Eine Kleinstadt in New Mexico, umgeben von Wüste, die im anbrechenden Tageslicht immer wieder ermordete und verdurstete Mexikaner ausspuckt. Ein Häftling wird aus dem Gefängnis entlassen. William Garnett (Forest Whitaker) hat sich dank seines neu gefundenen muslimischen Glaubens vorbildlich verhalten und beginnt mit Hilfe einer ihm wohlgesinnten Bewährungshelferin ein neues Leben in der Stadt. Seine Vergangenheit ist jedoch bekannt, und bald sitzen ihm ein auf Vergeltung sinnender Sheriff (Harvey Keitel) und ein ehemaliger Kumpan aus der Unterwelt im Nacken. Garnett muss mit den Dämonen aus seinem alten Leben kämpfen. Halt findet er bei seiner Bewährungshelferin (Brenda Blethyn), seinem Glauben und einer neuen Liebe Teresa (Dolores Heredia).

Rachid Bouchareb präsentiert mit La voie de l’ennemi eine Neuverfilmung des Krimis Deux hommes dans la ville von 1973, in dem sich Schriftsteller und Regisseur José Giovanni, der selbst im Gefängnis saß, mit den Ungerechtigkeiten des französischen Justizsystems befasst. Bouchareb verlegt die Handlung in die gesellschaftliche und politische Landschaft des heutigen Amerika. Das ändert aber nichts an der Situation. Die Dreiecksgeschichte zwischen der mütterlichen Bewährungshelferin, dem reuigen Sünder und dem starrköpfigen Sheriff scheint auch heute noch aktuell zu sein. Die Rolle des zum Islam konvertierten Straftäter nimmt man Forest Whitaker nicht immer ab; man bekommt schon hin und wieder Zweifel. Brenda Blethyn und Harvey Keitel scheinen da schon besser besetzt zu sein. Es macht einem Freude bei dem Machtkampf der Beiden zuzuschauen. Luis Guzmán spielt die personifizierte Versuchung, einen alten Freund von damals, der Will wieder zu neuen Straftaten anstiften möchte. Die unterlegte „Westernmusik“ verdeutlicht den ein oder anderen Showdown auch auf der Tonebene. „Enjoy the view!“ ruft Harvey Keitel Brenda Blethyn in einer Szene hinterher. Doch scheint diese Aussage eher an den Zuschauer gerichtet zu sein. Die zahlreichen Landschaftseinstellungen sind einfach wunderschön eingefangen. Die trockene Wüstenlandschaft, wechselnde Wolkenformationen; Straßen, die bis zum Horizont reichen  – all das erinnert an die frühen Cinemascope-Shots. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen. Obwohl die drei Protagonisten gut miteinander verknüpft sind, so geht es einzeln gesehen wenig in die Tiefe. Man erfährt, dass die Bewährungshelferin einen Vater hat; warum sie sich nach New Mexiko hat versetzen lassen, erfährt man nicht. Gleiches gilt für den Sheriff und Will. Man bekommt kleine Happen serviert, aber nicht das ganze Buffett.

Visuell top, handlungstechnisch wäre mehr drin gewesen (4/6)

Es gibt leider keinen Trailer, aber dafür einen kleinen Ausschnitt aus dem Film.

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