEPENDANCE DAY – WIEDERKEHR in die Kategorie „cineastisches Fastfood“, dennoch sollte der Film erst einmal den bestehenden Hunger stillen, bevor er Lust auf mehr macht.

(4/6 bzw. 7/10)

Ab 24. November 2016 ist der Film sowohl auf DVD als auch auf Blu-Ray käuflich zu erwerben.

Titelbild und Trailer: © 20th Fox Home Entertainment Germany

Independence Day (1996)

Tagelang hörte man in den Nachrichten von „der großen Wahlnacht“, der „Wahl des geringeren Übels“. Am Ende wurde das größere Übel tatsächlich zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt. Es war eine demokratisch gewählte, feindliche Übernahme, was die Frage aufwirft, wie denn eine undemokratische, feindliche Übernahme aussieht. INDEPENDANCE DAY schien mir hierfür die beste Wahl (Wortspiel beabsichtigt). Am 2. Juli 1996, zwei Tage vor dem US-amerikanischen Unabhängigkeitstag, taucht ein riesiges außerirdisches Raumschiff auf. Mehrere kleinere Raumschiffe lösen sich vom Mutterschiff und nehmen Kurs auf die Metropolen der Erde. Die Menschen sind verunsichert und der US-Präsident Thomas Whitmore (Bill Pullman) hofft zunächst auf eine friedliche Lösung. Doch der Satellitentechniker David Levinson (Jeff Goldblum) entdeckt einen Countdown, mit dem die Aliens ihre Invasion koordinieren. Da Levinsons Ex-Frau Constance Spano (Margaret Colin) Whitmores Pressesprecherin ist, kann der Präsident noch rechtzeitig gewarnt und evakuiert werden. Die Alien-Raumschiffe legen mehrere Hauptstädte in Schutt und Asche und alle militärischen Aktionen gegen die Raumschiffe oder ihr Mutterschiff scheitern. Whitmore wird zur Area 51 gebracht. Dort trifft er auf Kampfpiloten Steven Hiller (Will Smith), der einen Alien gefangen nehmen und bewusstlos schlagen konnte. Dr. Okun (Brent Spiner) aus dem  Area 51-Wissenschaftlerteam will den Körper sofort untersuchen. Zudem stellt sich heraus, das alle Gerüchte über den Absturz eines Ufos → bei Roswell wahr sind und sich ein Raumschiff der Aliens im Besitz der Amerikaner befindet, was im Geheimen untersucht wurde. Whitmore sieht sich den gefangenen Alien an, der mit ihm per Gedankenübertragung kommuniziert. Dadurch erfährt er, dass die Aliens die Menschheit vernichten wollen um anschließend die Ressourcen des Planeten auszubeuten. Dies gilt es nun zu verhindern.

Dr. Okun (Brent Spiner) und Präsident Whitmore (Bill Pullman) - ©20th Fox Home Entertainment
Dr. Okun (Brent Spiner) und Präsident Whitmore (Bill Pullman) – ©20th Fox Home Entertainment
Überzogener Patriotismus trifft Weltende

Für Außenstehende hat dieser überschwängliche Patriotismus in amerikanischen Kriegs- und/oder Actionfilmen immer etwas Befremdliches. Da trägt es auch nicht sonderlich bei, wenn man eine Alieninvasion aus amerikanischer Sicht erzählt, obwohl diese eigentlich die ganze Welt betrifft. Mein persönlicher unrealistischster, ja schon fast absurdester Filmmoment:  der Stiefsohn von Russell Casse, der sich im Kampf gegen die Aliens opfert, lacht gleich wieder, nachdem ein Soldat ihm die Todesnachricht überbringt und meint, das Kind solle stolz auf den Heldentod des Stiefvaters sein. Insgesamt ist die Handlung aber sehr flüssig erzählt und Längen kommen weitestgehend nicht auf. Natürlich könnte man auch hier wieder ein Haar in der Suppe finden, warum die Frau von Hiller rein zufällig die First Lady findet oder die überschwänglichen Liebesbekundungen, die sich durch den Film ziehen, aber gut, sei’s drum. Ich will das auch nicht alles kaputtreden, weil ich wirklich über weite Strecken großen Spaß bei Emmerichs siebtem Spielfilm hatte.

