Adam (Tom Hiddleston) liebt Eva (Tilda Swinton) und Eva liebt Adam. Und das schon seit Jahrhunderten, denn die beiden sind Vampire. Im 21. Jahrhundert beißen sie ihren Opfern längst nicht mehr in den Hals, denn deren Blut ist häufig kontaminiert und voller Krankheitserreger. Stattdessen ernähren sie sich aus Blutkonserven und führen ein Leben am Rande der Gesellschaft. Adam lebt als zurückgezogener Underground-Musiker in Detroit. Seine einzigen Kontakte zur Außenwelt sind ein Doktor (Jeffrey Wright), bei dem er sich seine frischen Blutvorräte holt, und ein Musikfreak (Anton Yelchin). Eva ist derweil in Tanger, wo sie sich die Zeit mit dem Dichter und Vampir Christopher Marlowe (John Hurt) vertreibt. Da sie einander vermissen und Adam zu depressiv ist, um zu verreisen, reist Eva zurück zu ihm nach Detroit, wo sie sich die Zeit vertreiben, indem sie nachts in der Stadt herumfahren, Schach spielen oder Musik hören. Doch die traute Zweisamkeit der beiden Liebenden wird gestört, als Evas jüngere Schwester Ava (Mia Wasikowska) auftaucht.

Memory / All alone in the moonlight / I can smile at the old days / I was beautiful then -  © Pandora Filmverleih
Memory / All alone in the moonlight / I can smile at the old days / I was beautiful then – © Pandora Filmverleih

Denkt man an Vampire, denkt man an Dracula und die Jüngeren wahrscheinlich an Twilight. Jim Jarmusch zeigt in seinem neuen Film ein anderes Bild von Vampiren. Seine Protagonisten sind weder gewissenlose Killer noch Inspiration weichgespülter Teenieträume. Trotz ihrer Unsterblichkeit müssen auch sie mit den Gegebenheiten der heutigen Welt leben, zudem kommt das ständige Angstgefühl die Blutversorgung könnte irgendwann mal versiegen. Wie lebt man als Vampir im 21. Jahrhundert? Wie liebt man?  Adams und Evas Liebe ist reifer, erwachsener als die ihrer Twilight-Kollegen, und trotz einem stattlichen Altersunterschied von 21 Jahren schaffen es Tilda Swinton und Tom Hiddleston diese glaubhaft zu verkörpern. Ihre Figuren bilden den stetigen Kontrast zwischen Altem und Neuem. Während Adam sich krampfhaft an die guten alten Zeiten erinnert und sich weigert moderne Technik zu benutzen, telefoniert Eva via Iphone und versucht sich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. Sie ist auch diejenige, die den permanent suizidgefährteten und einsilbigen Adam immer wieder aufmuntern muss, und sei es nur mit einem „Blut am Stil“. Die Musik, die man nur als psychedelisch charakterisieren kann, unterstützt die gemächliche und ruhige Erzählweise, in die Jarmusch hier und da schwarzen Humor einstreut. Diese Gemächlichkeit wird allerdings besonders gegen Ende dem Film zum Verhängnis, wo er dann über längere Zeit etwas durchhängt. Auch die Musik könnte für den ein oder anderen Zuschauer nach einer Weile zu viel des Guten sein. Entschädigt wird die Durststrecke allerdings mit einem grandiosen Ende, dass zwar klischeehaft, gleichzeitig aber auch lustig ist.

Tolle Darsteller, Durchhänger gegen Ende bei der Story (4.5/6)

Den Trailer zum Film gibt’s hier.

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