Suicide Squad (3D, 2016)

Ha! Ha! Hä?

In einer Karikatur, die ich neulich auf Facebook gesehen habe (jetzt aber leider nicht mehr finde) wurden die Macher von Marvelfilmen und DC-Filmen gegenübergestellt. Während bei Marvel eine Gruppe von Mitarbeitern vor einer gigantischen Mindmap stehen und überlegt, wie die Story plausibel erzählt wird, steht bei den Kollegen von DC nur ein gigantischer Mixer. Dort wird alles hineingegeben. Der Deckel ist aber nicht richtig verschlossen und so verteilt sich die dunkle Soße im ganzen Raum. Sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch der neue Streifen aus dem DCEU (→ DC Extended Universe) wirkt wieder zerstückelt und in sich nicht besonders stimmig. Die Handlung ist recht schnell erklärt: Eine Gruppe von weggesperrten Bösewichten soll sich nach dem Willen von Amanda Waller (Viola Davis) zu einer besonderen Taskforce formieren. Allen Inhaftierten bekommen ein Nano-Implantat in den Hals eingepflanzt und sind fortan gezwungen zusammenzuarbeiten. Die Gruppe besteht aus der psychopathischen Harley Quinn (Margot Robbie), dem Profikiller Deadshot (Will Smith), dem pyrokinetischen Ex-Gangster El Diablo (Jay Hernández), dem Dieb Captain Boomerang (Jai Courtney), dem Echsenmenschen Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und dem Söldner Slipknot. Als Bodyguard für die Sicherheit des Aufsehers Rick Flag (Joel Kinnaman) stößt die Kriegerin Katana (Karen Fukuhara) zu der Gruppe. Flag hat die Möglichkeit die tödlichen Implantate zu zünden, falls sich ein Krimineller daneben benimmt. Als kurz darauf die Hexe Enchantress (Cara Delevingne) und ihr Bruder die Welt durch eine gigantische Maschine vernichten wollen, ist das „Suicide Squad“ gefragt.

© Warner Bros.
© Warner Bros.
Der Joker ist kein Ass.

Gerade mit dem Casting von Jared Leto als Joker hatte man sich ganz offensichtlich viel versprochen. Leto, der eine Vorliebe für ausgefallene Rollen hat, schien perfekt in die großen Fußstapfen von Joker-Darstellern wie Heath Ledger oder Jack Nicholson treten zu können. Das Endergebnis ist dann doch ernüchternd, sowohl für Leto selbst als auch für die Zuschauer. An dem Film wurde nämlich ordentlich herumgedoktert. Es gab einen → millionenschweren Nachdreh um dem Film lustiger zu machen. Zudem wurde überproportional mehr Filmmaterial gedreht – Leto gab an, es wurde so viel gedreht, dass es für einen Solofilm über den Joker reichen würde – , von dem allerdings nur ein Bruchteil im finalen Film gelandet sind, wahrscheinlich um eine PG13-Altersfreigabe zu erhalten. Und so kommt es, dass ein Publikumsliebling wie der Joker eine eher untergeordnete Rolle spielt, obwohl im Trailer suggeriert wird, dass er der Gegenspieler der Verbrechertruppe sein könnte. Jared Leto bekommt nicht die nötige Screentime um seiner Rolle Tiefe zu geben, doch gerade weil er die Rolle völlig neu anlegt, wäre dies eigentlich nötig. Die wenigen Minuten Auftritt wären auch eigentlich kein Problem, wenn die tatsächlichen Gegenspieler Enchantress und Incubus eine solide Leistung hinlegen würden.

Harley Quinn (Margot Robbie) und der Joker (Jared Leto) - © Warner Bros.
Harley Quinn (Margot Robbie) und der Joker (Jared Leto) – © Warner Bros.
Schwaches Storytelling

Doch hier tut sich ein Problem auf: Die Charakterzeichnung und das Storytelling sind mangelhaft. Die Figuren werden im Schnelldurchlauf vorgestellt, wobei Schnelldurchlauf das passende Wort ist, da neben den Figuren Texteinblendungen zu sehen ist, die schneller wieder ausgeblendet sind, als man sie lesen kann. Ohnehin ist das unnötig, da alle Figuren von Viola Davis‘ Figur im Einzelnen vorgestellt werden. Dennoch gehen einige Charaktere komplett unter. Die Kämpferin Katana, Captain Boomerang und Killer Croc sind allesamt recht wortkarg und bleiben dementsprechend eindimensional. Das Hauptaugenmerk liegt auf Will Smith und Margot Robbie, die noch am ehesten überzeugen können. Den ehemaligen Kollegen aus dem FOCUS-Cast gelingt es ihre Rollen mit Leben zu füllen. Robbie überzeugt und sticht aus der Masse hervor. Ihre hibbelige Art, das gehässige Grinsen und das starke Make-up erinnern sehr an Sängerin Nina Hagen. Ein Solofilm für Harley Quinn ist bereits in Planung, was auch die Möglichkeit für einen neuen Anlauf im Joker-Drama bietet.

Enchantress (Cara Delevingne)
Enchantress (Cara Delevingne) – © Warner Bros.
Comicverfilmung leicht gemacht

Man kann den Machern und allen voran natürlich Regisseur David Ayer eine gewisse Lustlosigkeit vorwerfen. Der Soundtrack ist gespickt mit hochrangigen Namen und bekannten Liedern, allerdings bekommt man den Eindruck, dass man sie nur eingebaut hat um den Zuschauer von der löchrigen Handlung abzulenken. Auch der Neonlicht-Stil des Logos und einiger ausgewählter Szenen sieht zwar klasse aus, hinterlässt aber auch eher den Eindruck von „viel Lärm um Nichts“. Die Actionszenen sind packend und gut durchchoreografiert, doch die Handlung bleibt zu vage und voller Logiklöcher und unterhält daher nur bedingt. Enchantress baut eine mächtige Waffe, von der nur erzählt wird, dass sie die Welt vernichten wird. Diese ist aber mit einfachsten Mitteln (Sprengstoffexplosion) zerstörbar. Flag bringt nicht zugestellte Briefe von Deadshots Tochter mit ins Kriegsgebiet, damit er diese im richtigen Moment „zustellen“ kann. SUICIDE SQUAD bleibt leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. 

