Crank: High Voltage (2009)

Lieblose Fortsetzung

Wenn schon sinnlos, dann richtig. Das dachten sich die Regisseure Brian Taylor und Mark Neveldine und schickten abermals ihren tapferen Helden auf eine aussichtslose Mission. Doch leider vergessen sie dabei viele Elemente, die CRANK zum Kultfilm machten und so verliert die Fortsetzung deutlich an Sympathie. Dies beginnt schon bei der Handlung. Der Auftragskiller Chev Chelios (Jason Statham) hat wie durch ein Wunder den Fall aus einem Hubschrauber ohne Fallschirm überlebt. Kaum liegt er auf der Straße sammeln ihn chinesische Mediziner ein, die ihm bei vollem Bewusstsein Organe entnehmen. Sein Herz wird ihm entnommen und durch ein künstliches ersetzt. Chev kann sich befreien, bevor ihm weitere Organe entnommen werden können und macht sich auf die Suche nach Johnny Vang (Art Hsu). Der hat nämlich inzwischen Chevs Herz und möchte es seinem kranken Boss Poon Dong (David Carradine) einpflanzen. Doch die anstrengende Suche wirkt sich negativ auf das künstliche Herz aus, welches permanent mit Strom versorgt werden muss um zu schlagen. Pech nur, dass Chev kurz darauf seine externe Batterie verliert, die das sicherstellt. Um trotzdem am Leben zu bleiben, nutzt er Elektroschocks, Autobatterien und Reibungselektrizität. Durch Zufall trifft Chev auf seine Freundin Eve (Amy Smart), die inzwischen als Stripperin arbeitet. Die ist überrascht ihren Freund zu sehen, ist aber gewillt ihm zu helfen. 

Unter Strom - © Universum
Unter Strom – © Universum
Altbewährtes und neu Verwurschteltes

CRANK: HIGH VOLTAGE setzt auf Altbekanntes. Es gibt wieder eine übertrieben-absurde Sexszene, einen Cameo-Auftritt vom Sänger von Linkin Park und natürlich die Liebesgeschichte zwischen Chev und Eve in einem Leben-oder-Tod-Setting. Doch es gibt auch Elemente, die vergessen wurden. Zum einen wurde die Ich-Perspektive von Chev völlig entfernt. Die Krankheitssymptome, die sich im ersten Teil noch in der Kameraführung und im Schnitt äußerten, ließen den Zuschauer am Leidensweg von Chelios teilhaben. Nichts davon findet sich im zweiten Teil wieder, was es auch schwieriger macht, sich auf die abgedrehte Handlung und auf Chevs Suche nach dem Herz einzulassen. Zeitgleich versucht der Film eine Hommage an andere Formate und Filme zu sein. Es gibt Elemente einer Talkshow, eine Liebesszene, die an eine spanische Telenovela erinnert, eine KING KONG-Hommage. All das wird in die ohnehin schon völlig übertriebene Handlung mit ihren überzeichneten Figuren eingebaut. Die Handlung ist ein einziger Haufen Blödsinn, bei dem Jason Statham echt kämpfen muss, diesen gut zu verkaufen. Das liegt auch daran, dass HIGH VOLTAGE nicht den gleichen Witz und Zynismus versprüht wie noch der kultige Vorgänger. Am Ende ist es eine einzige Gewaltorgie. Mehr nicht. 

(2/6 bzw. 3,5/10)

Anmerkung: Ab sofort werde ich meine 6-Punkte-Wertung auch auf das 10-Punkte-System umrechnen. Je nach Wertung kann es dabei zu einer Diskrepanz von  ± 0,5 Punkten kommen.

Titelbild und Trailer: © Universum

Star Trek Beyond (3D, 2016)

„Nicht verzagen, mal was wagen!“

Drei Jahre vergingen zwischen dem letzten STAR TREK-Film und dem neuen. Personelle Umbesetzungen waren nötig. Weil J.J. Abrams mit der siebten Episode von STAR WARS beschäftigt war, wurde die Regie an Justin Lin übergeben, der unter anderem für mehrere Teile der THE FAST AND THE FURIOUS-Reihe zuständig war. Auch Scotty-Darsteller Simon Pegg ist dieses Mal in zweifacher Funktion zu sehen: als Schauspieler und als Drehbuchautor. Sein Abenteuer beginnt zunächst harmlos. Die Enterprise und ihre Besatzung ist bereits drei Jahre im All unterwegs und versucht im Namen der Vereinten Föderation der Planeten Frieden zu stiften. Dabei treffen Sie auf die verunglückte Kapitänin eines anderen Raumschiffs, die für ihre Mannschaft um Hilfe bittet. Doch die vermeintliche Rettungsmission ist eine Falle. Captain Kirk (Chris Pine) muss seine Mannschaft evakuieren. Manche Crewmitglieder wie Uhura (Zoe Saldana) werden von Krall (Idris Elba), dem Anführer der Angreifer, gefangen genommen. Andere Crewmitglieder wie Spock (Zachary Quinto), Scotty (Simon Pegg), Pille (Karl Urban) und Kirk landen völlig verstreut mittels Rettungskapsel auf einem fremden Planeten. Scotty trifft dabei auf eine ebenfalls gestrandete Alienfrau namens Jaylah (Sofia Boutella), deren Verwandte von Krall getötet wurden. Jaylah versteckt sich seitdem vor Krall und lebt in einem alten Föderationsschiff, der USS Franklin. Das Raumschiff könnte einen rettenden Ausweg bieten, doch das Schiff ist noch nicht betriebsbereit. Scotty möchte helfen. Kurze Zeit später treten Spock und Pille in eine von Jaylahs Fallen und auch Kirk findet den Weg zu seiner Crew. Um die restlichen Crewmitglieder aus Kralls Gefangenschaft zu befreien, braucht es nicht nur Einfallsreichtum, sondern auch Teamgeist und Zusammenhalt.