Whitmore (Bill Pullman) - ©20th Fox Home Entertainment
Whitmore (Bill Pullman) – ©20th Fox Home Entertainment
Gute Laune bei der Alienjagd

Bill Pullman verkörpert einen US-Präsidenten, wie man ihn sich wünscht. Gerade im Vergleich zum aktuellen weltpolitischen Tagesgeschäft würde man sich einen charismatischen Anführer wünschen, der nicht nur motivierende Ansprachen hält, sondern sich auch selbst die Finger schmutzig macht. Einer, der an den Frieden glaubt, Waffengewalt nur im äußersten Notfall einsetzt und prinzipiell einfach erstmal überlegt, bevor er handelt. Naja, man wird ja wohl noch träumen dürfen. Die Special Effects sind für die damalige Zeit wirklich großartig. Nicht umsonst gab es in der Kategorie „Best Visual Effects“ einen Oscar. Auch wenn die Verfolgungsjagden mit Laserkanonen ein bißchen an STAR WARS erinnern, macht der Film trotzdem Spaß. Die Aliens und ihre Raumschiffe sehen fantastisch aus und das Gefühl einer realen Bedrohung stellt sich dadurch recht schnell ein. Jeff Goldblum und Will Smith runden den Cast ab. Besonders im Zusammenspiel der ungleichen Charaktere kommt es zu witzigen Momenten. 

(4.5/6 bzw.  7.5/10)

Titelbild: © Fox Home Entertainment Germany, Trailer: © Fox Home Entertainment UK

Crimson Peak (OmU, 2015)

Seit einiger Zeit hat mich die DVD schon angelacht, aber aus dem Regal genommen habe ich sie nicht. Ich war mir nicht sicher, ob ich den Film wirklich sehen will. Auf der einen Seite ist da das Horrorgenre, das mich so überhaupt nicht fasziniert und schon gar nicht begeistert, auf der anderen Seite ist da Tom Hiddleston, der genau das tut. Also habe ich das gemacht, was ich damals schon bei SLEEPY HOLLOW (einem Film, den zugegebenermaßen auch nur wegen Johnny Depp gesehen habe), gemacht habe: Ich habe mich in sämtliche Kuscheldecken einwickelt, mein Schokopopcorn gefuttert, das seit dem letzten Volksfest noch herumlag und den Film gesehen – bei tagheller Beleuchtung. Irgendwie musste ich die Düsterheit des Films kompensieren. Die junge Edith Cushing (Mia Wasikowska) wird nach dem Tod ihrer geliebten Mutter von deren Geist heimgesucht. „Hüte dich vor Crimson Peak!“ flüstert sie ihrem Kind zu. Jahre später versucht sich Edith als Schriftstellerin von Geistergeschichten. Sie lebt bei ihrem Vater Carter (Jim Beaver), der ein erfolgreicher Bauunternehmer ist. Eines Tages taucht der geheimnissvolle Baronett Sir Thomas Sharpe (Tom Hiddleston) auf und versucht ihn zu einem Investment zu überreden. Cushing ist misstrauisch und engagiert einen Privatdetektiv (Burn Gorman), der mehr über Thomas Sharpe und seine Schwester Lucille (Jessica Chastain) ans Tageslicht bringen soll. Gleichzeitig kommen sich Edith und Thomas näher. Als der Vater unter mysteriösen Umständen stirbt, heiratet Edith ihren Thomas und bricht mit ihm nach England auf. Dort steht das Anwesen Allerdale Hall, in dem Lucille und Thomas unter widrigsten Umständen leben. Im Dach klafft ein Loch und manche Teile des Hauses sind unbewohnbar. Edith wird bald von Geistern heimgesucht und erfährt von einem verstörendem Familiengeheimnis.