(3.5/6)

Titelbild und Trailer: © Warner Bros. Deutschland

The Secret Life of Pets (3D, 2016)

Wenn Haustiere alleine sind…

Das Halten von Haustieren ist in der westlichen Welt völlig normal während es in der arabischen Welt → eher ungewöhnlich ist.  Wie sehr wir unsere Tiere lieben, zeigte bereits der gehypte Trailer zum Film, der neugierig machte ohne zu viel zu verraten – eine echte Seltenheit heutzutage. Die eigentliche Story ist dann doch konventioneller als es der Trailer vermuten lässt. Der Terrier Max (Stimme von Jan Josef Liefers) lebt zusammen mit Frauchen Katie (Stimme von Stefanie Heinzmann) in Manhattan. Das symbiotische Verhältnis der beiden wird durch einen neuen Mitbewohner gestört: dem riesigen Neufundländer Duke (Stimme von Dietmar Bär), der sich sofort in der Wohnung breitmacht. Max versucht sein Revier zu verteidigen während Duke sich aufgrund seiner Größe diverse Freiheiten herausnimmt. Duke geht daraufhin zum Gegenangriff über. Als der Hundeausführer im Park nicht aufpasst, zerrt Duke Max in eine Gasse. Dort werden beide von einer Gruppe streunender Katzen überfallen und aufgrund gestohlener Hundemarken bald von Mitarbeitern der Animal Control-Behörde eingesammelt. Auf dem Weg zum Tierheim bricht allerdings der Kaninchen Snowball (Stimme von Fahri Yardim) in den Transporter ein um einen Kumpel zu befreien. Snowball ist der Anführer einer Bande von Haustieren, die von ihren Besitzern im Stich gelassen wurden. Max und Duke können Snowball davon überzeugen, auch ihnen die Freiheit zu schenken. Im Gegenzug verlangt Snowball, dass Max und Duke ab sofort für ihnen und seine Bande arbeiten. Doch bald kommt heraus, dass die beiden Hunde in Wahrheit umsorgte Haustiere sind, was dazu führt, dass beide auf der Flucht sind. In der Zwischenzeit haben sich die Freunde von Max organisiert und machen sich auf die Suche nach ihrem Freund.

© Universal Pictures
© Universal Pictures
Tierfreunde kommen auf ihre Kosten

Absolut gelungen ist die Umsetzung des tierischen Verhaltens. Während die Katze Chloe ihre Hundefreunde für deren Obsession nach herumfliegenden Bällen auslacht, wird sie selbst kurz darauf  Opfer ihrer eigenen Aussage als Wellensittich Sweetpea einen Laserpointer auf den Boden richtet. Das Ergebnis kann sich ja jeder vorstellen. Auch das Ankläffen von Eichhörnchen („Niemand kann euch Eichhörnchen leiden.“) und die Begeisterung für das eigene Herrchen oder Frauchen sind unterhaltsam und sympathisch. Zudem werden auch einige innovative Ideen eingebracht. So gibt es beispielsweise Schlangen, deren Augen nach einem erfolgreich aufgesagten Passwort ihre Farbe von rot auf grün wechseln.

Chloe und Max - © Universal Pictures
Chloe und Max – © Universal Pictures
Actionlastiger Kinderfilm

Insgesamt bleibt sich Illumination Entertainment, die auch hinter ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH und dem MINIONS-Film stecken, ihrer Linie treu. Hier wird mehr Wert auf kindgerechte Action gelegt als auf eine plausible Story. Auch wenn die Handlung über weite Teile in sich stimmig ist, so macht sie doch den Eindruck, dass sie zu sehr auf Effekte getrimmt ist. Der Film ist zwar ab 0 Jahren freigegeben, allerdings gibt es einige Elemente, die für Kleinkinder wohl recht grenzwertig sind. (→ Freigabebegründung: „[…]Einzelne Spannungsszenen (z.B. eine Bedrohung durch eine Giftschlange, ein bildgewaltiger Autounfall oder der dramatische Beinahe-Ertrinkungstod eines Hundes) können für Vorschulkinder eine emotionale Herausforderung darstellen. Allerdings werden diese Szenen stets in positiver Weise aufgelöst und durch zahlreiche lustige Szenen ausreichend ausgeglichen.[…]“) Gerade diese Actionlastigkeit schmälert dann doch das Sehvergnügen. Es bleibt ein kurzweiliger Abenteuerfilm, der die ganze Familie kurz gut unterhält. Auf lange Sicht fehlt es PETS aber an ikonischen Momenten, an die man sich auch noch Wochen später mit Freude erinnert.

