Erste Lektion des Tages: Höre auf deine Dozenten. Wenn sie zu dir sagen, dass du um 7 Uhr vor der Tür zum Ticket-Schalter stehen sollst, dann steh gefälligst auch dann dort. Ich hatte ja gestern schon das Frühstücks-Ticket-Problem thematisiert und mich heute mal für die Variante „Erst Frühstück, dann Ticket“ entschieden, was im Nachhinein gesehen ein großer Fehler war. Um 8 Uhr kam ich vor der Tür an und um 08:45 war ich dann zumindest schonmal im Gebäude. Die Eröffnung und der Eröffnungsfilm (The Grand Budapest Hotel von Wes Anderson) waren komplett ausgebucht. Das „End‘ vom Lied“ war, dass ich nur zwei Tickets von meinen vier ausgewählten Filmen bekommen habe. Morgen werde ich auf jeden Fall die Variante „Erst Ticket, dann Frühstück“ probieren. Ich hoffe, das läuft dann morgen besser. Ich möchte mich außerdem nicht mehr auf den Tag so genau festlegen. Ich habe mir eine schöne Excel-Tabelle gemacht, wann welcher Film läuft usw., aber das ganze Planen bringt eh nix. Ich will mir jetzt eine neuere simplere Liste machen, wo einfach nur alle Filme, die mich interessieren, draufstehen, und dann lege ich mir die Filme so, wie’s halt grade passt.

Eigentlich hatte ich ja vor heute nach Potsdam ins Filmmuseum zu fahren, weil ich dachte, dass es eigentlich erst heut abend richtig los geht, aber aufgrund meines deprimierenden Morgens habe ich mich dann erstmal im Hostel zurückgezogen. Dann kam aber die Sonne raus und ich habe beschlossen ein bißchen Sight-Seeing zu machen…

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Reichstagsgebäude
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Stelenfeld, Denkmal für die ermordeten Juden Europas
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Brandenburger Tor

Zwischen Reichstagsgebäude und Kanzleramt gab’s dann noch ein bißchen Action, nämlich eine Polizeieskorte. Ansonsten war es aber ruhig, und wie man an den Fotos sehen kann, hat das Wetter tatsächlich gut mitgespielt.

Nachmittags habe ich dann im Hostel etwas ausgespannt, aber nur um dann abends endlich durchzustarten. Ich bin auf gut Glück zum Berlinale-Palast, wo gerade das große Showlaufen begann. Gestern hatte meine Dozentin gemeint, dass man sich ruhig mal zwischen die kreischenden Teenies stellen solle, das wäre durchaus ein Erlebnis. Und das stimmt! Ein Promimenter nach dem anderen stieg aus den heranrollenden (offenbar umweltfreundlichen, wie ich später erfahren habe) Audis und ließ sich von der Menge feiern. Einige wenige Schauspieler erbarmten sich und gaben auch Autogramme. Heike Makatsch wollte gar nicht mehr vom roten Teppich. „Die ist ja immer noch da. Die ist ja echt mediengeil“ urteilten zwei Teenies eine Reihe vor mir. Kinder können so grausam sein. Auch Ralph Fiennes und John Hurt waren irre nett und gaben Autogramme. Knaller waren Elyas M’Barek („Der ist ja so scharf“ – Zitat die zwei Teenies), der mit einem seifenkistenähnlichen Fahruntersatz vorfuhr, und Bill Murray, der sich auf dem roten Teppich erstmal einen genehmigte und bestens aufgelegt zu sein schien. Auf Hollywood-Schnuckel George Clooney hat man vergeblich gewartet. Tilda Swinton sah mal wieder klasse aus – sofern ich das aus der Entfernung beurteilen konnte. Insgesamt taten mir insbesondere die Schauspielerinnen leid, die in luftigen Sommerroben die 10 Meter zwischen Autotür und Berlinale-Palast-Tür überbrücken mussten. Bei sieben Grad Außentemperatur wohlgemerkt.

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Kleine Impression vom roten Teppich (auch wenn man ihn nicht sieht, er ist da!)

Danach bin ich wieder ein bißchen rumgeschlendert. Als ich zurück zum Berlinale-Palast kam, wurde gerade die Eröffnungsfeier live übertragen. Anke Engelke moderierte. Ich fand’s toll – zumindest, den Teil, den ich gesehen habe. Danach bin ich ins Cinemaxx und habe mich für Nouc angestellt, ein Film, der zwar visuell toll ist, aber dank vietnamesischer Originaltonspur und englischen Untertitel war mein Hirn irgendwann total verknotet. Keine Ahnung, wie ich diesen Film bewerten soll. Aber gut, muss ich heute wohl nicht mehr machen. Ich werde mich morgen irre früh vor den Counter stellen und solange randalieren, bis ich alle Filme sehen darf, die ich sehen will. 🙂 In diesem Sinne, gute Nacht!

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