Should i stay or should i go?

Kürzlich hatte ich ein Gespräch über schlechte Filme. Ich erzählte von meinem Erlebnis an der Berlinale. Zur Erinnerung: Bei der Weltpremiere vom THE TURNING hat sich innerhalb kürzester Zeit das Publikum verduftet und lief auf dem Weg nach draußen immer an den Schauspielern und Regisseuren vorbei, weil diese mittig von zwei Gängen Platz genommen hatten. Ich beschimpfte daraufhin das böse böse Publikum, weil sie nicht bis zum Ende der drei Stunden andauernden Tortur geblieben waren. Schließlich ist es doch auch ein Zeichen des Respekts gegenüber der (anwesenden) Filmcrew, dass man sich den Film zuende anschaut. Daraufhin erklärte mein Gesprächspartner, dass die Filmemacher doch selbst Schuld seien, wenn sie so einen Schund auf einem Filmfestival zeigen. Das Publikum habe keine Verpflichtung den Filmemachern zu lobhudeln, nur weil diese in Person anwesend sind. Ich müsse doch auch an die vergeudete Lebenszeit des Publikums denken.

Das beschäftigte mich.  Ich habe nämlich noch nie einen Film im Kino vorzeitig verlassen. Noch nie. Auch nicht bei THE MIDNIGHT AFTER. Oder all den anderen Filmen, denen ich 0.5 von 6 Punkten gegeben habe. Für mich war es bisher keine Option mitten im Film aufzustehen und zu gehen. Ich verfahre nach dem Motto: „Ich hab dafür bezahlt, also schaue ich’s mir auch bis zum bitteren Ende an.“ Vielleicht liebe ich schlechte Filme auch, weil man sich hinterher so toll über sie aufregen kann. Und weil man gute Filme dann umso mehr zu schätzen weiß. Vielleicht muss man auch differenzieren – zwischen Festival- und Normalbetrieb. Während eines Festivals kann es durchaus vorkommen, dass man bis zu 5 Filme pro Tag schaut. Was bedeutet, die Filme müssen schon verdammt gut sein um dem kritischen Publikum respektive mir zu gefallen und um aus der Masse aufzufallen. Außerdem ist man den ganzen Tag auf den Beinen, weil man entweder in der Warteschlange steht oder von Kino zu Kino rennt. Normalbetrieb bedeutet dagegen, du nimmst dir den Abend frei, suchst dir in aller Ruhe einen interessanten Film aus, kaufst eine Karte und vielleicht noch was zum Knabbern, lehnst dich entspannt in den gemütlichen Kinosessel, schaust dir einen Film an und gut is‘. Soll heißen: (Filmfestival-)Film ist nicht gleich (Kinoabend-)Film.

Bei DVDs oder Filmbeiträgen, die ich  mir online anschaue, ist die Hemmschwelle da nicht so groß. Da lasse ich mich viel schneller ablenken. Vielleicht auch, weil es einen Unterschied macht, ob ich zuhause oder im Kino sitze. Weil ich meinen Hintern vom Sofa erheben und ins Kino gehen muss, manchmal auch bei Regen, manchmal bei Schnee. Ich muss etwas dafür tun, den Film überhaupt sehen zu können. [Das ist übrigens auch der Grund, warum sich der Schauspieler Moritz Bleibtreu dazu entschlossen hat, nur noch Kinofilme zu drehen.] Zuhause muss ich nur meinen Computer anschalten oder den DVD-Player. Kein großer Aufwand.

Einige Tage später habe ich mit einer Kommilitonin über die Thematik gesprochen und sie meinte, sie empfinde es auch immer besonders komisch, wenn sie nach Filmvorführungen im Rahmen der Uni klatschen muss. Wir diskutierten daraufhin für wen man da überhaupt klatscht: den Filmvorführer; den Dozenten, der den Film ausgewählt hat; den Regisseur? Gleiche Frage gilt auch für ein Filmfestival. Es wird immer geklatscht. Ich habe noch nie jemanden buhen hören. Bei Theaterstücken komischerweise schon. Ich weiß, das driftet hier immer mehr in einen Medienvergleich ab, deshalb versuche ich alle meine Fragen kurz und bündig auf den Punkt zu bringen.

Ist es unhöflich zu gehen oder nicht zu klatschen? Bin ich einfach zu nett? Gibt es einen Film, bei dem ihr schon gegangen seid? Ich freue mich über eure Meinungen.

Advertisements