(4.5/6)

Titelbild und Trailer: © Universal Pictures

The Blacklist – 2. Staffel (OmU, 2014)

Ein Krimifeuerwerk

Der Eindruck, dass die erste Staffel nur ein überlanges Intro für die zweite Staffel ist, war richtig. Denn jetzt kommt die Geschichte so richtig ins Rollen und viele Fragen aus der erste Staffel werden endlich geklärt. Der Ende der ersten Staffel aufgetauchte Kriminelle Berlin (Peter Stormare) sorgt für den nötigen Schwung, indem er Reds Exfrau Naomi Hyland, ehemals Carla Reddington (Mary-Louise Parker), entführt und foltert. Reddington (James Spader) kämpft bald an mehreren Enden. Er muss sich gegen die Verfolger, die ihm Berlin auf den Hals gehetzt hat, zur Wehr setzen, zum anderen spürt er, das Elizabeth (Megan Boone) Geheimnisse vor ihm hat. Sie verändert sich und überschreitet immer mehr Grenzen. Das wohl größte Geheimnis  von Elizabeth sitzt im Keller eines verlassenen Kutters. Tom Keen (Ryan Eggold) wird dort von Liz gefangen gehalten und ausgefragt. Dieser bittet darum von Liz entlassen zu werden um nach Berlin zu suchen. Sie gewährt diesen Wunsch. Als ein Hafenmitarbeiter den Kahn überprüft, kommt Elizabeth aber immer mehr in Zugzwang, da dieser kurz darauf durch Toms Eingreifen stirbt. Während Cooper (Harry J. Lennix) noch verletzt im Krankenhaus liegt, wird die Mossad-Agentin Samar Navabi (Mozhan Marnò) neues Mitglied der Taskforce als Ersatz für die ermordete Meera Malik.

Red (James Spader) trifft sich mit Berlin (Peter Stormare) - © NBC
Red (James Spader) trifft sich mit Berlin (Peter Stormare) – © NBC
Rasante Achterbahnfahrt mit tödlichem Ende

Vielleicht liegt es daran, dass James Spader nun auch als Executive Producer für die Serie tätig ist, denn das Tempo der Serie verdoppelt sich nahezu. Handlungsstränge verlaufen jetzt über mehrere Episoden, teilweise sogar über die Staffel hinaus. Inzwischen bekommt man auch ein Gefühl wie die Serie tickt. Die Episodentitel sind immer nach den Kriminellen auf Reddingtons schwarzer Liste benannt und nach zwei Staffeln erkennt man recht schnell, dass nahezu alle „Blacklister“ im Gefängnis landen oder sterben. So lässt der Episodentitel bereits erste Rückschlüsse auf das Schicksal des namensgebenden Blacklisters zu (hier → die komplette Blacklist).  Man spürt in manchen Szenen die Bezüge zur aktuellen politischen Lage. Das angespannte Verhältnis zwischen Russland und den USA ist unterschwellig Thema genau wie die rechtsradikalen Tendenzen in Deutschland. Ryan Eggold muss in dieser Staffel undercover nach Dresden (plakativer geht’s wohl kaum, Pegida lässt schön grüßen) um  sich in die rechtsradikale Szene einzuschleusen. Sein Deutsch, das man in der OmU-Fassung zu hören bekommt,  ist eher schlecht als recht. Ein Hoch auf die Untertitel. In Nebenrollen sind Ron Perlman, Krysten Ritter (JESSICA JONES) und Mary-Louise Parker (R.E.D. – wie passend) zu sehen. David Strathairn tritt als CIA-Chef für verdeckte Ermittlungen auf. Jeder, der die Bourne-Reihe kennt, weiß bereits alles, was man über den Direktor wissen muss, denn abermals verkörpert Strathairn wieder großartig ein Arschloch mit Einfluss. Auffällig ist, dass Liz zum ersten Mal die Grenzen des Gesetzes überschreitet und schließlich sogar ein Verbrechen begeht. Die Motive hierfür sind leider sehr vage und auch nicht ganz nachvollziehbar. Zu James Spader muss man nicht viel sagen. Im Vergleich zur ersten Staffel bekommt er noch mehr Momente um zu unterhalten, zu schockieren und das Verhältnis zu Liz weiterzuerforschen. Reddington wird auch erstmals lebensgefährlich verletzt, was der Story zusätzliche Tiefe gibt. Die Serie macht definitiv Lust auf die dritte Staffel.

(5.5/6)


Trailer: © Youtube/CS:GO Overwatch, Titelbild: © NBC

Das „Ich“ in der Filmkritik

Das „Ich“ in der Gleichung

Ich lese immer noch in A.O. Scotts „Better living through criticism“ und finde darin immer wieder Themen, die einer Besprechung würdig sind (siehe auch → Kritik und Geschmack). Eine Frage, die mich eigentlich schon seit Anbeginn dieses Blogs umtreibt, ist die Frage nach der Subjektivität. Soll ich in der Ich-Form schreiben oder unsachlich wie es in den einschlägigen Fachzeitschriften und -Blogs praktiziert wird.  Die Antwort könnte so leicht sein, den der persönliche Geschmack ist immer subjektiv, aber muss es dann die Filmkritik auch sein? Scott findet, man dürfe das „ich“ nicht aus der Gleichung nehmen. Im Zusammenhang mit den immergleichen Begriffen, die Kritiker benutzen um ihrer Meinung Ausdruck zu verleihen, sagt er:

„To the immature ear it sounds smarter — sounds more like really saying something — to assert that a book  or a play or a movie ’satisfies‘ or ‚frustrates‘ or ‚disappoints‘ without specifying who exactly is being satisfied or frustrated or dissapointed. In every case, it is you (who else could it possibly be?), but by looping off the ‚me‘ that should logically and grammatically follow those verbs you pretend to have delivered a universal judgment instead of a personal reaction.“ (S. 174, Kapitel „How to be wrong“)

Weiter führt er aus, dass man einem Kritiker, der sich hinter unpersönlichen Phrasen versteckt, auch fehlendes Selbstvertrauen unterstellen könnte. 