Chekov (Anton Yelchin) und Kirk (Chris Pine) - © Paramount Pictures
Chekov (Anton Yelchin) und Kirk (Chris Pine) – © Paramount Pictures
„To absent friends!“ und neuen Freunden

Das STAR TREK-Franchise hatte gleich zwei Todesfälle zu verkraften. Zum einen den von Spock-Darsteller Leonard Nimoy, zum anderen den des Chekov-Darstellers Anton Yelchin. Während man den Tod von Nimoy in die Handlung eingewebt hat, wurde Yelchins Tod subtiler eingearbeitet. Als Kirk auf einer Feier einen Toast auf abwesenden Freunde ausbringt, ist Chekov die erste Person, die im Anschluss zu sehen ist. Aus der Gruppe sticht etwas Karl Urban hervor, der bei Weitem die besten Sprüche aufsagen darf und mit seinem erfrischenden Sarkasmus ernste Szenen auflöst. Einige neue Charaktere aus INTO DARKNESS wie Carol Marcus tauchen nicht mehr auf, dafür gibt es mit Sofia Boutella als Jaylah  eine starke, neue Figur. Sie verliebt sich glücklicherweise auch nicht in irgendein Crewmitglied, sondern ist ein dreidimensionaler Charakter, den man ernstnehmen muss. Idris Elba, den man unter den Massen an Makeup gar nicht erkennt, gibt einen glaubhaften und furchteinflößenden Bösewicht, dessen Motivation aber in wenigen Sätzen abgehandelt wird. Die Kamera fängt die beeindruckenden Landschaften und Planeten fantastisch ein. Auch die für STAR TREK-Filme der Neuzeit offenbar obligatorische Bruchlandung der Enterprise hat Justin Lin perfektioniert. In Actionszenen ist die Action aber teilweise nicht sichtbar, weil hier nach dem „Bourne-Prinzip“ eine wackelige Kamera mit schnellen Schnitten kombiniert wird.

Jaylah (Sofia Boutella) und Scotty (Simon Pegg) - © Paramount Pictures
Jaylah (Sofia Boutella) und Scotty (Simon Pegg) – © Paramount Pictures
Hommage an die Serie

„→ As TV has become more like movies, movies have become more like TV. It’s gone the other way. There are these serials, these continuing stories that are a regurgitation of the same things we’ve seen over and over again.” Der CEO des Animationsstudios Laika, Trevis Knight, bringt es auf den Punkt. Die These, dass Filme immer mehr wie Serien werden, wird durch das Drehbuch von Simon Pegg und Doug Jung unterstützt. STAR TREK BEYOND hat einen starken seriellen Charakter, nicht nur, weil er auf einer Serie basiert, sondern auch im Aufbau der Narration. Die Helden arbeiten zusammen, werden getrennt, treffen sich dann wieder um den großen Endgegner aufzuhalten. Ende gut, alles gut, nächste Woche sehen wir uns wieder. Während STAR TREK und STAR TREK INTO DARKNESS inhaltlich wie optisch stark auf das Kino getrimmt waren, sich auf Charakterentwicklung und Storytelling fokussierten, ist BEYOND eher eine filmgewordene Einzelfolge einer Serie. Trotzdem ist diese Folge inhaltlich recht dicht und trotz kleinerer Längen und Logiklöcher sehr unterhaltsam. 

(5/6)

Titelbild und Trailer: © Paramount Pictures Germany

Victor Frankenstein (OmU, 2015)

Die Natur kennt keine Gnade.

Der Roman von Mary Shelley wurde inzwischen unzählige Male adaptiert und interpretiert. Die Geschichte über den verrückten Wissenschaftler, der totes Fleisch zu einem lebendigen Organismus zusammenfügte, findet immer wieder den Weg auf die Theaterbühnen, große und kleine Leinwände. Am 22. September 2016 erscheint nun die neuste Version des Stoffs auf DVD und Blu-Ray. Paul McGuigans Interpretation ist ein buntes Potpourri aus der literarischen Vorlage, aber auch aus filmischen Referenzen. Hier trifft der Medizinstudent Victor Frankenstein (James McAvoy) auf einen namenlosen Buckligen (Daniel Radcliffe), als er den Zirkus besucht. Der Buckelige arbeitet im Zirkus als Clown. Von seinen Kollegen wird er schikaniert, da er sich für die Anatomie des Menschen interessiert. Und auch für die Akrobatin Lorelei (Jessica Brown Findlay), die bei ihrer Nummer stürzt. Durch sein Wissen kann der Buckelige Lorelei retten und Frankenstein wird auf ihn aufmerksam. Victor befreit den Buckeligen kurzerhand aus dem Zirkus, heilt ihn von seiner körperlichen Anomalie und nimmt ihn als Assistenten bei sich auf. Der Buckelige bekommt den Namen Igor. Victor und Igor arbeiten zusammen an der Unsterblichkeit der Menschheit. Hierfür brauchen sie aber Leichenteile, was bald den gottesfürchtigen Inspektor Turpin (Andrew Scott) auf den Plan ruft, der die Fälle untersucht. Für ihn ist Frankensteins Vorhaben Blasphemie, welches er mit allen Mitteln bekämpft. Doch Victor ist nach einem ersten Erfolg davon besessen einen künstlichen Körper mit Leben zu füllen und findet dabei in dem reichen Finnegan (Freddie Fox) einen Gönner. Doch Igor kommen immer mehr Zweifel an Victors Handeln.

Inspektor Turpin - (Andrew Scott) - © 20th Century Fox
Inspektor Turpin – (Andrew Scott) – © 20th Century Fox
Religion gegen Wissenschaft

Darf man wirklich alles Menschenmögliche tun, einfach nur, weil es geht? Oder sollte die Wissenschaft auch immer gewissen ethischen Grenzen unterliegen? Es ist der alte Kampf der Institutionen, der sich in den Figuren von Inspektor Turpin und Victor Frankenstein manifestiert. Auch wenn Andrew Scott großartig spielt, bleibt bei seiner Figur ein gewisser Restzweifel. Gerade ein Mann, der vor kurzem seine Frau verloren hat, müsste doch einen gewisses Level an Empathie für Frankensteins Wunsch nach Unsterblichkeit hegen. Doch er bleibt knallhart. Zudem taucht Turpin auch immer in den wichtigen Momenten auf, immer dann, wenn Frankenstein mal wieder einen ebenbürtigen Gegenspieler braucht. (In meinen Notizen zum Film steht mehrfach der Begriff „Moriarty ex Machina“.) James McAvoy spielt dagegen den Archetypen eines verrückten Arztes, dessen Ego und Größenwahn ihm im Weg stehen. Die Stimmungsschwankungen, die McAvoy seinem Frankenstein verpasst, sorgen für eine gute Dynamik mit Daniel Radcliffes Figur, die permanent zwischen Dankbarkeit gegenüber seinem Retter und dem Zweifeln an dem gemeinsamen Vorhaben schwankt.

