Die 17-jährige Isabelle (Marine Vacth) ist jung und hübsch. Ihre größte Vertrauensperson ist ihr jüngerer Bruder Oscar (Fantin Ravat), doch seit einiger Zeit spürt sie vermehrt Lust auf Dinge, die ihr dieser nicht geben kann. Muss zuerst noch ein Kissen herhalten, um ihre aufkommenden sexuellen Gelüste zu befriedigen, soll schon bald ein Mann aus Fleisch und Blut an dessen Stelle treten. In den Sommerferien ist es schließlich so weit: Der deutsche Ferienflirt (Lucas Prisor) führt bald zu Isabelles erstem Mal am Strand. Doch anstatt Freude, Befriedigung oder Verliebtheit spürt sie nur eine leere Enttäuschung. Der Sommer vergeht, und Isabelle hat den Kontakt zu ihrer Ferienbekanntschaft längst abgebrochen. Stattdessen verkauft sie nun ihre erotischen Dienste: Ohne das Wissen ihrer Mutter (Géraldine Pailhas), ihres Bruders oder ihrer Freundinnen gibt sie sich für 300 Euro in Hotelzimmern älteren Herren hin. Doch als sich bei einem dieser Dates ein tragischer Zwischenfall ereignet, droht ihr geheimes Doppelleben aufzufliegen.

In vier Kapitel (Sommer, Herbst, Winter, Frühling)  unterteilt François Ozon die Geschichte der jungen Französin, die sich nach einem traumatischen „Ersten Mal“ prostituiert. Lange lässt er dabei den Zuschauer im Unklaren über die Motive von Isabelle. Man sieht sich ständig dieses zarte Mädchen an und fragt sich, warum sie das tut, was sie eben tut. Zwangsläufig wird man dabei zum Voyeur. Die Kamera ist nah am Geschehen und wenn wieder ein neues Kapitel mit einer Schwarzblende eingeläutet wird, rüttelt das den Zuschauer wach. Teilweise liegt der Handlung auch auch schwarzer Humor inne. Es ist amüsant, wie nach dem Auffliegen von Isabelles Doppelleben, alle Frauen die dazugehörigen Männer vor Isabelle „in Sicherheit bringen wollen“. Auch der neue Freund von Isabelles Mutter geht erfrischend locker mit dem Thema um (teilweise schon so locker, dass es unglaubwürdig wirkt). Engste Bezugsperson von Isabelle ist aber ihr Bruder Oscar, der häufig durch das Haus schleicht und die Transformation seiner großen Schwester neugierig verfolgt. Trotzdem fragt man sich hier und da: Ist das noch Kunst oder schon Soft-Porno? Das wird wohl jeder Zuschauer selbst entscheiden müssen.

Schön, schön (5/6)

Hier geht’s zum Trailer.

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