Das Selbstverständnis der Filmblogger

An Selbstvertrauen fehlt es mir nicht, allerdings wohl eher an Vorbildern. Ich habe die Schreibweise übernommen, die ich selbst las – und die war unpersönlich. Also schrieb auch ich unpersönliche Filmkritiken, weil alle gesagt haben, das mache man halt so. Natürlich könnte ich es auch anders machen, ist ja schließlich mein Blog und da redet mir niemand rein. Von meinem subjektiven Empfinden her, habe ich den Eindruck, dass Journalisten unpersönlich schreiben, weil sie studiert haben, ihr Handwerk verstehen, sich in ein Thema eingelesen haben und Ahnung haben (sollten). Bei einem Verkehrsunfall steht ja auch nicht das subjektive Empfinden des Unfallreporters in der Zeitung, sondern ein Tatsachenbericht. Diejenigen, die privat bloggen, weil sie ihre Meinung kundtun möchten, schreiben in der Ich-Form. So unterteile ich unterbewusst. Aber die Realität ist komplexer. Ich betreibe den  Blog zwar privat, habe aber einen journalistischen Anspruch. Deshalb habe ich einen Pressezugang zu Verleih XY, der mich auch behandelt wie Presse (und sind wir doch mal ehrlich, die Verleiher kümmern sich in der Regel auch nicht darum, ob da jetzt eine Privatperson oder ein Journalist ihr Pressematerial nutzt). Mit anderen Worten: ich picke mir die Rosinen raus und bin mir über den Luxus, den ich habe (keine Deadlines, keine Zeichenbegrenzung…), auch bewusst. Und vielleicht ist es gerade auch diese Vielfalt an Möglichkeiten, die  mich überfordern und auch immer wieder die Frage nach dem „Ich“ aufwerfen. 

Was gehört zum Ich? Was gehört in eine Filmkritik?

Wo beginnt dann eigentlich das Ich? In dem Filmkritik-Seminar, das ich auf der Uni besucht habe, wurde mir gesagt, man soll auch den Akt des Sehens durchaus thematisieren. Wie sehe ich? Wie geht es mir dabei? Was ist während der Vorstellung passiert? Wenn es eine Kritik gibt, in der ich das wirklich gut umgesetzt habe, dann ist es wohl mein Verriss zu SCHINDLER’S HÄUSER. Mein ganzer Frust über diesen Film ist zu lesen, den Sarkasmus, der aus einigen Zeilen trieft, weil dieses stinklangweilige Machwerk nur so zu ertragen war. Es war eine Wohltat mich aus dem Korsett des Unpersönlichen zu lösen und den Leser an meinem Leidensweg teilhaben zu lassen. Zusammen ist man schließlich weniger allein. Aber zurück zur Frage: Was gehört zum Ich? Gehört der nette Kassierer an der Kinokasse dazu, die Teenager, die aus der letzten Reihe Popcorn werfen oder der Filmriss bei einer 35mm-Filmvorführung? Die amerikanische Filmkritikerin Maryann Johanson gibt bei Filmkritiken zum Beispiel immer an, ob sie positiv und negativ befangen ist (siehe hierzu → ihr „Critic’s Manifesto„), um dem Leser eine Einordnung der Filmkritik zu ermöglichen. Als Leserservice finde ich das zwar ganz nett, aber ich finde, das könnte man dann auch direkt in die Kritik schreiben – sofern man natürlich die Ich-Form verwendet.

Mehr Experimente

Mir persönlich ist es völlig egal, ob ich Formulierungen wie „Der Film hat mir überhaupt nicht gefallen.“ oder „Der Film versagt auf ganzer Linie.“ lese. Wichtig ist eine Begründung, die ich nachvollziehen kann, selbst wenn ich vielleicht anderer Meinung bin. Ich plane schon seit geraumer Zeit einen Relaunch meines Blogs (nicht jetzt sofort, irgendwann im Herbst/Winter 2016) und als Teil des Neuanfangs überlege ich auch schreibtechnisch etwas umzustellen. Einfach mehr zu experimentieren. Nach über 400 Beiträgen, die hauptsächlich unpersönlich gehalten sind, ist es irgendwie Zeit für etwas Neues und ich nehme Scotts Aussage zum Anlass  um ein bißchen mehr zu experimentieren. Vielleicht ändert sich in den ersten Kritiken „der neueren Art“ auch erstmal gar nichts, weil ich noch zu sehr an die unpersönliche Schreibweise gewöhnt bin. Vielleicht ergeben sich aber auch Mischformen und neue Möglichkeiten. Eine Kritik in Reimform bietet sich für BRIGHT STAR, ein Film über den Poeten John Keats, an. Ich war auch schon am Überlegen eine komplette Filmkritik in Binärcode zu verfassen beispielsweise für eine Hackerserie wie 01001101 01110010 00101110 00100000 01010010 01101111 01100010 01101111 01110100 (MR. ROBOT). Ich werde versuchen offener zu sein und nicht immer die Filmkritiken nach Schema F herunterzutippen. Hoffentlich bleiben mir meine Leser trotzdem treu. 

The Bourne Legacy (OmU, 2012)

Der Jäger wird zum Gejagten

Es ist ja eine Unart geworden, dass Sequels, die nur noch in Ansätzen etwas mit der ursprünglichen Reihe zu tun haben, den Untertitel „Legacy“ spendiert bekommt. Bei Bourne ist der Titel aber schlecht gewählt, da auch der vierte Teil immer noch mit dem mit Erinnerungslücken behafteten Killer zu tun hat, zumindest indirekt. Zeitlich spielt er etwa zur gleichen Zeit wie DAS BOURNE ULTIMATUM. Durch den Tod des britischen Journalisten und das Auftauchen von Jason Bourne in New York ist die CIA unter Zugzwang, besonders der Direktor der CIA, Ezra Kramer (Scott Glenn). Denn während Treadstone und Blackbriar zwischenzeitlich publik werden, gibt es ein weiteres geheimes Regierungsprogramm. Die Teilnehmer von Outcome nehmen blaue und grüne Pillen ein um ihre körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu steigern. Der „Ausputzer“ Eric Byer (Edward Norton) findet kompromitierendes Material, dass ein Treffen zwischen medizinischen Leitern von Treadstone, Dr. Albert Hirsch (Albert Finney) und Outcome, Dr. Hilcott (Neil Brooks Cunningham) zeigt. Hirsch stirbt kurz darauf unter mysteriösen Umständen und im Outcome-Labor tötet ein Wissenschaftler nahezu alle Kollegen, die an dem Projekt beteiligt waren. Nur Dr. Marta Shearing (Rachel Weisz) überlebt. Byer beschließt das Programm zu schließen und alle Teilnehmer werden liquidiert. Ein Agent entgeht aber dem Anschlag. Aaron Cross (Jeremy Renner) kontaktiert Shearing und rettet sie vor CIA-Agenten, die auch sie umbringen wollen um alle Zeugen des Outcome-Programms zu beseitigen. Aaron kannte Marta durch seine regelmäßigen Untersuchungen und bittet sie um Informationen. Cross erfährt von ihr, dass er die grünen Pillen, die er zur körperlichen Leistungssteigerung eingenommen hat, nicht mehr benötigt. Allerdings muss er weiterhin die blauen Pillen einnehmen, die seine geistigen Fähigkeiten auf einem hohen Level halten. Unter falscher Identität reisen die beiden auf die Philippinen, da nur dort die blauen Pillen hergestellt werden. Dort wollen sie Cross mit dem aktiven Virus infizieren, um ihn auch von den blauen Pillen unabhängig zu machen. Doch die CIA ist beiden dicht auf den Fersen.