Victor (James McAvoy) und Igor (Daniel Radcliffe) - © 20th Century Fox
Victor (James McAvoy) und Igor (Daniel Radcliffe) – © 20th Century Fox
Mut vonnöten

Der Film hätte durchaus mutiger sein können. Besonders die erste Hälfte macht durchaus gute Laune. Aus der Ich-Perspektive erzählt Igor wie er auf Victor traf und wie er seinen Namen bekommen hat. Dabei werden die literarische Vorlage und Referenzen zu Frankenstein-Filmen (wie etwa die Figur des Igor) miteinander vermischt. Die Freundschaft und der Wissensdurst der beiden Protagonisten wird gut porträtiert. Man spürt die Sympathie zwischen McAvoy und Radcliffe, die ein dynamisches Duo abgeben. Bloß leider ändert sich diese Dynamik in der zweiten Hälfte. Hier wird die ganze Frankensteins-Monster-Thematik im Eiltempo abgefrühstückt. Es wäre spannender gewesen, hätte McGuigan auf die Erschaffung des Monsters verzichtet oder diese zumindest nur am Rande erwähnt, denn so verlagert sich der Fokus der Freundschaft plötzlich auf das Monster. Und das sieht eklig aus. Es geht also mehr um die Schauwerte als um einen innovativen neuen Ansatz. Auch die Liebelei mit Lorelei, die als ein Bruch in der Freundschaft zwischen Igor und Viktor fungiert, ist Narration nach dem Schema F. Da trösten dann auch nicht die großartige Ausstattung und die Kostüme darüber hinweg.

(4/6)

Titelbild und Trailer: © 20th Century Fox

Jason Bourne (O, 2016)

„This could be worse than Snowden.“

Es ist leider immer noch das Jahr 2016. Das Kinojahr mit den vielen Sequels und Prequels. Ein weiteres Kinojahr mit alten Bekannten. Ein weiteres Kinojahr mit Jason Bourne. Da offenbar vier bzw. drei Filme, wenn man nur die mit Matt Damon zählt, noch nicht reichen, gibt es nun eine Fortsetzung zu DAS BOURNE ULTIMATUM. Mehrere Jahre nach der Handlung des ULTIMATUMS taucht Jason Bourne wieder auf. Nicky Parsons (Julia Stiles) kontaktiert Bourne nachdem sie illegal Daten zu verdeckten Operationen von dem Server der CIA heruntergeladen hat. Das weckt die Neugier der Leitung für Cyberkriminalität, Heather Lee (Alicia Vikander), und des neuen CIA-Direktors Robert Dewey (Tommy Lee Jones). Nicky und Jason treffen sich in Athen, doch das Treffen geht schief. Ein Killer (Vincent Cassel) , der noch eine Rechnung mit Bourne offen hat, bringt Nicky um. Sie kann Bourne noch einen Schlüssel für ein Schließfach übergeben. Der findet darin Unterlagen, die seinen Vater in Verbindung mit der Etablierung des Treadstone-Programms bringen. 

Jason (Matt Damon) und Nicky (Julia Stiles) in Athen - © Universal Pictures
Jason (Matt Damon) und Nicky (Julia Stiles) in Athen – © Universal Pictures
„This can stop now.“ – Tut’s aber nicht.

Manchmal wissen die Filmemacher einfach nicht, wann Schluss ist. Nach ULTIMATUM war eigentlich Schluss. Spätestens aber nach dem VERMÄCHTNIS. Und jetzt kommt JASON BOURNE, ein Film, der völlig unnötig ist, weil er wenig Neues erzählt. Die Verwicklungen von Bournes Vater sind kein guter Grund einen ganzen Film zu drehen. Zumindest, wenn man die Hinweise so spärlich streut, wie das in diesem Film der Fall ist. Die Geschichte ist auch wieder mehr oder weniger die Gleiche. Jason Bourne findet etwas heraus, was den CIA-Direktor, der manipulativ und ignorant ist, auf die Palme bringt. Dann werden Killer geschickt, die natürlich keinen Erfolg haben, weil Bourne schließlich nicht irgendein 08-15-Agent ist. Eine weibliche Agentin innerhalb der CIA schlägt sich auf die Seite von Bourne. Der CIA-Direktor hat Dreck am Stecken, dessen er von Bourne überführt wird. Ende der Geschichte. Dafür muss man kein Geld ausgeben. Da kann man auch auf die Free-TV-Premiere warten.

Aaron Kalloor (Riz Ahmed) und CIA-Direktor Robert Dewey (Tommy Lee Jones) beim konspirativen Gespräch - © Universal Pictures
Aaron Kalloor (Riz Ahmed) und CIA-Direktor Robert Dewey (Tommy Lee Jones) beim konspirativen Gespräch – © Universal Pictures
Im Getümmel

Wenn die Reihe von etwas lebt, dann sind es die realistischen Actionszenen, die mit Wackelkamera und schnellen Schnitten wirkungsvoll unterstrichen sind. Doch dieses Mal wackelt es wirklich fürchterlich; so sehr, dass meine Augen schmerzten. Auch wenn der Film wieder mit tollen Originalschauplätzen, die teilweise – wie im Fall der Proteste von Athen – sogar einen aktuellen politischen Bezug haben, aufwarten kann, so hilft das alles nichts, wenn die Story nicht stimmt. Trotz schauspielerisch überzeugendem Ensemble mit Alicia Vikander, Tommy Lee Jones und Matt Damon liefert der Film wenig Neues. Vielleicht liegt es daran, dass man erst einmal neue Charaktere etablieren musste. Vielleicht ist aber auch eine grundlegende Ideenlosigkeit im Drehbuch. Besonders gegen Ende gerät der Film immer mehr zur Materialschlacht, wenn ein SWAT-Wagen sich durch eine Masse von Autos schiebt. Das hat wenig von Bourne, dafür mehr von den Pierce-Brosnan-Bondstreifen. Es ist schon paradox, wenn die Reihe gerade dann ihre Identität verliert, wenn die Hauptfigur ihre wiedererlangt.

(3.5/6)

Titelbild und Trailer: © Universal Pictures

Anomalisa (OmU, 2015)

Die etwas andere Welt-Anschauung

Crowdfunding ist schon eine tolle Sache, besonders für Filmemacher mit Projekten, die sonst keiner machen will. Von einer Fan-Finanzspritze haben bereits Filme wie WISH I WAS HERE oder STROMBERG profitiert. Eines dieser großartigen Projekte ist ANOMALISA. Der Drehbuchautor Charlie Kaufman, den man von Filmen wie BEING JOHN MALKOVICH oder VERGISS MEIN NICHT kennt, nimmt den Zuschauer mit nach Cincinnati. Dort kommt der Motivationstrainer und Bestsellerautor Michael Stone (Stimme von David Thewlis) an, weil er dort einen Vortrag halten soll. Auch wenn er schon vielen Menschen helfen konnte, so leidet er selbst unter einem ganz eigenen Problem. Alle Menschen, die er trifft, sehen gleich aus und haben die gleiche männliche Stimme (Tom Noonan). Durch Zufall trifft er in seinem Hotel die Handelsvertreterinnen Emily und Lisa (Stimme von Jennifer Jason Leigh). Michael ist sofort von Lisa und besonders ihrer Stimme begeistert, da diese aus der Masse hervorsticht. Lisa und Michael verbringen die Nacht miteinander, doch was der Beginn einer wunderschönen Liebesgeschichte sein könnte, endet dann doch nur in einer Enttäuschung.

