Vom Sohn des Drachen

Unzählige Male wurde der Blutdurst den dunklen Fürsten schon verfilmt. Alles begann vor über hundert Jahren als der irische Schriftsteller Bram Stoker 1897 einen Roman über den furchtbaren Graf Dracula veröffentlichte. Seitdem wurde viel über Vampire geredet, geschrieben und Filme gedreht. DRACULA UNTOLD, der erste Langfilm von Gary Shore, soll das Gruselimage des Transsylvaniers in neuem Licht erstrahlen lassen. Zu Beginn gelingt das auch recht gut. Der Fürst Vlad (Luke Evans) wurde einst von seinem Vater an den türkischen Sultan übergeben um dort die Kampfkunst zu erlernen. Grausame Berühmtheit erlangte er als „Vlad, der Pfähler“. Diesem Leben schwor er ab und kehrte zurück in seine alte Heimat um dort mit seiner Frau Mirena (Sarah Gadon) und Sohnemann Ingeras (Art Parkinson) in Frieden zu leben. Der Fürst entdeckt aber türkische Späher im Land und erwartet einen Angriff des neuen Sultans Mehmed (Dominic Cooper), den er während seiner Ausbildung kennengelernt hat. Als der Sultan neben dem üblichen Tribut auch noch 1000 Jünglinge für dessen Heer fordert, kommt Vlad in einen Gewissenskonflikt, den er zunächst durch Diplomatie zu lösen sucht. Soll er die 1000 Jünglinge liefern, einschließlich seines eigenen Sohnes, oder riskiert er einen Krieg mit dem übermächtigen Gegner? In seiner Verzweiflung wendet er sich an eine mysteriöse Macht (Charles Dance), die in einer Höhle lebt und ihn für drei Tage in einen Vampir verwandelt.

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Vlad (Luke Evans) im Gewissenskonflikt – © Universal Pictures Germany

Bereits die Eröffnungsszene macht visuell sehr viel her. Die Vorgeschichte von Vlad respektive seine Kindheit in der Türkei, wird in eindrucksvollen Bildern illustriert. Dabei fährt eine Kamera durch eine eingefrorene Szenerie. Sieht man sich beispielsweise Shores Kurzfilm WOLVERINE VS. THE HAND an, erkennt man ein ähnliches Schema. Nach einem knackigen Einstieg mit mehrfachen Luke-Evans-Mucki-Oben-Ohne-Szenen wird der Konflikt des tragischen Helden in aller Ruhe entfaltet. Als Vampir erhält Vlad plötzlich ungeahnte Fähigkeiten. Er hört viel besser,  hat viel mehr Kraft („Das ist nützlich!“) und bekommt einen „Fledermausblick“, der über die Special Effects mehrfach auch gezeigt wird. Später findet er heraus, dass er ebenfalls eine Armee aus Fledermäusen befehligen und einen Feuerangriff mühelos überleben kann. Und hier fängt es auch an unglaubwürdig zu werden. Obwohl Luke Evans ein glaubhafter Protagonist ist und die Zerissenheit seiner Figur gut umsetzt, legt die Geschichte mehr Wert auf hübsche Bilder und beeindruckende Special Effects. Es geht hier nicht um eine historisch korrekte Darstellung, sondern um ein Actionfeuerwerk. Darunter leidet aber teilweise die Glaubwürdigkeit der Geschichte bzw. auch des Hauptdarstellers.

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Der Urgroßvater von Edward Cullen – © Universal Pictures Germany

Der Plot gegen Ende ist unglaubwürdig, denn Vlad verfügt plötzlich aus ungeklärten Gründen auch über die Fähigkeit, das Wetter nach Gutdünken zu verändern. Sicherlich macht ein Auftritt inmitten von Donner und Blitzen optisch viel her, ergibt aber auf der narrativen Ebene keinen Sinn. Auch Mehmed verhält sich äußerst eigenartig. Er weiß plötzlich einfach so von Vlads Schwachstelle, Silber, und auch dass man einen Vampir nur töten kann, wenn man ihm einen Holzpflock ins Herz rammt. Ferner hat er zwar Vlads Sohn in seiner Gewalt, kommt aber nicht auf die Idee diesem mal ein Schwert an die Kehle zu halten, wie das herrschsüchtige Anführer in der Regel in Filmen zu tun pflegen um die Waffenabgabe ihres Gegners zu erpressen. Und was ist mit dem Kreuz? Bei anderen Vampiren wirkt das Kreuz als Abschreckung, bei Vlad ist es wirkungslos. Gelungen ist dann erst wieder die Schlussszene, die ganz offensichtlich in der Jetztzeit spielt. Die versinnbildlichte Tatsache, dass Dracula immer noch aktuell und fest in der heutigen Kultur verankert ist, sorgt für einen gelungenen Abschluss.

 Solider Blockbuster (4.5/6)

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