Schadensbegrenzer Eric Byer (Edward Norton) - © Universal Pictures
Schadensbegrenzer Eric Byer (Edward Norton) – © Universal Pictures
Solider Ableger

Auch das VERMÄCHTNIS übernimmt die Eigenart der vorangegangenen Filme und filmt spektakuläre, aber unfassbar langatmige Verfolgungsjagden, die einfach kein Ende nehmen. Sicherlich könnte man hier auch mit einem starken Realismus dagegen argumentieren, aber Längen sind nun einfach Längen, daran gibt es nichts zu rütteln. Wieder muss der Agent eigenständig handeln, wieder eine Frau retten und sich wieder Polizei-jagt-Bösewicht-jagt-Bourne/Cross-Action hingeben. Das ist alles nicht neu, funktioniert aber durch Jeremy Renner ganz gut. Ohnehin ist Renner schon optisch etwas kerniger als Matt Damon und passt sehr gut auf die Rolle. Rachel Weisz fungiert hauptsächlich als Stichwortgeberin und Informationsquelle. Zu früh wird klar, dass sich die beiden Figuren lieben. Edward Norton bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück. Alles in allem wird aber auch das VERMÄCHTNIS den Bourne-Fans gefallen, nicht zuletzt weil der vierte Teil seinem Vorgänger mehr Tiefe gibt. Daher ist es auch sinnvoll vorher alle anderen Bourne-Filme anzusehen, obwohl man sicher auch ohne Vorwissen der Geschichte folgen kann.

(4.5/6)

Trailer und Titelbild: © Universal Pictures

The Bourne Ultimatum (OmU, 2007)

Die Rückkehr zum Ursprung

Eigentlich waren ja nur zwei Teile der Bourne-Reihe geplant, doch angesichts des Erfolgs wurde umdisponiert.  Nahtlos schließt daher auch das BOURNE ULTIMATUM an die VERSCHWÖRUNG an. Da niemand innerhalb der CIA an seine Amnesie glaubt, ist der Ex-Auftragskiller Bourne immer noch vor seinem ehemaligen Arbeitgeber auf der Flucht. Bourne (Matt Damon) kontaktiert den Londoner Journalisten Simon Ross (Paddy Considine), der einen Artikel über Bourne veröffentlicht hat. Bourne kann herausfinden, dass die Operation Treadstone, an der er teilgenommen hat, nicht beendet wurde, sondern durch das Programm Blackbriar ersetzt wurde. Zudem kann er Dokumente an sich nehmen, die ihn nach Madrid führen. Ross wird kurz darauf erschossen. In Madrid trifft Bourne auf Nicky Parsons (Julia Stiles) und macht sich mit ihr auf die Suche nach Ross‘ Quelle Neal Daniels (Colin Stinton). Der Einsatzleiter des Blackbriar-Programms Noah Vosen (David Strathairn) möchte alle Mitwisser eliminieren und lässt Daniels nach Tanger verfolgen und töten. Bourne und Parsons sind ebenfalls vor Ort. Sie können den Mord nicht verhindern, aber zumindest die Unterlagen von Daniels sicherstellen. Diese führen nach New York. Die von Vosen einbestellte CIA-Einsatzleiterin Pamela Landy (Joan Allen), die Bourne bereits aus Berlin kennt, wird von Bourne kontaktiert und zu einem Treffen bestelllt. Doch das ist nur ein Ablenkungsmanöver um in Vosens Büro einzubrechen. Endlich kommt Jason an die entscheidenden Informationen.

Nicky (Julia Stiles) und Jason (Matt Damon) bei der Lagebesprechung im Restaurant - © Universal Pictures
Nicky (Julia Stiles) und Jason (Matt Damon) bei der Lagebesprechung im Restaurant – © Universal Pictures
Die Ergänzung

Das ULTIMATUM ist mehr oder weniger eine Ergänzung für DIE VERSCHWÖRUNG, eine ausführliche Erläuterung der Umstände. Man merkt dem Film teilweise schon etwas an, dass er eigentlich nicht geplant war. Etwas zu gewollt wirken die Rückbezüge auf die vorherigen Filme. So schließt der Film mit einer Szene von Bourne, der im Wasser treibt – diese Einstellung kennen wir bereits aus der Eröffnungsszene in DIE BOURNE IDENTITÄT. Überhaupt fungiert Nicky Parsons als Erinnerung an Bournes verstorbene Freundin Marie. Sie sitzt mit ihm im Restaurant und lässt sich den Plan erklären  und färbt sich ebenfalls die Haare. Glänzen kann der Film abermals mit den exotischen Orten, die Bourne wieder rund um den Globus führen. Marokko, Großbritannien, Berlin und New York sorgen als Hintergrundkulisse für genügend Abwechslung. Leider macht die wackelige Handkamera kombiniert mit schnellen Schnitten wieder einen zweifelhaften Eindruck.  Insgesamt ist das ULTIMATUM ein runder Abschluss der Trilogie. Inwiefern die Handlung der ersten drei Bourne-Filme in dem fünften Teil eingewoben wird, bleibt abzuwarten. Ab 11. August kommt JASON BOURNE wieder in die deutschen Kinos.