© Universal Pictures Germany
© Universal Pictures Germany
Das Haus „lebt“

Aus handwerklicher Sicht lässt sich dem Film wenig vorwerfen. Das fantastische Setdesign, dieses herrlich verwinkelnde, furchteinflößende Gemäuer mit „blutenden“ Wänden und Böden, das leider direkt nach den Dreharbeiten wieder abgebaut wurde, schafft wirklich eine ganz eigene Atmosphäre. Auch die Kostüme sind wahrhaft atemberaubend. Die Farbe Rot repräsentiert sowohl in der Kleidung als auch im Setdesign immer eine Verbindung zur Geisterwelt. Auch die Geister selbst sind in der Regel rote Skelette und die Erweckung der Geister, also die Animation, ist sehr gelungen. Schauspielerisch schenken sich die drei Hauptdarsteller nichts. Lucille und Thomas sollten ursprünglich mal von Emma Stone und Benedict Cumberbatch gespielt werden, doch eine andere, bessere Besetzung als Chastain und Hiddleston scheint im Nachhinein gar nicht mehr möglich. Jessica Chastain sollte ursprünglich Edith spielen, war aber nach dem Lesen des Drehbuchs von Lucille begeistert und bat darum Thomas‘ Schwester zu spielen. Diese Rolle steht ihr auch ausgesprochen gut.

Lucille (Jessica Chastain) und Thomas (Tom Hiddleston) - © Universal Pictures Germany
Lucille (Jessica Chastain) und Thomas (Tom Hiddleston) – © Universal Pictures Germany
Narrative Verunstimmung

Leider krankt es etwas an der Story. Die Geister haben eigentlich wenig mit der Handlung zu tun. Sie werden weitestgehend nur als Schocker in die Narration eingebaut bzw. um die Handlung voranzutreiben. Der Sinn und Zweck mancher Spielorte im Haus werden nicht genau erklärt. Im Keller befindet sich z. B. ein Raum mit abschließbaren Bassins einer roten Flüssigkeit. Warum es diesen Raum überhaupt gibt, erschloss sich mir nicht ganz. Man könnte da jetzt freudsch an die Sache herangehen und den Keller als Repräsentanten → des Es, also der inneren Bedürfnisse und Triebe des Menschen, sehen. Naja, ergibt trotzdem wenig Sinn. Ist ja auch egal. Man darf auch nicht immer so viel reininterpretieren. Dafür bezieht sich die Story immer wieder auf sich selbst und es gibt einige innerdiegetische Vorwegnahmen. So meint Edith zu Beginn, sie wolle als Witwe enden. Spoiler-Alert: Am Ende ist sie Witwe. 

(4.5/6 bzw. 7.5/10)

Titelbild und Trailer: © Universal Pictures Deuschland

Ice Age: Collision Course (2016)

Das Weltall. Sterne, Planeten, Weite. Alles könnte so schön sein, wäre da nicht wieder das Säbelzahn-Eichhörnchen Scrat. Auf der Suche nach einer Nuss landet Scrat mitten in einem auf der Erde gestrandeten UFO. Scrat setzt durch sein Missgeschick beim Bedienen der außerirdischen Technik des UFOs eine Kette von Ereignissen in Gang. So stürzen bald viele kleine Meteoriten auf die Erde, die aber noch keine lebensbedrohliche Gefahr darstellen. Doch auch ein gigantischer Brocken ist unterwegs zur Erde, die durch den Aufprall vernichtet werden könnte. Zeitgleich rettet das Wiesel Buck ein Dinosaurierei vor drei bösen Flugsauriern. Auf der Flucht vor den dreien stößt er auf eine alte Prophezeiung, die den Einschlag des Meteoriten vorhersagt. Flugs versucht er an die Oberfläche zu gelangen um die Herde von Manny (Ray Romano / deutsche Stimme: Thomas Nero Wolff) zu warnen. Die haben ebenfalls schon die Meteoritenschauer entdeckt und sind unsicher, was nun zu tun ist. Doch nicht nur um das Ende der Welt muss sich Manny kümmern, auch um seine Tochter Peaches. Die ist inzwischen mit einem Mammut namens Julian verlobt und möchte nach ihrer Hochzeit die Herde mit ihm verlassen. Das passt Ellie und Manny natürlich gar nicht. Faultier Sid (John Leguizamo / Otto Waalkes) wird derweil von einer Faultierdame sitzengelassen und  versinkt im Selbstmitleid.

