Hunger Games 2.0

Eine junge Frau stellt sich gegen das diktatorische System. Ja, das kommt einem irgendwie bekannt vor, nicht? Die junge Frau heißt dieses Mal aber nicht Katniss, sondern Beatrice. Sie lebt in einem futuristischen Chicago, in der alle Menschen in fünf Fraktionen  eingeteilt sind. Sie selbst gehört zur Fraktion der Altruan, die als selbstlos und unkorrumpierbar gelten, und deshalb die Regierung stellen. Weitere Fraktionen sind die Ferox (die Furchtlosen), Ken (die Gelehrten), Candor (die Freimütigen) und Amite (die Friedfertigen). An einem bestimmten Tag im Jahr müssen alle 16-jährigen einen Eignungstest ablegen, der ihnen sagen soll, für welche Fraktion sie am besten geeignet sind. Danach müssen sie sich in einer feierlichen Zeremonie entscheiden, ob sie in ihrer bisherigen Fraktion bleiben oder ob sie in eine andere Fraktion wechseln möchten. Beim Eignungstest von Beatrice „Tris“ Prior (Shailene Woodley) kommt allerdings kein eindeutiges Ergebnis heraus, was sie unweigerlich in Gefahr bringt, weil sogenannte „Unbestimmte“ von der Regierung verfolgt und getötet werden. Bei der Zeremonie schließt sie sich den Ferox an. Dort trifft sie auf den mysteriösen Four (Theo James), mit dem sie einer Verschwörung auf die Spur kommen. Denn die Anführerin der Ken, Jeanine (Kate Winslet), plant einen Umsturz.

Beatrice bei der Eignungsprüfung - © CONCORDE Home Entertainment
Beatrice bei der Eignungsprüfung – © CONCORDE Home Entertainment

Sagen wir mal wie es ist: Die Bestimmung ist die bucklige Schwester von DIE TRIBUTE VON PANEM. Beides sind Buchverfilmungen, die Handlung ist ähnlich und daher kommt man um einen Vergleich der beiden Filme nicht herum. Während Jennifer Lawrence  eine glaubhafte Heldin spielt, mit der man mitleidet, stellt sich dieses Gefühl bei Shailene Woodley überhaupt nicht ein. Irgendwann ist es dem Zuschauer einfach egal, was mit ihr passiert. Gut, der Zielgruppe, also pubertierenden Teenagern, wahrscheinlich nicht, aber die halten ja auch TWILIGHT für einen guten Film. Hüstel. Kurzum: als drei Ferox Beatrice in eine Schlucht werfen wollen, hofft man insgeheim, dass ihr Plan gelinge möge, dann wäre dieser Film nämlich endlich aus. Die Einzige, die wenigstens halbwegs überzeugt ist Kate Winslet, wobei sie sicherlich noch mehr aus ihrer Rolle hätte machen können. Der geplante Umsturz wirkt zu konstruiert. Nach dem recht dynamischen Start versickert der Film immer mehr in der Klischeekiste. Die Eltern opfern sich für ihre Kinder. Tris verliebt sich. Am Ende gewinnt das Gute. Wäh! Das ist alles so vorhersehbar.  Aber das ist nicht das Einzige in diesem Film, was einem bekannt vorkommt. Die machthungrige Blondine kennt man aus ELYSIUM. Hitchcocks DIE VÖGEL tauchen ebenfalls auf. Und es wird gekämpft und geschossen, als würde Michael Bay Regie führen.

© CONCORDE Home Entertainment
© CONCORDE Home Entertainment

Fantastisch ist dagegen die Musik, was nicht zuletzt daran liegt, dass Hans Zimmer Executive Music Producer bei diesem Streifen ist. Der hämmernde Beat von „Run boy run“ und Ellie Gouldings „Beating heart“ machen die kurzweilige Geschichte halbwegs erträglich. Auch die futuristischen Landschaften machen optisch wirklich Laune. Ob die pickfeine Stadtlandschaft, die naturbelassene Ackerlandschaft oder ein verlassener Freizeitpark – alles sind wirklich klasse aus. Besonders bleibt dabei der Flug durch die Gebäude und Häuserschluchten, ein Einführungsritual der Ferox, in Erinnerung.

Die Hoffnung, nie mehr wieder etwas von Tris und ihrer Truppe zu sehen, muss man inzwischen auch begraben. Es wird schon am Drehbuch für den zweiten Teil der Reihe gearbeitet. Braucht kein Mensch!

Triefender Teenie-Kitsch (2.5/6)

Den Trailer gibt’s hier.

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