(4.5/6)

Trailer: © Universal via Trailercity/Youtube

The Bourne Supremacy (OmU, 2004)

Kein Happy End für Jason Bourne

Nach dem nachvollziehbaren Erfolg der BOURNE IDENTITÄT war es keine Überraschung, das die Geschichte um den ehemaligen CIA-Auftragskiller weitergeht. Zwei Jahre sind inzwischen vergangen und Jason (Matt Damon) lebt zusammen mit seiner Freundin Marie (Franka Potente) in Indien.  Er kann sich immer noch nicht an alles erinnern, hat Flashbacks und gelegentliche Erinnerungsfetzen. Währenddessen bereitet die neue CIA-Einsatzleiterin Pamela Landy (Joan Allen) eine Mission in Berlin vor. Dort soll ein russischer Informant Beweise für die Veruntreuung von 20 Millionen Dollar durch einen CIA-Agenten übergeben, doch die Übergabe endet mit der Liquidation der beteiligten Agenten. Am Tatort wird ein Fingerabdruck von Jason Bourne gefunden. Bourne stellt kurz darauf fest, das er beschattet wird. Der Russe Kiril (Karl Urban) macht Jagd auf Marie und Jason. Als ihr Wagen in einen Fluss stürzt, geht Kiril davon aus, das beide gestorben seien. Doch Bourne überlebt und macht sich auf die Suche nach dem Mörder seiner Liebsten. Landy kontaktiert den Leiter des „Treadstone“-Programms, Ward Abbott (Brian Cox), und die damalige Agentenbetreuerin Nicolette Parsons (Julia Stiles). Als Bourne bei seiner Einreise festgenommen wird, gelingt es ihm nicht nur seinen Verfolgern zu entkommen, sondern erfährt auch, das er im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin von der CIA gesucht wird. In Berlin angekommen, kontaktiert Bourne Landy und verlangt ein Treffen mit Nicolette, die er nach einer Ablenkungsaktion befragt. Bald kommt nicht nur ein Teil seiner Erinnerung wieder, sondern auch die Erkenntnis, das sein ehemaliger Chef Ward Abbott keine reine Weste hat.

Jason (Matt Damon) und Marie (Franka Potente) auf der Flucht - © Universal Pictures
Jason (Matt Damon) und Marie (Franka Potente) auf der Flucht – © Universal Pictures
Der Blick in den Spiegel

Der zweite Teil der Bourne-Reihe ist bei weitem flüssiger erzählt als noch THE BOURNE IDENTITY, da man die Figuren nicht mehr groß erklären muss. Obwohl bei Bourne einige Erinnerungsfetzen wiederkommen, ist er immer noch ein Gefangener seiner eigenen Vergangenheit. Immer wieder schaut Bourne in den Spiegel. Als würde er sich absichern wollen, dass er wirklich er selbst ist. Bourne ist kein Held. Er ist ein Mensch, der Skrupel hat und der sich bewusst ist, dass seine Handlungen auch Konsequenzen haben. Und Bourne ist nicht unverwundbar. Er wird angeschossen und muss sich verwundet durch Moskau schlagen. Doch manchmal ist Moskau auch Berlin, denn obwohl der Film an Originalschauplätzen gedreht wurde, wurde öfter auch mal Moskau in Berlin gedreht.

Pamela Landy (Joan Allen) - © Universal Pictures
Pamela Landy (Joan Allen) – © Universal Pictures
Temporeiches Sequel

Mittels teils zu sehr wackelnder Handkamera und die durchchoreografierten Actionsszenen vermittelt die Bourne-Reihe abermals ein Gefühl von Authentizität und Realismus. Die für Bourne-Filme obligatorische Verfolgungsszene gerät wieder etwas lang. Die Tatsache, das der dafür benutzte Wagen aber mehreren Zusammenstößen standhält, ist etwas unrealistisch. Auch die Wege von A nach B sind teilweise unrealistisch bzw. werden nicht plausibel erklärt. Vielleicht liegt das auch daran, dass die Fortsetzung wird zügiger erzählt wird als der Vorgänger. Zeit für die Etablierung aller Figuren wird nicht verschwendet. Es wird davon ausgegangen, dass jeder den ersten Teil kennt. Joan Allen und Karl Urban kommen neu zum Cast hinzu und Julia Stiles bekommt eine tragendere Rolle, was frischen Wind in die Sache hineinbringt. Matt Damon wirkt gereifter und macht abermals eine fantastische Figur.

(4.5/6)

Trailer: © Universal Pictures via Youtube/Thomas Roth, Titelbild: © Universal Pictures

The Bourne Identity (OmU, 2002)