Michael und Lisa - © Paramount Pictures
Michael und Lisa – © Paramount Pictures
Unterstützung und Lob von allen Seiten

Ursprünglich war der Film als Hörspiel konzipiert und wurde 2005 auf Bühnen in New York und Los Angeles uraufgeführt. Der Film wurde von mehr als 5.000 Fans auf Kickstarter finanziert. Mit über 400.000 US-Dollar wurde doppelt so viel Geld eingenommen wie erhofft – damals war allerdings nur eine 40-minütige Fassung geplant. Nachdem dann auch noch ein Investor einstieg, konnte eine Spielfilmfassung realisiert werden. Und die wurde dann mit Filmpreisen überhäuft. Die Oscarnominierung in diesem Jahr war durchaus gerechtfertigt. Es ist fast ein bißchen schade, dass der Film gegen ALLES STEHT KOPF verloren hat. Immerhin können sich die Macher damit trösten, dass ANOMALISA der erste Animationsfilm mit einem → R-Rating ist, der es überhaupt in die Nominiertenliste der Academy geschafft hat. Denn ja, es gibt nackte Tatsachen zu sehen. An der Sexszene zwischen Lisa und Michael hat man aufgrund von technischen als auch narrativen Gründen sechs Monate herumanimiert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und wurde von der Alliance of Women Film Journalists in der Kategorie → „Best Depiction Of Nudity, Sexuality, or Seduction“ zusammen mit CAROL ausgezeichnet.  (Von dem EDA-Award hatte ich bisher noch nie was gehört, aber man lernt ja nie aus.) 

Michael Stone - © Paramount Pictures
Michael Stone – © Paramount Pictures
Interpretationsspielräume

ANOMALISA bietet genügend Interpretationsspielraum. Recht offensichtlich ist die gestörte Wahrnehmung von Michael, bei dem alle Menschen gleich aussehen und die gleiche Stimme haben. Der Film selbst gibt auch eine offensichtliche Antwort, wie man diese nennt. Stone steigt im „Hotel Fregoli“ ab. Das → Fregoli-Syndrom ist eine wahnhafte Einbildung, die häufig im Zusammenhang mit Schizophrenie auftaucht. Dann verästeln sich aber die möglichen Analysen. Während die einen sagen, Michael sei ein → unzuverlässiger Erzähler, der die Krankheit nur als Ausrede dafür benutzt, andere Menschen schlecht zu behandeln, denken die anderen Lisa sei nur eine → Fantasieversion der japanischen Puppe, die Michael kauft. Für alle anderen, die weniger Wert  auf die ausführliche Filmanalyse legen, für die ist es ein Film über → Einsamkeit und die Flüchtigkeit der Liebe.  Die Sprecher der Rollen sind die gleichen wie die des Hörspiels von 2005. David Thewlis, Jennifer Jason Leigh und Tom Noonan haben einen großartigen Job gemacht. Es mag sicherlich den ein oder anderen geben, der mit der Stop-Motion-Art seine Probleme hat. Die Figuren laufen selten flüssig, sondern immer etwas abgehackt. Auf der anderen Seite hat Stop-Motion auch seine Vorteile, wenn etwa Teile des Gesichts abfallen oder alle Figuren gleich aussehen. Mit CGI wäre das mindestens genauso viel Arbeit. Animationsfilme haben ja das Image, dass sie hauptsächlich für das jüngere Publikum gemacht sind. ANOMALISA beweist das Gegenteil. Es ist ein Film für Erwachsene, der erwachsene Themen anspricht und komplexer ist, als es auf den ersten Blick scheint. Definitiv ein Film zum Immer-wieder-Anschauen.

(5.5/6)


Titelbild und Trailer: © Paramount Pictures

Now You See Me 2 (2016)

Lachen und Staunen

In dieser Zeit der Sequels und Remakes gibt es eigentlich wenig Fortsetzungen auf die ich mich ehrlich und aus ganzem Herzen freue. Einer dieser Filme war aber die Fortsetzung zu DIE UNFASSBAREN. Ein Jahr ist inzwischen vergangen und die vier Reiter halten sich bedeckt. Hanley hat die Gruppe inzwischen verlassen. Danny Atlas (Jesse Eisenberg), Jack Wilder (Dave Franco) und Merritt McKinney (Woody Harrelson) verbringen ihre Zeit in der Versenkung damit, ihre Tricks zu perfektionieren. Dylan (Mark Ruffalo) arbeitet immer noch für das FBI, hat aber Kontakt zu seinen drei Reitern, auch wenn er offiziell so tut, als würde er sie jagen. Da taucht plötzlich Lula (Lizzy Caplan) auf, die als Ersatz für Hanley in die Gruppe und in den Zauberergeheimbund „Das Auge“ aufgenommen wird. „Das Auge“ gibt Dylan, der als Verbindung zwischen Geheimbund und Magiertruppe agiert, den Auftrag für ein Comeback. Auf der Firmenpräsentation von Octa, einem Mobilfunkunternehmen, soll es soweit sein, doch die Zaubershow wird durch eine weitere Partei gestört. Bei der Flucht landen die Vier aus unerklärlichen Gründen in China. Dort treffen sie den undurchsichtigen Walter Mabry (Daniel Radcliffe), der die Zauberkünstler zwingt, einen Computerchip zu stehlen. Von seinen Schützlingen getrennt, muss Dylan ausgerechnet den Mann um Hilfe bitten, den er ins Gefängnis gebracht hat: Thaddeus Bradley (Morgan Freeman). 

Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) - © Concorde
Thaddeus Bradley (Morgan Freeman) – © Concorde
Eine gelungene Zaubershow

Im Presseheft steht, man habe mithilfe von professionellen Magiern Illusionen erzeugen wollen, die man vor der laufenden Kamera ausführen kann. Zitat „Zusätzliche Spezialeffekte kamen dabei kaum oder auch gar nicht zum Einsatz.“ Auch wenn der steigende Regen nach CGI aussieht, so ist es doch mit den richtigen Hilfsmitteln möglich. Highlight ist definitiv der Diebstahl des Datenchips aus einem hermetisch abgeriegelten Raum. Es dauerte eine Woche die fünfminütige Sequenz zu drehen, doch die war es wirklich wert. Trotzdem gibt es genügend Logiklöcher, die aber nicht schwer ins Gewicht fallen. Im ersten Teil wurde das Publikum verzaubert und wusste lange nicht, dass Dylan ebenfalls ein Magier ist. Im zweiten Teil wird dieses Grundprinzip umgekehrt und plötzlich werden die Zauberer reingelegt und müssen herausfinden, wie es soweit kommen konnte. Auch Dylans Kindheitstrauma – der Tod seines Vaters – wird mehrfach aufgegriffen. Obwohl Mark Ruffalo diesen Teil von Dylans Persönlichkeit gut herauskitzelt, wirken einige Momente etwas zu gewollt dramatisch wenn in kurzen Rückblenden noch einmal der Vater und der missglückte Comebackversuch gezeigt werden. Wenig gelungen ist auch der Subplot der Privatsphäre. Die Reiter stehlen einen Chip mit einem Programm, dass alle Bürger ausspionieren und ausfindig machen kann. Es folgt eine Ansprache zum Thema Privatsphäre und die Wichtigkeit ebendieser. Diesen moralischen Subtext hätte es eigentlich nicht gebraucht.

