Willkommen zum Retro Spezial

Draußen brennt die Sonne vom Himmel. Dreiunddreißig Grad. Was soll man in dieser Affenhitze nur anstellen? Zum Glück gibt es ja klimatisierte Kinos und Filme, die das Prädikat „Sommer-Blockbuster“tragen. Einer dieser Filme ist X-Men: Zukunft ist Vergangenheit. Erhöhtes Staraufgebot, explosive Special Effects, was will man da mehr? Doch Grund zum Freuen hat man zunächst nicht. Die Stimme von Patrick Stewart aka Professor X erklärt, dass sich die X-Men in einem Krieg befinden, den sie unmöglich gewinnen können. Ihre Gegner sind die Sentinels: übergroße  Roboter mit der Fähigkeit der Anpassung an jede Mutantenkraft und dem Ziel alle Mutanten zu vernichten. Die wenigen Überlebenden verschanzen sich in einer leeren Klosteranlage in China. Um ihre gegenwärtige Lage zu verbessern, muss jemand die Vergangenheit ändern, damit die Sentinels gar nicht erst gebaut werden. Der Einzige, der dafür in Frage kommt, ist Wolverine (Hugh Jackman). Er kann nicht sterben und daher die schwierige Reise auch überleben. Und so erwacht Wolverine im Jahr 1973 in seinem jüngeren Körper und – wie sollte es auch anders sein – in den Armen einer hübschen Frau. Doch Wolverine lässt sich nicht ablenken. Er sucht sofort Charles Xavier (James McAcoy) auf, der zu seiner Überraschung laufen kann. Engster Vertrauter ist Wissenschaftler McCoy (Nicholas Hoult), der ihm ein Serum entwickelt hat, dass seine mentalen Fähigkeiten zugunsten seiner Beinfreiheit abschaltet. Zusammen mit dem Mutanten Quicksilver(Evan Peters) befreien sie Magneto (Michael Fassbender) aus einem Sicherheitstrakt unterhalb des Pentagons. Die Spannungen von Erik und Charles wirken sich sich zunächst negativ auf die Gruppe aus, allerdings müssen beide einsehen, dass sie ihre Vorwürfe für ein höheres Ziel aufgeben müssen. Es gilt einen Mord zu verhindern, den Mystique (ehemals „Schwester“ von Charles und Verbündete von Erik) ausführen wird. Denn Mystique (Jennifer Lawrence) arbeitet neuerdings selbstständig und möchte alle Menschen bestrafen, die Mutanten getötet oder zu Versuchszwecken gefoltert haben.

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Nicholas Hoult, James McAvoy und Hugh Jackman, © 2014 Twentieth Century Fox

In einzelnen Szenen merkt man, wie einfach das Marvel-Universum gestrickt ist. Bereits das Opening erinnert stark an die  Spider-Man-Filme, auch wenn hier keine Spinnenfäden gespannt werden, sondern sich hier DNA-Stränge bilden. Auch eine Produktpräsentation ala Tony Stark ist im Film zu sehen. Leider gibt sich der Film zu viel Mühe, die Handlungsstränge mit dem Vorgängerfilm First Class zu verbinden. So wird beispielsweise noch einmal auf die Kuba-Krise und das kurze Aufeinandertreffen von Charles, Erik und Wolverine in der Bar Bezug genommen. Es wird dadurch aber viel Zeit damit verschwendet, nochmal zu erklären, wer wer ist und welche Motivationen die einzelnen Figuren haben. Zusätzlich gibt es eine Vielzahl an Charakteren, die man alle ins rechte Licht rücken muss. Hauptsächlich konzentriert sich der Film dabei auf Wolverine, Magneto, Professor X, Mystique und das Biest. Innerhalb dieser Figurenkonstellationen bleibt allerdings Nicholas Hoult etwas zurückhaltend. Wolverine versucht alles um die Geschichte wieder ins Lot zu bringen, während sowohl Magneto, Professor X und Mystique eigene Pläne verfolgen. Diese resultieren teilweise auch aus dem Wissen, was in der Zukunft passieren wird. Überraschung des Films ist allerdings Quicksilver und seine Küchenszene: Bei dem Ausbruch Magnetos kommt es zum Showdown in der Küche. Quicksilver rennt daraufhin die Wand entlang und ändert die Gegebenheiten, nimmt Polizisten die Waffen aus der Wand und lässt die Kugeln der Revolver so fliegen, dass sie niemanden verletzen. Ein optisches, wie inhaltlich unterhaltsames Highlight.

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Jennifer Lawrence in der 70-Jahre-Klamotte, © 2014 Twentieth Century Fox

Auch die Kleidung der Protagonisten macht ordentlich was her. Passend zu den 70er Jahren gibts die Helden in Schlaghosen und Cordjacken zu sehen. Jennifer Lawrence, die schon im Streifen American Hustle mit der 70er-Jahre-Klamotte zu tun hatte, liefert eine starke Leistung ab, auch wenn sich ihre Auftritte häufig nur auf Kampfszenen beschränken. Michael Fassbender gibt häufig den „Master of Cool“, ganz besonders, wenn er mit Sonnenbrille und Hut lässig seinen charakteristischen Helm aus einem Archiv herausholt. Er bleibt seinem Charakter treu und verkörpert diesen glaubwürdig. James McAvoy spielt den Professor aber so, dass man ihn fast nicht mehr wiedererkennt. Der idealistische und motivierte Professor aus X-Men: First Class ist einem drogenabhängigen, langhaarigen, egoistischen Hippie gewichen und sorgt damit für eine negative Überraschung.

 X-Men: Days of Future Past ist packendes Actionkino, nicht mehr und nicht weniger. Im Vergleich zum ersten Teil gibt es mehr Special Effects, aber auch eine komplexere Geschichte. Der Film macht zu viele Beziehungsebenen auf (Charles-Erik, Erik-Mystique, Charles-Mystique, Wolverine-Major Stryker…), welche verwirren, selbst wenn man alle X-Men-Filme kennt. Der Film kommt nicht auf den Punkt, ist 30 Minuten zu lang und wenn er endlich endet, dann mit viel Pathos.

Wäre besser gewesen, wenn der Film kürzer sein wird (4/6)

Trailer zum Film

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