Mann über Bord

Da finden Fischer im Mittelmeer einen halbtoten Mann, der nicht mehr weiß, wie er heißt und wer er ist. So beginnt die filmgewordene Geschichte des Jason Bourne, die lose auf der Romanvorlage von Robert Ludlum basiert. Ohne Erinnerung, aber mit zwei Kugeln im Rücken und einem Laserimplantat unter der Haut, macht sich der Ahnungslose (Matt Damon) auf die Suche nach seiner eigenen Identität. In einem Schweizer Bankschließfach findet er eine Waffe, gefälschte Reisepässe, verschiedenste Banknoten und den Namen Jason Bourne. Mithilfe der Deutschen Marie (Franka Potente) folgt Bourne weiteren Hinweisen in Paris. Während er sich in seiner alten Wohnung umsieht, wird er von einem Killer überfallen, Bourne gelingt es aber diesen dank Kampferfahrung zu überwältigen. Den Auftraggeber des Killers erfährt er aber nicht. Jason und Marie fliehen. Währenddessen macht der CIA-Abteilungsleiter Alexander Conklin (Chris Cooper) Jagd auf die beiden und schickt den CIA-Killer „Der Professor“ (Clive Owen). Auch diesen kann Bourne ausschalten. Conklin beschließt sich persönlich mit Bourne zu treffen. Die wenigen Hinweise, die Conklin ihm gibt, reichen aus, dass ein Teil von Jasons Erinnerung wiederkehrt. Bourne erkennt, dass er vor seiner Amnesie ein Auftragskiller der CIA mit der perfekt konstruierten Scheinidentität war. Bourne schlägt Conklin nieder und flieht. Aber seine Verfolger kann er nicht so leicht abschütteln.

Können diese Augen lügen? (Matt Damon) - © Universal
Können diese Augen lügen? (Matt Damon) – © Universal
Bubi gegen böse Jungs

Es wirkt schon manchmal unfreiwillig komisch, wenn Matt Damon die bösen Jungs vermöbelt. Dieses Milchbubigesicht mag nicht so ganz zur Brutalität der Handlung passen. Auch die Motivation von Franka Potentes Figur Marie ist unklar. Warum sie so gerne Zeit mit dem Killer Bourne verbringt, wird abschließend nicht geklärt. Vielleicht ist es die Suche nach dem Abenteuer. Dennoch sind die beiden ein süßes Paar. Wer den Film in OmU schaut, bemerkt, dass die Sprachen allesamt untertitelt sind bzw. Matt Damon die jeweilige Sprache für einen kurzen Moment spricht. Der Film legt großen Wert auf Realismus. Statt im Studio wird hier an Originalschauplätzen gedreht. Und auch im direkten Vergleich zu seinen Agentenkollegen Bond und Hunt, kann sich Bourne durchaus sehen lassen. Er ist nicht so elegant wie Bond und auch nicht so aalglatt wie Hunt und gerade das macht den Unterschied. Es geht hier um einen Agenten in einer Identitätskrise, der mit seinem Leben und seiner Mission hardert. Der sein eigenes Handeln reflektiert, sich die Folgen bewusst macht und sich vielleicht auch dafür schämt.

© Universal
© Universal
Starke Ansatz mit Längen

Gerade das Nichtwissen um die eigene Identität ist Bournes großer Vorteil. So leidet das Publikum mit dem nach Hinweisen suchenden Protagonisten und folgt ihm überall hin. Und vielleicht hilft dieses Bubigesicht sogar dabei Mitleid mit dem „armen“, ahnungslosen Auftragskiller zu haben. Matt Damon stürzt sich in waghalsige Stunts, die häufig einen dokumentarischen Charakter haben, weil sie mittels Handkamera gedreht wurden. Hierdurch unterscheidet sich Bourne auch von anderen Actionreihen, die lieber auf durchgestylte Bilder setzen als auf Authentizität. Großes Problem sind die Längen. Von Hinweis zu Hinweis vergeht immer sehr viel Zeit ebenso wie die actionreichen Verfolungsjagden. Was manch einer als realitätsnah beschreiben würde, macht den Film etwas zäh. Dennoch ist es ein gelungener Auftakt für eine starke Actionreihe.

(4/6)

Titelbild und Trailer: © Universal

Into The Woods (2014)

Wenn das Happy End nicht reicht

Die Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals von James Lapine und Stephen Sondheim macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Große Namen versprechen Qualität.  Auch die Grundprämisse des Stücks, nämlich bekannte Märchen wie Rapunzel oder CINDERELLA über das Happy End hinauszuerzählen, klingt erst einmal spannend. Doch recht schnell macht sich Ernüchterung breit, denn der Film nimmt zu viel selbst vorweg. Zu Beginn des Films sieht man Rotkäppchen (Lilla Crawford) mit dem prominenten roten Umhang in den Wald laufen, weil sie auf dem Weg zu ihrer Großmutter ist. Zudem läuft der Junge Hans (Daniel Huttlestone) mit seiner Kuh in den Wald, weil er sie auf dem Markt verkaufen soll. Ebenfalls im Wald befindet sich Cinderella (Anna Kendrick), die vor ihrem Prinzen (Chris Pine) davonläuft, und die blonde Rapunzel (MacKenzie Mauzy), die von der bösen Hexe in einem Turm festgehalten wird. Zeitgleich bietet ebendiese Hexe (Meryl Streep) dem Bäcker (James Corden) und seiner Frau (Emily Blunt) an, sie von ihrer Kinderlosigkeit zu befreien. Hierzu müssen sie aber vier Dinge besorgen: eine Kuh so weiß wie Milch, einen Umhang so rot wie Blut, Haare so gelb wie Mais und einen Schuh aus reinem Gold. Man muss kein Meisterdetektiv sein um herauszufinden, dass es darauf hinausläuft, dass der Bäcker und seine Frau durch den Wald irren und versuchen diese Gegenstände einzusammeln. Natürlich gelingt dies. Alle bekommen ihr Happy End. Die Frau des Bäckers wird schwanger, Rotkäppchen und ihre Großmutter werden aus dem Bauch des Wolfes (Johnny Depp) gerettet und der Prinz heiratet Cinderella. Doch bald sterben nicht nur mehrere Figuren, sondern es brechen auch alte Allianzen und am Ende beschuldigen sich alle gegenseitig.