"Unser Trip zu Macau" - © Concorde
„Unser Trip zu Macau“ – © Concorde
Neue Mitspieler

Aufgrund ihrer Schwangerschaft konnte Isla Fisher nicht mehr ihre Rolle als Hanley Reeves übernehmen. Eine Erklärung für ihre Abwesenheit liefert der Film ebenso wie einen Grund für das Hinzufügen von Lizzy Caplan zum Stammcast. Caplan, die den meisten Zuschauern noch unbekannt sein dürfte, bekommt nun die Chance zu glänzen und das tut sie. Sie fügt sich gut in die Männerriege ein und sorgt durch ihre überschwängliche, teils überdrehte Art für frischen Wind in der Reihe. Auch Daniel Radcliffe, der als ehemaliger Zauberlehrling natürlich prädestiniert ist für eine Nebenrolle in einem Film über Magie und Zauberkunst, bringt frischen Wind in die Geschichte, allerdings nimmt man ihm nicht immer den Bösewicht ab. Auch Woody Harrelson taucht dieses Mal zusätzlich noch in einer Doppelrolle als sein eigener Zwillingsbruder auf. Unfassbar komisch. Die Chemie zwischen den Schauspielern ist greifbar und deren Spaß überträgt sich auch auf den Zuschauer. DIE UNFASSBAREN konnten noch eine Schippe drauflegen und ein dritter Teil ist auch nur eine Frage der Zeit. 

(5/6)

Titelbild und Trailer: © Concorde

Crank (OmU, 2006)

Sinnlos-Action, aber gut gemacht

Nach den schlechten Seherfahrungen in letzter Zeit hatte ich mal richtig Lust auf einen Film, bei man nicht denken muss. Einer, der eine völlig abgedrehte Handlung hat. Jason Statham lachte mich aus meinem DVD-Regal an. Gut, er lachte nicht. Jason Statham lacht nie. Er ist schließlich ein harter Hund, er muss ernst gucken. Aber ich grinste zurück. CRANK hatte ich vor Jahren schonmal gesehen und wenn sich eine Szene in mein Gedächtnis gebrannt hat, dann ja wohl die Sexszene. Keine Sorge, auf die werde ich später noch zu sprechen kommen. Zunächst zur Handlung: Der Auftragskiller Chev Chelios (Jason Statham) wird von seinem Widersacher Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) in seiner eigenen Wohnung niedergeschlagen und vergiftet – aus Rache, weil er einen chinesischen Triadenboss umgebracht hat. Mittels einer DVD teilt ihm Verona mit, dass er aufgrund des Drogencocktails nicht mehr lange zu leben hat. Chev macht sich sofort auf die Suche nach Verona und bemerkt, dass sich sein gesundheitlicher Zustand durch Stress und Adrenalinausschüttung kurzzeitig verbessert. Von unterwegs versucht er den Arzt Miles (Dwight Yoakam) zu erreichen, der ihm versucht mittels Ferndiagnose zu helfen, da  er auf dem Rückflug nach L.A. ist. Chev bittet seinen Boss Carlito (Carlos Sanz) um Hilfe, doch der verweigert ihm diese. Durch seinen guten Freund Kaylo (Efren Ramirez) kann Chev zwar nicht Verona finden, aber dessen Bruder, den er kurz darauf tötet. Als Ricky davon erfährt, will er aus Rache Chevs Freundin Eve (Amy Smart) töten. Doch Chev ist bereits vor Ort um sie zu retten. Blöderweise hat er Eve über seinen Beruf angelogen, was dazu führt, dass er nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch seine Beziehung und das Leben seiner Freundin retten muss.

Chev (Jason Statham) - © Universum
Chev (Jason Statham) – © Universum
Mal Fünfe gerade sein lassen

Es gibt Actionfilme, bei denen ich streng bin und alle Logiklöcher in meiner Kritik aufzähle. Das werde ich hier nicht tun, denn CRANK nimmt sich selbst nicht besonders ernst, also sollte ich das auch nicht tun. Die Charaktere sind allesamt Stereotype: der chinesische Drogenboss, der Auftragskiller mit seiner verplanten Freundin, für die er natürlich das Geschäft hinter sich lassen will… Feministische Filmkritikerinnen würden sicherlich die Reduzierung der Frau auf „hübsches Beiwerk“ bzw. als Arbeiterin (in diesem Fall Näherin) monieren und alle anderen würden sich über die Logiklöcher aufregen. Das stimmt zwar alles, aber CRANK ist einer dieser Filme, wo es egal ist. Denn der Film macht einfach einen rießen Spaß. Dies liegt nicht nur an der abgedrehten Story, die der gesamte Cast ausgesprochen gut verkauft, sondern besonders an Kamera, Musik/Ton und Schnitt. Die Kamera ist immer mal wieder aus der Ich-Perspektive. Dadurch können auch die Symptome von Chevs Krankheitsverlauf dargestellt werden und gleichzeitig fühlt man mit dem Protagonisten mit. Die Musik (z. B.“Achy Breaky Heart“ vom Papa von Miley Cyrus) und die schnellen Schnitte sind zum Teil auch Referenzen an Filme wie EASY RIDER und Computerspiele im Allgemeinen. Neveldine und Taylor schaffen eine ganz eigene Bildsprache, die mitreißt und begeistert.

