Rauch, Stahl und Blut

In dem 4800-Seelen-Kaff North Braddock in Pennsylvania leben die Brüder Rodney (Casey Affleck) und Russell Baze (Christian Bale). Rodney, ein Irak-Veteran, leiht sich überall Geld um es dann bei Pferdewetten wieder zu verlieren. Russell dagegen arbeitet im Stahlwerk, ständig bemüht Geld für den bettlägerigen Vater zu besorgen. Um seine horrenden Schulden abzuzahlen, lässt sich Rodney auf Faustkämpfe ein, auch wenn ihn sein Bruder immer wieder von einer geregelten Arbeit im Stahlwerk überzeugen will. Nach einem Streit mit Russell fordert Rodney seinen Geldgeber John Petty (Willem Dafoe) auf, ihm einen Kampf in den Bergen zu besorgen. Dort sei mehr Geld zu machen. Doch Petty weiß, dass dort der fiese Harlan DeGroat (Woody Harrelson) das Sagen hat. Er versucht Rodney davon abzuhalten, aber dieser lässt sich nicht überzeugen. Die beiden fahren in die Berge. Als tags darauf Rodney nicht auftaucht, macht sich Russell zunächst keine Sorgen. Als dann aber die Leiche von John Petty auftaucht und die Polizei in Form von Chief Wesley Barnes (Forest Whitaker) nichts unternimmt, macht sich Russell selbst auf den Weg in die Berge.

Regisseur Scott Cooper gelingt es eine spannende und packende Geschichte zu erzählen. Leider zieht er diese – ganz besonders gegen Ende – unnötig in die Länge. Die 116 Minuten Film sind gute 40 Minuten zu lang. Die kompakte Erzählung zu Beginn wird im weiteren Verlauf ziemlich zäh, weil ständig neue Nebenhandlungen in die Haupthandlung eingebaut werden. Zudem sorgt langweiliges Hin- und Herschneiden nicht für die gewünschte Spannung. Eine besonders schlechte Parallelmontage sind die Szenen, in der Rodney sich auf einen Kampf vorbereitet und Russell zur gleichen Zeit mit seinem Onkel im Wald einen Hirsch jagt. Beide Szenen stehen in keinem inhaltlichen oder sinnbildlichen Zusammenhang. Für ordentlich Stimmung sorgt dagegen das häufig eingesetzte Low-Key-Light, welches die zwielichtigen Orte und Charaktere noch  unheimlicher wirken lässt. Gelungen sind auch die Landschaftsaufnahmen. Die vom Zusammenbruch der Stahlindustrie gezeichnete Stadt bildet die perfekte Szenerie für das Rachedrama.  Der Kontrast zwischen Natur und Zivilisation, Wald und Metall, ist definitiv was für’s Auge.

Das ist Zoe Saldana auch. Bedauerlicherweise aber auch nicht mehr, was aber nicht besonders stört. Christian Bale, der häufig durch eine ausdruckslose Mimik auffällt, hat hier den großen Vorteil, dass diese zur Handlung fantastisch passt.  Die Traurigkeit im Blick hat auch Casey Affleck. Besonders sein Wutausbruch und das Gefühl, von der Armee bzw. seinem Land im Stich gelassen worden zu sein,  bleiben auch noch lange nach dem Kinobesuch im Gedächtnis. Die Bruderliebe wirkt glaubhaft. Woody Harrelson nimmt man den bösen Widersacher ab, obwohl der mit Goldohrringchen und Lolli lutschend auch schnell zu einer Parodie seiner selbst hätte werden können. Besonders die Eingangsszene bleibt nachhaltig in Erinnerung. Weil seine Freundin ihn auslacht, schiebt ihr Harlan kurzerhand eine Zigarre in den Rachen.  Als ein Mann dazwischen geht, wird dieser rücksichtslos zusammengeschlagen. DeGroat hat nach eigener Aussage ein Problem mit jedem, aber ganz besonders, wenn jemand seine Autorität infrage stellt. Kurzum ein fantastischer, gesundheitsbewusster („Mach mir einen Lachsburger!“) wie drogenabhängiger Bösewicht.

Tolle Geschichte, fantastischer Cast, aber etwas zähe Erzählweise (4.5/6)

Zum Trailer geht’s hier.

Advertisements