Buck is back - © Fox Home Entertainment
Buck is back – © Fox Home Entertainment
Der Spaß steht im Vordergrund

ICE AGE 5 nimmt sich nach gigantischen Wassermassen, Dinosauriern und Landmassenverschiebungen den Weltraum zu Thema. Spätestens seit dem Erfolg von GRAVITY und DER MARSIANER ist das Weltraumthema wieder schwer im Kommen, was auch kommende Filme wie Deneuves ARRIVAL oder Tyldums PASSENGERS andeuten. ICE AGE 5 bleibt sich und der Reihe treu. Allerdings kämpft der Film mit der eigenen Einordnung im Vergleich zu den anderen Teilen. Dies führt zu einigen Anschlussfehlern in der Narration. Auch wenn mit Buck ein bekannter Charakter aus ICE AGE 3 – DIE DINOSAURIER SIND LOS zur Herde dazustößt, bleibt er nur als „Mittel zum Zweck“ in Erinnerung.  Der gute Freund Louis von Ellie aus ICE AGE 4 taucht gar nicht mehr auf, dafür ist Ellie plötzlich mit Julian verlobt – einem Mammut von dem man vorher noch nie etwas gehört hat. Ohnehin liegt der Fokus weniger auf Charaktervorstellung und -entwicklung, sondern auf fantastisch animierter Action. 

Scrat - © Fox Home Entertainment
Scrat – © Fox Home Entertainment
Slapstick eingebettet im Eltern-Kind-Konflikt

Um ICE AGE 5 wirklich genießen zu können, sollte man nicht zu viel Wert auf Plausibilität legen. Der unkaputtbare Scrat wird mehrfach von Türen zerstampft, fällt abermals in metertiefe Löcher und kämpft mit der Technik und der Schwerkraft um an seine geliebte Nuss zu gelangen. Obwohl die meisten Gags bereits in den vorherigen Filmen in ähnlicher Weise gemacht wurden, verliert die Jagd des Eichhörnchens nach der Nuss überraschenderweise nichts vom seinem Witz. Für die ernsten Momente sorgen der drohende Weltuntergang und das schwierige Verhältnis von Vater Manny, der den drohenden Bindungsverlust zu seiner Tochter zu verhindern versucht und sich deshalb nicht mit dem zukünftigen Gatten von Peaches beschäftigen möchte. Es ist schon sehr klischeehaft, wenn Manny angesichts des drohenden Weltuntergangs doch mit Julian zusammenarbeitet, weil er plötzlich erkennt, dass dieser doch gar nicht so übel ist. Der Ausgang des Familienkonflikts wirkt daher ziemlich vorhersehbar. ICE AGE 5 ist ab 10. November 2016 auf DVD und Blu-Ray erhältlich. Wer Filme lieber über Video-on-Demand leiht, kann den Film bereits online anschauen. Es lohnt sich übrigens die Credits anzusehen und anzuhören, denn in der deutschen Fassung singt im Abspann neben dem internationalen Titelsong von Jessy J auch Otto Walkes das Lied „Ich wär so gern verliebt.“

(3.5/6 bzw. 6.0/10) 

Titelbild und Trailer: © 20th Century Fox Home Entertainment

Doctor Strange (3D, 2016)

Nachdem Martin Freeman durch CIVIL WAR dieses Jahr seinen Platz im MCU gefunden hat, folgt nun SHERLOCK-Kollege Benedict Cumberbatch.  Dieser spielt den egozentrischen Neurochirurgen Dr. Stephen Strange. Nach einem Autounfall, den er schwer verletzt überlebt, kann er nicht mehr operieren, da seine Hände massiv geschädigt sind. Durch Zufall erfährt er von einem Heilmittel und reist nach Kathmandu in Nepal. Dort trifft er die Älteste (Tilda Swinton), eine Zaubererin. Doch die verwehrt ihm zunächst den Wunsch auf Heilung. Doch durch den Zuspruch von Baron Mordo (Chiwetel Ejiofor), der als Schüler im sogenannten Kamar-Taj lebt, ändert sie ihre Meinung. Durch Hartnäckigkeit und Fleiß erzielt Strange rasche Erfolge als Zauberer, auch wenn er diese noch nicht dazu einsetzen kann um seine Hände wieder zu heilen. Zeitgleich erfährt er von einem sehr begabten ehemaligen Schützling der Ältesten, der zu einer Gefahr werden könnte. Kaecilius (Mads Mikkelsen) hat sich einer dunklen Macht verschrieben und möchte die drei Tempel des Ordens, die die Erde von der finsteren Dimension beschützen, zerstören. In der finsteren Dimension spielt Zeit keine Rolle und Kaecilius möchte dadurch den Menschen ein ewiges Leben garantieren. Strange gerät zwischen die Fronten und muss sich am Ende gegen den Herrscher der finsteren Dimension Dormammu  behaupten.