Chev (Jason Statham) und Eve (Amy Smart) - © Universum
Chev (Jason Statham) und Eve (Amy Smart) – © Universum
Überleben mit Zynismus und harten Argumenten

Der Film thematisiert einen Überlebenskampf. Während das in anderen Filmen zu dramatischen „Was wäre, wenn…“ oder → „Könnte ich doch nur noch einmal…“-Monologen führen würde, ist  das bei Chev kein Thema. Er ist immer unterwegs. Es bleibt gar keine Zeit zum philosophischen Reflektieren. Es geht darum die wenige Zeit, die man noch hat, sinnvoll zu verbringen. Zum Beispiel mit Sex in aller Öffentlichkeit. Die Szene ist derart absurd und doch passt es zum Überlebenswillen der Hauptfigur. Die Figur des Chev reagiert auf die lebensbedrohlichen Umstände mit Witz und Zynismus, den Jason Statham derart trocken bringt, dass man nur lachen kann. Der Humor bedient auch in Teilen Stereotype und Vorurteile, wenn er etwa auf einen Taxifahrer deutet und mehrfach „Al Kaida“ brüllt, sodass sich die Passanten auf den Fahrer stürzen und er mittels Taxi entkommen kann. In anderen Filmen würde man das vielleicht geschmacklos finden, hier passt es gut zum Ton des Films. Alle Figuren sind in irgendeiner Form abgefucked. Sie stecken in einer Spirale aus Sex, Macht und Gewalt. Ein Leben wird schnell wertlos, wenn es einem nicht mehr nutzt. Und doch lacht man mit und über Chelios und begleitet ihn auf seinem Rachefeldzug. 

(5/6)

Titelbild und Trailer: © Universum

The Blacklist – 3. Staffel (2015)

Die Hochzeit fällt aus

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, aber James Spader ist toll. Es kommt echt selten vor, dass ein einzelner Schauspieler eine ganze Serie rechtfertigt  – meistens ist es doch eher eine Ensembleleistung – aber MEIN GOTT, das ist einfach großes Kino. Das Finale der zweiten Staffel endete mit einem Paukenknall. Elizabeth Keen (Megan Boone) erschoss dem Generalbundesanwalt Thomas Connolly (Reed Birney), nachdem sie herausfand, dass dieser für den Cabal arbeitete. Das macht sie zu einer der meistgesuchten Frauen des Landes. Reddington (James Spader) unterstützt sie bei der Flucht aus der Stadt. Währenddessen übernimmt Donald Ressler (Diego Klattenhoff) die Leitung der Taskforce, da die Rolle von Harold Cooper (Harry J. Lennix) beim Mord von Connolly erst einmal untersucht werden soll. Ressler will Keen um jeden Preis fassen, während Aram (Amir Arison) und Samar (Mozhan Marnò) an der harten Linie ihres neuen Bosses zweifeln. Ressler bekommt zudem noch viel größere Probleme, denn er soll mit dem CIA-Chef für geheime Operationen (David Strathairn) zusammenarbeiten. Dieser arbeitet aber erwiesenermaßen für den Cabal. Durch die umfangreiche Berichterstattung aufgeschreckt kehrt auch Tom Keen (Ryan Eggold) aus dem selbstgewählten Exil zurück um seiner Ex-Frau zu helfen.

Der Direktor (David Strathairn) - © NBC
Der Direktor (David Strathairn) – © NBC
Zusammenhalt der Gegensätze

Das Verhältnis zwischen Liz und Reddington hat sich mit der neuen Staffel noch einmal grundlegend geändert. Vorher waren beide zwar Arbeitskollegen, hatten aber eine unterschiedliche Auffassung von Moral und Gerechtigkeit. Elizabeth ist nun eine Gesetzlose, auf der Flucht zusammen mit Reddington, der das rastlose Leben, bei dem man permanent über die eigene Schulter sieht um nach potenziellen Verfolgern Ausschau zu halten, bereits kennt. Das Paar ergänzt sich daher auch überraschend gut, auch wenn Liz oft Zweifel oder Mitleid mit verletzten Unschuldigen äußert. Einen besseren Partner als Reddington hätte sie sich nicht aussuchen können und der versucht, sie nicht nur bei der eigentlichen Flucht zu unterstützen, sondern auch als emotionale Stütze zu fungieren – eine Rolle, in der er definitiv aufgeht. Auch in der Taskforce müssen die Gegensätze zusammenhalten. Ressler und sein Team haben den Feind plötzlich im eigenen Haus sitzen. Der Direktor ist ein würdiger Gegner, denn er hat nicht nur einflussreiche Kontakte, sondern auch Personal um seine Agenda durchzusetzen. Überraschungen wie ein Reddington-Doppelgänger oder Tony Shaloub als Gegenspieler, der sein Leben u.a. mit zwei Hündchen in der Badewanne verbringt, machen einfach Spaß. Die Schwangerschaft von Megan Boone wurde in die dritte Staffel hineingeschrieben, was man diesen Folgen auch anmerkt. Sie wirken etwas zu gewollt. Die Motivation von Elizabeth wird häufig nicht ganz klar. Mal reagiert sie zu entspannt, mal zu hysterisch. 

© NBC
© NBC
Humor, Ernst und Musik

Aram beziehungsweise Amir Arison wird immer mehr zum Humorzentrum der Truppe. Nicht nur sein trockener Humor sorgt für gute Laune, sondern auch seine Begeisterung. Wenn Elizabeth und Reddington ein weiteres Mal dem FBI entkommen können oder wenn er den Computer eines zwielichtigen Agenten anzapft, kann er seine Begeisterung kaum zurückhalten. Auch als Reddington eine komplette Etage in einem anderen Stockwerk nachbaut, ist Aram hin und weg – und ich auch. Dennoch schlägt die Staffel einen ernsten Ton an und endet besonders gegen Ende wieder mit einer großen Überraschung. Der Weg dorthin zieht sich etwas, besonders in der Staffelmitte. Ein Aspekt, den ich in meinen letzten beiden Kritiken zu THE BLACKLIST unterschlagen habe, ist der grandiose Soundtrack. Es gibt in so ziemlich jeder Folge einen großartigen Indie-Pop-Track, manchmal auch etwas Elektronisches, was gut zur Handlung passt ohne auf Dauer abzulenken oder zu nerven. Die vierte Staffel, die in Deutschland voraussichtlich Ende des Jahres starten wird, hat den Staffelslogan „Who’s your daddy?“ bekommen, was als Anspielung auf die Frage nach dem Verhältnis von Liz und Red zu sehen ist. Inwiefern hier mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt wird und ob tatsächlich die alles entscheidende Frage enthüllt wird, erfahren wir dann.  Ich freue mich darauf schon sehr.

(5/6)

Trailer: © Youtube/Sky Living

Batman v Superman: Dawn of Justice (2016)

Gladiatorenkampf zwischen Mensch und Alien

Es war nur ein kleines Easter Egg in I AM LEGEND. → Ein gigantisches Werbeposter für einen Film mit Superman und Batman hängt hier in einer postapokalyptischen Zukunft am Times Square. Nachdem I AM LEGEND und die DC-Comicfilme vom gleichen Filmstudio stammen, unterstellte man Warner Bros. nun, das Treffen der beiden Superhelden bereits schon Jahre vor dem eigentlichen Dreh des Films geplant zu haben, was nicht ganz stimmte. Der Produzent und Drehbuchautor von I AM LEGEND, Akiva Goldsman, schrieb einen ersten Entwurf für BATMAN V SUPERMAN, der allerdings nicht verwendet wurde. Als Hommage wurde aber in I AM LEGEND das Logo verwendet, ohne das Studio darüber zu informieren geschweigedenn die Rechte an der Verwendung des Logos einzukaufen. Nachdem es das gleiche Studio war, gab es aber keine Probleme.

