Die 1920er Jahre in dem fiktiven Land Zubrowka: Concierge Monsieur Gustave (Ralph Fiennes) arbeitet im Grand Budapest Hotel und kennt alle Vorlieben und Wünsche seiner weit gereisten und meist exzentrischen Gäste. Insbesondere die Damenwelt schätzt den hingebungsvollen Mann, kümmert er sich doch um einige mit besonderem Engagement. Die schrullige Madame D. (Tilda Swinton) vermacht ihm aus Dank für seine Zuneigung nach ihrem Tod ein wertvolles Gemälde. Ihr Sohn Dimitri (Adrien Brody) beschuldigt Gustave daraufhin des Mordes an seiner Mutter, und der Concierge landet im Gefängnis. Dank seiner neuen Beziehungen und seines einnehmenden Wesens gelingt ihm der Ausbruch. Fortan geht er mit dem Lobbyboy Zero (Tony Revolori) durch harte Zeiten. Neben dem Diebstahl und der Suche des Gemäldes sind sie die Zielscheibe im Kampf um ein großes Familienvermögen und erleben zudem, wie sich die Gesellschaft um sie herum in der Zwischenkriegszeit verändert.

Zwei Jahre ist es her, dass Wes Anderson mit Moonrise Kingdom das Publikum mit der kindlichen Neugier und fantastischen Darstellern verzauberte. The Grand Budapest Hotel kommt da erheblich erwachsener daher, aber nicht weniger zauberhaft. Unterteilt in fünf Kapitel, die es eigentlich nicht gebraucht hätte, wird eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte erzählt. Die Erste ist die Geschichte des Lobbyboys Zero. Die Zweite ist die Geschichte wie Zero dem Autoren davon erzählt und die Dritte, wie der Autor dem Zuschauer die Geschichte erzählt. Wie eine Roman kommt auch der Film daher. Der Off-Kommentar des Autoren beschreibt häufig genau das, was im nächsten Moment auch auf der Leinwand geschieht. Auch Zeitsprünge werden vollzogen, was allerdings gerade in der Mitte des Films ein heilloses Durcheinander wird. „2 Wochen früher“, „3 Tage später“ – irgendwann blickt man nicht mehr durch, was wann spielt, aber das macht auch nichts. Irgendwann steigt man wieder ein, was nicht zuletzt an den den fantastischen Leistungen von Ralph Fiennes und Tony Revolori liegt. Aber nicht nur sie sollten hervorgehoben werden. Jeder Schauspieler, und sei er nur für ein paar Minuten zu sehen, sieht wirklich gut aus – auch ohne „Creme aus dem Leichenhaus“. Die Figuren bleiben liebenswert und charmant, alle Stärken und Schwächen werden herausgearbeitet. Allerdings sind einige Szenen recht gewalttätig. Finger werden durch einen raschen Türschlag von der Resthand abgetrennt, ein Mönch im Beichtstuhl gekillt, eine Lady vergiftet – all das ist aber tarantinoesk dargestellt und damit ertragbar. Zudem schafft es Anderson auch geschichtliche Fakten zu verdrehen und so zu karikieren, dass man gerade noch erkennt, was gemeint ist. So arbeitet der Bösewicht für die „Zig-Zag-Division“, kurz ZZ. Aus dem Blitzkrieg wird der Lutz-Krieg. Die Beispiele sind endlos. Insgesamt bedient sich Anderson an einem Mischmasch aus Deutsch, Französisch und Englisch, dass wunderbar zu seinem Paralleluniversium passt.

Charmant und lustig (5/6)

Zum Trailer geht’s hier.

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