Kaecilius (Mads Mikkelsen) - ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Kaecilius (Mads Mikkelsen) – ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
FRANKENSTEIN Reprise

Auch wenn man es kaum glauben mag, aber Benedict Cumberbatch spielt nicht nur die Hauptrolle, sondern gleichzeitig auch den großen Endgegner Dormammu. Man fühlt es sofort an seine Doppelrolle als Wissenschaftler Victor Frankenstein und seine Schöpfung in FRANKENSTEIN erinnert. → Dieser „Cameoauftritt“ war eine Idee von Cumberbatch selbst und Regisseur Scott Derrickson, der sowieso vorhatte, Dormammu mittels CGI zum Leben zu erwecken, mochte die Idee, da er in Dormammu und Stephen Strange zwei Seiten der gleichen Medaille sah. Mit anderen Worten: Beide haben ein gigantisches Egoproblem, aber jeder geht damit anders um. In dem finalen Endkampf der beiden offenbart sich auch der trockene Humor, der sich durch den gesamten Film zieht. Die Wortspiele mit „strange“/eigenartig sind wohl dosiert und besonders in den Sequenzen des Kampfes um den New Yorker Tempel wird das Witzpotenzial einfach an den eigensinnigen, roten Umhang auslagert, der Strange zu Hilfe kommt und später sein ständiger Begleiter wird. Gerade durch den überdurchschnittlich für einen Marvelfilm auftauchenden Witz und weil es sich um eine Origin-Story handelt, ist der Film auch für Nicht-Kenner der Comics und des MCUs bestens geeignet. 

The Ancient One (Tilda Swinton) und Mordo (Chiwetel Ejiofor) - ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
The Ancient One (Tilda Swinton) und Mordo (Chiwetel Ejiofor) – ©2016 Marvel. All Rights Reserved.
Ein Skandal, der keiner war

Die Besetzung von Tilda Swinton auf die Rolle des „Ancient One“ zog den Unmut einiger Fans auf sich, da die Rolle in den Comics ein asiatischer Mann ist. Sofort war von Whitewashing die Rede (→ How is this still a thing?).  Schaut man sich allerdings den fertigen Film an, wirkt die Besetzung von Swinton weder fehlerhaft noch unpassend. Gerade ein Film, der aus einer männliche Hauptrolle, einem männlichen Bösewicht und zwei männlichen Strange-Unterstützern besteht, verträgt einen höheren Frauenanteil. Rachel McAdams tritt weitestgehend nur als Stichwortgeberin und als ein moralisches Gegengewicht auf, das selten Gehör findet. Die Älteste hingegen hat wesentlich mehr Einfluss auf Strange, schlichtweg, weil sie seinem Ego und seiner Exzentrik durch ihre Zauberkraft mehr entgegenzusetzen hat.

© 2016 Marvel. All Rights Reserved.
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Visuelles Feuerwerk

Man kommt nicht umhin DOCTOR STRANGE für die fantastischen Special Effects zu loben. Nach den ersten veröffentlichten Trailern wurden bereits Vergleiche mit INCEPTION und MATRIX aufgemacht, die auch durchaus ihre Berechtigung haben. Gelungen ist auch die Tatsache, dass sich diese Szenen auf ein Minimum beschränken und nur konzentriert, insbesondere für Kampfszenen, eingesetzt werden. Die Narration kommt zügig voran, allerdings wirken manche Szenen auch ein bißchen zu schnell erzählt. So wird der Wandel vom exzellenten Neurochirurgen über den jammernden Schwächling zum wissbegierigen Schüler und schließlich zum obersten Zauberer weitestgehend schnell abgefrühstückt. Zudem fällt auf, dass Dr. Strange viele Dinge schlichtweg nicht infrage stellt. Dies fällt besonders auf, wenn er zum ersten Mal auf den roten Schwebeumhang trifft und keinerlei Fragen stellt, warum der Umhang gerade ihn ausgesucht hat oder was der Umhang überhaupt kann. Es wirkt, als hätte der Regisseur hier noch etwas herausgeschnitten oder gar nicht erst gedreht. Dies darf man aber keinesfalls Benedict Cumberbatch anlasten, der beweist, dass er nicht nur shakespearische Stoffe, sondern auch buntes Blockbusterkino kann.