Inzwischen ist 2016 und  BATMAN V SUPERMAN lief tatsächlich in den Kinos an. Die Geschichte beginnt mit dem Kampf zwischen Superman und General Zod (Finale von MAN OF STEEL), allerdings wird die Handlung dieses Mal aus der Sicht von Bruce Wayne (Ben Affleck) erzählt. Wayne reist von Gotham in die Nachbarstadt Metropolis, wo er Zeuge des finalen Kampfes zwischen Zod und Superman wird. Die Stadt wird verwüstet, unter anderem auch ein Hochhaus seines Unternehmens. Wayne kann ein paar Menschen retten, dennoch sterben viele Unschuldige. Für diese Zerstörung macht Wayne Superman (Henry Cavill) verantwortlich und sucht fortan nach einem Weg um Superman zu bekämpfen. Der wiederum rettet 18 Monate später seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) vor gewalttätigen Warlords. Durch eine falsche Zeugenaussage wird in den Medien berichtet, Superman habe dabei unschuldige Zivilisten getötet. Von der Unschuld ihres Freundes überzeugt startet Lois eigene Nachforschungen. Der Unternehmer Lex Luthor (Jesse Eisenberg) sieht Superman ebenfalls als Bedrohung und beschafft Kryptonit, welches er als vorsorgliche Waffe gegen Superman einsetzen will. Als Superman sich vor der Politik erklären soll, kommt es zu einem Bombenanschlag und Superman ist sich klar, dass man ihn für den Schuldigen halten wird. Er zieht sich zurück. Inzwischen hat auch Bruce Wayne von dem Kryptonit erfahren und bestiehlt Luther. Als kurz darauf Luther die Ziehmutter (Diane Lane) von Superman entführt und verlangt dieser müsse innerhalb einer Stunde Batman töten, steht er zwischen den Stühlen. 

Superman (Henry Cavill), Wonderwoman (Gal Gadot) und Batman (Ben Affleck) - © Warner Bros.
Superman (Henry Cavill), Wonderwoman (Gal Gadot) und Batman (Ben Affleck) – © Warner Bros.
Die Fledermaus, die keiner wollte

Mit dem Casting von Ben Affleck als Batman waren die Fans alles andere als zufrieden. Sogar eine Petition gegen seine Besetzung gab es – hauptsächlich wegen seiner schlechten Darstellung des 2003 herausgekommenen Films DAREDEVIL. Und obwohl er eigentlich den Superheldenfilmen abgeschworen hatte, ließ sich Affleck dann doch vom Gegenteil überzeugen. Eines vorweg, ein schauspielerisches Fiasko war es nicht. Affleck spielt keinen schlechten Batman, einen herausragend guten allerdings auch nicht. Sein Batman ist eher ein Detektiv, ein Schnüffler, der versucht die Puzzleteile zusammenzusetzen um das große Ganze zu sehen. Nachdem der Fokus der Handlung aber immernoch über weite Strecken auf Superman liegt, bekommt man den Eindruck, Affleck habe nicht genügend Zeit bekommen um seine Rolle klar zu definieren. Sein Butler Alfred, dargestellt von Jeremy Irons, geht völlig unter. Ohnehin fungiert er – wie übrigens auch Lois Lane – hauptsächlich als → Deus ex machina. 

Lex Luther (Jesse Eisenberg) - © Warner Bros.
Lex Luther (Jesse Eisenberg) – © Warner Bros.
Der Lex Luther, den keiner wollte

Auch Jesse Eisenbergs Lex Luther lässt zu wünschen übrig. Während die einen meinten, er habe die Rolle zu sehr an seine Paraderolle des Mark Zuckerberg aus THE SOCIAL NETWORK angelegt, so sahen andere eine misslungene Interpretation von Heath Ledgers Joker → in Eisenbergs Darstellung. Der Joker passt tatsächlich besser zu dem exzentrischen, soziopathischen  CEO von LexCorp, der manchmal mitten im Satz vergisst was er sagen will, aber dann wieder völlig klar bei Verstand zu sein scheint. Eisenbergs Lex Luther ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum der Film nicht gut ankam, aber einen Anteil am Scheitern hatte er sicherlich. Ein guter Film ist nur so gut wie sein Bösewicht, heißt es. Und das ist das Problem: Lex Luthers Motivation wird nicht deutlich. Er hat kein Motiv, er hat keinen Plan. Er entführt Supermans Ziehmutter und gibt ihm im Austausch für ihr Leben eine Stunde Zeit Batman zu töten. Diese eine Stunde könnte Superman auch damit verbringen seine Mutter zu suchen anstatt einen Kampf zu kämpfen, auf den er keine Lust hat. Die Mehrheit seiner Entscheidungen basiert auf Annahmen, was seinen Plan umso abstruser wirken lässt.

Superman (Henry Cavill) - © Warner Bros.
Superman (Henry Cavill) – © Warner Bros.
Nicht alles war schlecht

Zack Synder lässt sich eine gewisse Themaverfehlung vorwerfen, denn obwohl  der „Dawn of Justice“-Teil im Titel, also die Erklärung, wie sich die Justice League formierte, erfüllt ist, sieht es beim Kampf von Batman gegen Superman wirklich mau aus. Der eigentliche Kampf beschränkt sich auf ca. acht Minuten Screentime, was den Fans nicht gefallen wird. BATMAN V SUPERMAN als auch Marvels CIVIL WAR stellen die Frage nach den Folgen des eigenen Handelns, allerdings wird das bei CIVIL WAR wesentlich schöner herausgearbeitet. Gelungen ist das bildgewaltige Opening aus der Sicht von Bruce Wayne ebenso wie die Kampfchoreografien im Allgemeinen.  Das Batmobil wurde nicht nur optisch wie waffentechnisch aufgerüstet, sondern kann inzwischen auch ohne Probleme durch Wände und Schiffsrümpfe fahren. Muss man mögen. Als klare Konstante erweist sich Henry Cavill als Superman, dessen Figur ebenfalls zweifelhafte Entscheidungen trifft, aber diese Logiklöcher im Drehbuch gut zu verkaufen weiß. Auch Superwoman Gal Gadot überzeugt, auch wenn ihre Waffen aus dem Nichts auftauchen und ihr Motiv, warum sie in der Stadt ist, eher schwammig ist. Zack Snyder setzt nach wie vor mehr auf Optik als auf Story – ein Konzept, dass man bei Warner und DC so langsam mal überdenken sollte.

