Schiller-nde Liebelei

Ei, schau an! Wer kommt denn da des Weges? Es ist Friedrich Schiller (Florian Stetter), der sich in den Gassen von Weimar verlaufen hat. Schade, dass es damals noch nicht die Tourist-Info gab. Aber ein Friedrich Schiller braucht keinen Stadtplan, nur ein offenes Fenster. Aus diesem schaut Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) heraus und kann ihm einwandfrei den Weg zum Marktplatz beschreiben, was für eine Frau doch recht erstaunlich ist. Kurze Zeit später treffen die beiden wieder aufeinander und auch Charlottes Schwester Caroline (Hannah Herzsprung) lernt kurze Zeit den berühmten Dichter kennen. Es entwickelt sich eine Dreiecksgeschichte, weil beide Frauen sowohl Schiller lieben als auch ihre Schwester. Jede gönnt der anderen ihr Glück und hauptsache ist doch, dass eine von beiden schließlich Schiller heiratet, damit insgeheim die Dreierbeziehung weiterlaufen kann.

© Senator Filmverleih
Henriette Confurius und Hannah Herzsprung – © Senator Filmverleih

Während die Geschichte in den ersten eineinhalb bis zwei Stunden noch einigemaßen interessant ist, wird die letzte Dreiviertelstunde zur nervlichen Zerreißprobe. Regisseur Florian Graf zieht den Stoff künstlich in die Länge, was es absolut nicht braucht. Dafür, dass der Filme über weite Teile in Weimar spielt, wurde erstaunlich wenig in Weimar gedreht. Lediglich am Ende des 171 Minuten andauernden Augenmarathons sieht man kurz das Portrait in des Schillerhauses in der Jetztzeit. Zudem sorgen einige stilistische Verfehlungen für ein bitteres Aufstoßen. So fliegt eine für einen Historienfilm recht moderne Schrift unnötig hektisch ins Bild, wenn sich ein neuer Ortswechsel ankündigt. Außerdem ist keine einheitliche Linie bei den Briefen erkennbar: mal sieht man den Empfänger den Brief lesen und im Off-Kommentar wird der Inhalt vorgelesen, mal schauen die Empfänger direkt in die Kamera und sagen den Brieftext auf. Ein bißchen mehr Konsistenz wäre schön gewesen. Und apropos Off-Kommentar: Damit macht es sich der Film zu einfach. Man hat den Eindruck im Off-Kommentar wird alles erwähnt, wozu die Zeit zum Filmen gefehlt oder das Geld nicht gereicht haben. Eigentlich wird die komplette Handlung über den Off-Kommentar erklärt, was wohl kaum der Sinn eines Filmes ist. Da kann man sich auch ein Hörbuch kaufen.

Nicht gut (2.5/6)

Den Trailer zum Film gibt’s hier.

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Florian Stetter als Friedrich Schiller an der Universität Jena – © Senator Filmverleih
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