(5/6 bzw. 8.5/10)

Titelbild: © Marvel/Disney Deutschland, Trailer: © Marvel Deutschland

Meet Joe Black (OmU, 1998)

Der Tod hat viele Gesichter. In Filmen sind diese Gesichter meistens ziemlich gruselig und furchteinflößend. Einen komplett anderen Ansatz bietet Martin Brests Liebeskomödie aus dem Jahr 1998. Hier kommt der Tod in Gestalt von Brad Pitt zu dem Medienunternehmer William Parrish (Anthony Hopkins). Wenige Tage vor dessen 65. Geburtstag besucht ihn der Tod in Gestalt eines hübschen jungen Mannes und möchte eine kurze Zeit unter Menschen verbringen. Parrish soll ihn an seinem Leben teilhaben lassen im Austausch für ein bißchen mehr Lebenszeit. Der Tod zieht kurzerhand in Parrishs Luxusanwesen ein und wird dessen Angehörigen als „Joe Black“ vorgestellt. Der Tod nahm allerdings den „falschen“ Körper, denn der junge Mann hatte Parrishs Tochter Susan (Claire Forlani) kurz zuvor kennengelernt und den Verkehrsunfall, bei dem er anschließend starb, bekam Susan nicht mit. Joe verliebt sich in Susan, die als Ärztin arbeitet und eigentlich mit Williams rechter Hand Drew (Jake Weber) zusammen ist. Drew ist zudem ebenso wie Quince (Jeffrey Tambor), der Ehemann der älteren Tochter (Marcia Gay Harden) Parrishs, im Aufsichtsrat von „Parrish Communications“. Drew sieht Joe bald als Bedrohung, da er immer mehr Einfluss auf William ausübt und ihn auch in geschäftlichen Entscheidungen berät. Durch Informationen von Quince will Drew William aus dem Unternehmen drängen.

Verführerisch ist der Tod

Den jungen Brad Pitt auf die Rolle des Todes zu besetzen, war ein gelungener Kunstgriff. Nicht nur, weil das unendliche Alter des Todes auf das jugendliche Aussehen des damals 35-Jährigen trifft und somit eine Ambivalenz schafft, sondern auch, weil Pitt seine Rolle als eine Mischung aus persongewordener Todesdrohung und gütigem, neugierigem Partner anlegt und beide Pole gut austariert. Pitts Tod ist verführerisch. Instinktiv denkt man an Extremsportler oder an Jugendliche, die ungesichert hohe Gebäude besteigen (→ Roofing). An Menschen, die mit ihrem Leben spielen. Geschichten und Studien über Nahtoderfahrungen füllen ganze Bücher. Und trotzdem bleibt der Film in seiner Aussage recht klar: Man kann den Tod nicht bekämpfen, man kann ihn höchstens für eine kleine Weile (mit Erdnussbutter) vertrösten.

William Parrish (Anthony Hopkins) und Joe Black (Brad Pitt) - © Universal Pictures Germany
William Parrish (Anthony Hopkins) und Joe Black (Brad Pitt) – © Universal Pictures Germany

Wenn diese Weile verstrichen ist, muss man aber sterben. Die englische Übersetzung hierfür ist „to perish“ und nachdem sich „Parrish“ und „perish“ ausgesprochen genau gleich anhören, wird das Schicksal von William Parrish bereits im Namen subtil angedeutet. Anthony Hopkins spielt Parrish als todgeweihten Zweifler, als jemand, der eigentlich „noch voll im Saft steht“, ein zwanghafter Workoholic, der auf den letzten Metern doch noch die Nähe zu seiner Familie sucht und zu schätzen lernt. Trotz solider schauspielerischer Leistungen hapert es etwas an der Geschichte. Es dauert eine Weile bis alle Figuren vorgestellt und die Konstellationen zwischen ihnen klar definiert sind. Der Plot trieft besonders auf den letzten Metern nur so vor Kitsch. Der ebenfalls sehr gefühlsbetonte, romantische Soundtrack von Thomas Newman sorgt aber trotzdem dafür, dass man zu den Taschentüchern greifen muss. 

