An seinem ersten Arbeitstag in Weimar wird Kriminalkommissar Lessing (Christian Ulmen) stürmischer begrüßt, als er es von dieser verträumten Kleinstadt erwartet hätte. Er gerät mitten in einen Großeinsatz der Polizei. Ein irrer Erpresser hat sich mit der schwangeren Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner) im Rathaus verschanzt. Lessings neuer Chef Kurt Stich (Thorsten Merten) versucht durch Verhandlungen, das Leben von Kira zu retten. Ohne zu zögern, greift Lessing ein. Es gelingt ihm, den Geiselnehmer zu überwältigen. Doch ihm bleibt keine Zeit zum Luftholen und Eingewöhnen: Die Weimarer Wurstkönigin Brigitte Hoppe (Elke Wieditz) wird vermisst. Ihre Fleischerei ist für die „Fette Hoppe“ berühmt, die beste Rostbratwurst Thüringens. Kira Dorn und Lessing finden Hinweise darauf, dass Frau Hoppe Opfer eines Gewaltverbrechens wurde.

Hurra! Nach dem inoffiziellen Weimar-Tatort Schlaflos in Weimar aus dem Jahr 2006 gibt es nun Frisches aus der Klassikerstadt. Weimar bekommt seinen ersten eigenen Tatort mit dem griffigen Titel Die Fette Hoppe. Die Folge beginnt stark. Christian Ulmen läuft in Slow-Motion auf das Weimarer Rathaus zu. Die Situation ist dramatisch. Er rettet seine Kollegin aus den Fängen eines gnadenlosen Kidnappers, der sich schließlich als Kollege und das Ganze als Übung entpuppt. Danach schwächelt die eigentliche Geschichte um die verschwundene Brigitte Hoppe, die vom DNT-Urgestein Elke Wieditz dargestellt wird. Die Aufgabenteilung der beiden Kommissare ist auffällig und klar. Kira Dorn kennt in Weimar alles und jeden. Sollte sie irgendetwas nicht machen wollen, schiebt sie das auf ihre Schwangerschaft und beauftragt Lessing, der sich in enge Kofferräume zwängen, im Schlachtabfällen wühlen (Dschungelcamp lässt grüßen) und die Leiche suchen muss. Und wenn er das nicht macht, dann schmeißt er mit Kriminalstatistiken um sich. Die beiden Hauptdarsteller auf die gemeinsame MTV-Vergangenheit zu reduzieren, wäre den Beiden nicht gerecht. Man spürt die Harmonie und Spielfreude, wenn sie sich die Witze hin- und herwerfen bzw. gute Vorlagen für den jeweils Anderen bieten.

Man könnte dem Tatort anlasten, dass natürlich die üblichen verdächtigen Orte wie das Nationaltheater, der Marktplatz, die Anna-Amalia-Bibliothek und natürlich Thüringer Kulturgut wie die Thüringer Bratwurst mit der Story verwurstet werden. (Der Spiegel witzelte schon, die Handlung könnte auch vom Thüringer Tourismusverband erdacht sein.) Diese Mischung gelingt aber gut und ohne das es aufdringlich wirkt. Natürlich wäre es gerade für Einheimische schön auch mal andere Orte zu zeigen, schließlich besteht Weimar ja nicht nur aus den oben genannten drei Plätzen. Nachdem aber ein zweiter Weimarer Tatort schon genehmigt ist, bietet dieser dafür ordentlich Platz.

Die Liebesbeziehung nimmt man Tschirner und Ulmen aber nicht ganz ab. Sie wirkt zu gekünstelt. Auch die Beziehung zwischen dem Kutscher Caspar (Dominique Horwitz) und seiner Tochter Lotte (Klara Deutschmann) wirkt zu unterkühlt – im wahrsten Sinne des Wortes. Lotte ist keineswegs überrascht, die Leiche von Brigitte zu sehen, und hilft ohne Gewissensbisse oder weiteres Nachfragen ihrem Vater die Leiche zu entsorgen. Ferner noch, sie zollt ihrem Vater „Respekt“.

Das geht noch besser (4/6)

Hier geht’s zum Trailer.
…und hier noch ein paar Outtakes und Impressionen.

Advertisements