(2.5/6)

Titelbild und Trailer: © Warner Bros. Deutschland

Suicide Squad (3D, 2016)

Ha! Ha! Hä?

In einer Karikatur, die ich neulich auf Facebook gesehen habe (jetzt aber leider nicht mehr finde) wurden die Macher von Marvelfilmen und DC-Filmen gegenübergestellt. Während bei Marvel eine Gruppe von Mitarbeitern vor einer gigantischen Mindmap stehen und überlegt, wie die Story plausibel erzählt wird, steht bei den Kollegen von DC nur ein gigantischer Mixer. Dort wird alles hineingegeben. Der Deckel ist aber nicht richtig verschlossen und so verteilt sich die dunkle Soße im ganzen Raum. Sehr gut auf den Punkt gebracht. Auch der neue Streifen aus dem DCEU (→ DC Extended Universe) wirkt wieder zerstückelt und in sich nicht besonders stimmig. Die Handlung ist recht schnell erklärt: Eine Gruppe von weggesperrten Bösewichten soll sich nach dem Willen von Amanda Waller (Viola Davis) zu einer besonderen Taskforce formieren. Allen Inhaftierten bekommen ein Nano-Implantat in den Hals eingepflanzt und sind fortan gezwungen zusammenzuarbeiten. Die Gruppe besteht aus der psychopathischen Harley Quinn (Margot Robbie), dem Profikiller Deadshot (Will Smith), dem pyrokinetischen Ex-Gangster El Diablo (Jay Hernández), dem Dieb Captain Boomerang (Jai Courtney), dem Echsenmenschen Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) und dem Söldner Slipknot. Als Bodyguard für die Sicherheit des Aufsehers Rick Flag (Joel Kinnaman) stößt die Kriegerin Katana (Karen Fukuhara) zu der Gruppe. Flag hat die Möglichkeit die tödlichen Implantate zu zünden, falls sich ein Krimineller daneben benimmt. Als kurz darauf die Hexe Enchantress (Cara Delevingne) und ihr Bruder die Welt durch eine gigantische Maschine vernichten wollen, ist das „Suicide Squad“ gefragt.

© Warner Bros.
© Warner Bros.
Der Joker ist kein Ass.

Gerade mit dem Casting von Jared Leto als Joker hatte man sich ganz offensichtlich viel versprochen. Leto, der eine Vorliebe für ausgefallene Rollen hat, schien perfekt in die großen Fußstapfen von Joker-Darstellern wie Heath Ledger oder Jack Nicholson treten zu können. Das Endergebnis ist dann doch ernüchternd, sowohl für Leto selbst als auch für die Zuschauer. An dem Film wurde nämlich ordentlich herumgedoktert. Es gab einen → millionenschweren Nachdreh um dem Film lustiger zu machen. Zudem wurde überproportional mehr Filmmaterial gedreht – Leto gab an, es wurde so viel gedreht, dass es für einen Solofilm über den Joker reichen würde – , von dem allerdings nur ein Bruchteil im finalen Film gelandet sind, wahrscheinlich um eine PG13-Altersfreigabe zu erhalten. Und so kommt es, dass ein Publikumsliebling wie der Joker eine eher untergeordnete Rolle spielt, obwohl im Trailer suggeriert wird, dass er der Gegenspieler der Verbrechertruppe sein könnte. Jared Leto bekommt nicht die nötige Screentime um seiner Rolle Tiefe zu geben, doch gerade weil er die Rolle völlig neu anlegt, wäre dies eigentlich nötig. Die wenigen Minuten Auftritt wären auch eigentlich kein Problem, wenn die tatsächlichen Gegenspieler Enchantress und Incubus eine solide Leistung hinlegen würden.

Harley Quinn (Margot Robbie) und der Joker (Jared Leto) - © Warner Bros.
Harley Quinn (Margot Robbie) und der Joker (Jared Leto) – © Warner Bros.
Schwaches Storytelling

Doch hier tut sich ein Problem auf: Die Charakterzeichnung und das Storytelling sind mangelhaft. Die Figuren werden im Schnelldurchlauf vorgestellt, wobei Schnelldurchlauf das passende Wort ist, da neben den Figuren Texteinblendungen zu sehen ist, die schneller wieder ausgeblendet sind, als man sie lesen kann. Ohnehin ist das unnötig, da alle Figuren von Viola Davis‘ Figur im Einzelnen vorgestellt werden. Dennoch gehen einige Charaktere komplett unter. Die Kämpferin Katana, Captain Boomerang und Killer Croc sind allesamt recht wortkarg und bleiben dementsprechend eindimensional. Das Hauptaugenmerk liegt auf Will Smith und Margot Robbie, die noch am ehesten überzeugen können. Den ehemaligen Kollegen aus dem FOCUS-Cast gelingt es ihre Rollen mit Leben zu füllen. Robbie überzeugt und sticht aus der Masse hervor. Ihre hibbelige Art, das gehässige Grinsen und das starke Make-up erinnern sehr an Sängerin Nina Hagen. Ein Solofilm für Harley Quinn ist bereits in Planung, was auch die Möglichkeit für einen neuen Anlauf im Joker-Drama bietet.

Enchantress (Cara Delevingne)
Enchantress (Cara Delevingne) – © Warner Bros.
Comicverfilmung leicht gemacht

Man kann den Machern und allen voran natürlich Regisseur David Ayer eine gewisse Lustlosigkeit vorwerfen. Der Soundtrack ist gespickt mit hochrangigen Namen und bekannten Liedern, allerdings bekommt man den Eindruck, dass man sie nur eingebaut hat um den Zuschauer von der löchrigen Handlung abzulenken. Auch der Neonlicht-Stil des Logos und einiger ausgewählter Szenen sieht zwar klasse aus, hinterlässt aber auch eher den Eindruck von „viel Lärm um Nichts“. Die Actionszenen sind packend und gut durchchoreografiert, doch die Handlung bleibt zu vage und voller Logiklöcher und unterhält daher nur bedingt. Enchantress baut eine mächtige Waffe, von der nur erzählt wird, dass sie die Welt vernichten wird. Diese ist aber mit einfachsten Mitteln (Sprengstoffexplosion) zerstörbar. Flag bringt nicht zugestellte Briefe von Deadshots Tochter mit ins Kriegsgebiet, damit er diese im richtigen Moment „zustellen“ kann. SUICIDE SQUAD bleibt leider hinter seinen Möglichkeiten zurück. 

(3.5/6)

Titelbild und Trailer: © Warner Bros. Deutschland

Deine Orientierung durch den Dschungel des Programmkinos und die Untiefen des Kino-Mainstreams