(4.5/6 bzw. 7.5/10)

Titelbild: © Universal Pictures Germany, Trailer: © Universal via Youtube/Moviedinho

Finding Nemo (2003)

Einfach schwimmen, einfach schwimmen…

Auch Pixars fünfter Spielfilm führte den Erfolg des erfolgsverwöhnten Animationsstudios fort.  Die Geschichte folgt dem kleinen Clownfisch Nemo (Stimme von Domenic Redl), der zusammen mit seinem Vater Marlin (Christian Tramitz) in einem wunderschönen Riff wohnt. Seine Mutter Cora und alle Geschwister wurden vor seiner Geburt von einem Barracuda gefressen. Von diesem Trauma hat sich Marlin nie ganz erholt und hütet sein einziges Kind wie seinen Augapfel. Nemo hat auch eine schwache rechte Flosse, durch die er nicht so schnell schwimmen kann.  An Nemos erstem Schultag werden Marlins schlimmste Befürchtungen Realität. Sein Sohn wird von einem Taucher gefangen genommen. Mutig macht er sich auf die Suche nach Nemo und trifft dabei auf andere Meeresbewohner wie die unter Amnesie leidende Dorie (Anke Engelke), die zwei vegetarischen Haie Hammer und Hart und die Meeresschildkröte Crush. Nemo hat währenddessen sein neues Zuhause erreicht. In der Praxis eines Zahnarztes ist er in einem Aquarium gelandet, wo er Freundschaft mit den anderen Fischen schließt. Bald erfährt Nemo, dass er als Geschenk für die Nichte des Zahnarztes, eine nachgewiesene Fischmörderin, gedacht ist. Verzweifelt versuchen die Aquariumsbewohner Nemo vor der bösen Darla zu retten.  Der erste Fluchtversuch scheitert. Nemo entgeht nur knapp dem Tod. 

© Disney
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Marlin, der Helikopter-Fisch

Für nahezu jedes menschliches Verhalten gibt es inzwischen einen Begriff. Helikopter-Eltern werden überfürsorgliche Eltern genannt, die sich ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten. Marlin ist das fischgewordene Gegenstück für eben jene Überbehütung. Doch bei der filmischen Darstellung blieb es nicht. Obwohl die Botschaft des Films recht eindeutig die Frage „Gehören Meerestiere ins Aquarium?“ beantwortet, geschah in der Realität genau das Gegenteil. Nach dem Film entstand eine große Nachfrage nach Clownfischen, die in manchen Gegenden → schon ausgestorben sind (ähnliches Phänomen auch bei THE BEACH). Clownfische wurden durch den Abfluss gespült, da der Film suggeriert, dass „alle Abflüsse ins Meer“ führen. Solche geplanten Rettungsaktionen endeten für den Clownfisch in vielen Fällen mit dem Tod.

© Disney
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Fantasievolle Unter-dem-Meer-Geschichte

Der Film selbst lebt durch die fantasievolle und vielfältige Unterwasserwelt und durch die liebenswerten Charaktere. Neben der ganz offensichtlich süßen Vater-Sohn-Geschichte werden immer wieder auch Filmreferenzen eingebaut. So wird der Besuch von Darla mit der Horrormusik von Bernard Herrmann aus Hitchcocks PSYCHO unterlegt. Der Hai heißt natürlich nicht ohne Grund Bruce. Diesen Spitzname gab Steven Spielberg dem mechanischen Hai aus JAWS. Auch das brutale Durchbrechen einer Tür erinnert stark an Jack Nicholsons legendären Ausspruch „Here’s Johnny!“ aus THE SHINING. Gerade solche Szenen sind recht furchteinflössend und für kleinere Kinder als auch für schreckhafte Erwachsene punktuell recht gruselig. Trotzdem ist der Film aus irgendwelchen Gründen ab 0 Jahren freigegeben. Die deutschen Stimmen sind großartig und besonders Anke Engelke hat sich spätestens mit der → „Walisch-Szene“ in die Herzen aller Kinozuschauer gespielt. FINDET NEMO ist eine fantastisch animierte, farbenreiche Abenteuergeschichte mit interessanten Charakteren, die nie langweilig wird.

(5/6 bzw. 8.5/10)

Trailer und Titelbild: © Disney

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