Die Hexe (Meryl Streep) - © Disney
Die Hexe (Meryl Streep) – © Disney
Der Wald als Ort der Möglichkeiten

Obwohl auch Teile der Handlung außerhalb des titelgebenden Waldes stattfinden, so ist der Wald der zentrale Spielort des Films und definiert sich als Ort von Möglichkeiten und Begegnungen. Verschiedenste Personen treffen dort aufeinander und interagieren miteinander. Klassenunterschiede werden aufgehoben. Allianzen entstehen zwischen Personen, die unter normalen Umständen nicht zueinander finden würden, wie etwa beim Flirtversuch von Prinz Charming mit der Frau des Bäckers. Der Wald ist aber auch etwas Magisches. Hier können tote Tiere wieder lebendig gemacht werden, die Frau des Bäckers wird schwanger. Alles ist möglich und diese Vielfalt an Möglichkeiten sorgt nur für Probleme. Auch wenn das Musical eine progressive Botschaft verkaufen möchte, so zeigt sie umso mehr die Grenzen des Fortschritts auf. Fortschritt hat seinen Preis, auch in der Welt der Märchen.

Der B© Disney
Der B© Disney
Into the woods, into the woods, into the woooooods!

Die Musical-Verfilmung kann mit einigen großen Namen aufwarten: James Corden, Emily Blunt, Chris Pine, Anna Kendrick und natürlich Johnny Depp und Meryl Streep, die beide bereits mit SWEENEY TODD und MAMMA MIA! einschlägige Musicalerfahrung gesammelt haben. Allerdings sollte man sich von dem Starensemble und der Story nicht täuschen lassen. Es wird recht schnell klar, wohin die Reise geht und das macht die Story nicht nur vorhersehbar, sondern auch langatmig. Keiner der Schauspieler macht besonders auf sich aufmerksam, nicht einmal Meryl Streep, die hierfür allen Ernstes eine Oscarnominierung bekam. Das Musical wirkt auch unfreiwillig komisch, wenn etwa Chris Pine von seinem Liebeskummer singt, dabei auf einem Wasserfall steht und sich dabei plakativ das Hemd aufreißt. Überhaupt ist Prinz Charming ein absoluter Arsch. Auf die Frage von Cinderella, warum er ihr nicht treu sein kann, wenn er sie doch liebt, antwortet der doch tatsächlich: „Man hat mich dazu erzogen charmant zu sein, nicht aufrichtig.“ Gefühlte 20.000 Mal kommt die Floskel „into the woods“ vor, was mit der Zeit zusätzlich die Nerven strapaziert. Punkten kann der Film lediglich bei den abermals fantastischen Kostümen von Colleen Atwood und dem impressiven Setdesign.

(1.5/6)

Titelbild und Trailer: © Disney Deutschland

Boston Legal – 1. Staffel (2004)

Einspruch, euer Ehren!

Anwaltsserien gibt es zu genüge, aber BOSTON LEGAL ist schon eine ganz eigene Hausnummer.  Wie es der Titel schon verrät, geht es um die Bostoner Anwaltskanzlei Crane, Poole & Schmidt, in der die Geschäfte nicht mehr so gut laufen wie früher. Dies liegt zum einen daran, dass der Seniorpartner Edwin Poole (Larry Miller) kurz vor einem Nervenzusammenbruch steht und zum anderen weil Seniorpartner Denny Crane (William Shatner) lieber hübschen Anwältinnen nachstellt als sich um Fälle zu kümmern. Weiter kommt es zu Revierkämpfen zwischen Brad Chase (Mark Valley) und dem Neuankömmling Alan Shore (James Spader), der nicht nur ziemlich erfolgreich bei den Frauen ist, sondern auch nicht vor Erpressung zurückschreckt, wenn dies dabei hilft seinen Fall zu gewinnen. Um den Ruf der Firma nicht zu beschädigen, holt der Justiziar Paul Lewiston (Rene Auberjonois) die dritte Senior Partnerin Shirley Schmidt (Candice Bergen) aus New York zurück, damit sie „aufräumt“. Schmidt kündigt daraufhin die Anwältin Sally Heep (Lake Bell), was zu neuer Unruhe führt.

Alan Shore (James Spader) und Denny Crane (William Shatner) - © 20th Century Fox Home Entertainment
Alan Shore (James Spader) und Denny Crane (William Shatner) – © 20th Century Fox Home Entertainment
Mit Witz zum Erfolg

Anwaltsserien kommen meistens recht spröde daher, schließlich geht es in der Regel um Mord und Todschlag, doch BOSTON LEGAL kann dem Rechtsspektakel etwas Humorvolles abgewinnen. So ziemlich jede Episode ist durchzogen mit Slapstick-Momenten oder schwarzem Humor. Auch durch verrückte Kostümierungen wird das Publikum zum Lachen gebracht, wenn etwa Christbaumschmuck den Weg auf Alan Shores Kopf findet und dieser den blinkenden Glitzerstern auch nicht in Gegenwart eines Klienten abnimmt. William Shatners Denny Crane und James Spaders Alan Shore sind ein eingeschworenes Team trotz der unterschiedlichen politischen Ansichten. Während Crane ein konservativer Repulikaner ist, ist Shore ein Demokrat – eine Tatsache, die häufig kommentiert wird. Trotzdem wirkt ihre „Bromance“ echt und kann auch gegen die starke Allianz aus Candice Bergen und Rene Auberjonois bestehen. Auch die Nebenrollen können sich sehen lassen. Kerry Washington ist als Anwaltskollegin, Freddie Prinze Jr. als der Sohn von Denny („Donny Crane“ „Denny Crane“) und Betty White als Alans neue Sekretärin zu sehen. Das Ende der ersten Staffel endet mit Tiefschläger, denn die letzte Folge behandelt die Todesstrafe in Texas. Allerdings ist diese Folge auch der Grund, warum man sich auch die zweite Staffel anschaut, denn James Spader liefert ein herzzerreißendes Plädoyer für den Todeskandidaten ab.

(5/6)

Titelbild: © 20th Century Fox Home Entertainment, Trailer: Youtube/foxfilmtv

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