Who deserves to be famous?

HELP – so steht es am Himmel über New York. Es ist aber kein ernstgemeinter Hilferuf, sondern Kulisse für einen neuen Film. Am Filmset trifft der aufstrebende Schriftsteller Lee Simon (Kenneth Branagh) auf die Filmdiva Nicole Oliver (Melanie Griffith) um ein Interview mit ihr zu führen. Eigentlich will er ihr aber nur sein Drehbuch vorstellen, dass ihm den großen Durchbruch bringen soll. Als das nicht gelingt, tröstet er sich mit der Bekanntschaft zu einem Supermodel (Charlize Theron). Seine Ex-Frau Robin (Judy Davis) ist derweil im Kloster um über die Scheidung hinwegzukommen. Als sie auf Anraten einer Freundin beim Schönheitschirugen sitzt, unterbricht plötzlich der Fernsehproduzent Tony Gardella (Joe Mantegna) das Beratungsgespräch. Tony und Robin verstehen sich blendet, verlieben sich und Robin bekommt einen Arbeitsplatz bei Tonys Fernsehproduktionen. In der Zwischenzeit versucht Lee sein Glück bei dem temperamentvollen Jungstar Brandon Darrow (Leonardo DiCaprio), der das Drehbuch am liebsten völlig umschreiben würde. Lee ist das egal, er würde auch das Buch umschreiben, nur um einen Hit zu landen. Während Lee weiter auf der Suche ist, wird Robin ein gefeierter Fernsehstar.

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Ich bin ein Star, holt mir hier raus…

Kenneth Branagh spielt im Grunde Woody Allen. Das kann man drehen und wenden,  wie man will, aber die Ähnlichkeit ist unverkennbar. Allen wollte die New Yorker Attitüde – ängstlich, nervös, nach Berühmtheit jagend – in die Rolle von Lee einfließen lassen und heraus kam dann eine Woody-Imitation. Aber das ist nicht die einzige Ungereimtheit. Auf der einen Seite beschwert er sich, dass es in seiner Ehe nicht mehr gut läuft, auf der anderen Seite lässt sich Lee von den Frauen umgarnen und befriedigen. Nur um sie dann kurze Zeit später wieder zu verlassen, weil sich die nächstbeste Nummer an seinen Hals geworfen hat. Der Humor seiner Rolle speist sich hauptsächlich daraus, dass er nie aufhört an seinen Traum zu glauben. In den unmöglichsten Szenen ist er immernoch so fokussiert, sein Buch an den Mann oder die Frau zu bringen, dass es häufig ins Groteske abdriftet. Dies gilt beispielsweise auch für Robin, die für Recherchezwecke eine Prostituierte trifft und die Gelegenheit nutzt um sich Nachhilfe für einen Blow-Job geben zu lassen. Das Übungsobjekt, eine Banane, wird der Prostituierten beinahe zum Verhängnis.

Neben weiteren prominenten Nebenrollen wie Charlize Theron als sexuell aktives Topmodel sorgt Leonardo DiCaprio für gute Laune. Er spielt einen abgehobenen Jungsschauspieler, der sein Promileben exzessiv mit Sex und Drogen auslebt. Das ist gerade im Zusammenhang mit dem Starttermin von TITANIC recht interessant, der im Januar 1998 in die Kinos kam, CELEBRITY im April 1998. Zu diesem Zeitpunkt war Leonardo also TATSÄCHLICH ein Star, was dem Film eine ungewollt selbstreflexive Note gibt. Auch Woody Allen nimmt sich selbst auf’s Korn, in der Szene, in der eine Figur über den Regisseur schimpft dieser sei „einer dieser Arschlöcher, die nur in Schwarz-Weiß drehen“. Trotzdem bleibt der Film mit seinen Thematiken Ruhm, Sex und Schönheitsideale nur an der Oberfläche anstatt Lösungswege oder tiefergehende Erklärungen zu liefern. Desweiteren erkennt man äußerst selten, dass Zeit vergeht: Lediglich Bemerkungen zur Hochzeit oder einer Schwangerschaft geben an, dass sich etwas verändert haben muss. „Sie können viel über eine Gesellschaft lernen über die Prominenten, die sie verehrt.“ sagt Robin im Film. Aber was es tatsächlich über die Gesellschaft aussagt, das bleibt Allen schuldig. Sein Hilfeschrei, der am Ende des Films noch einmal gezeigt wird, bleibt daher ungehört.

Tolle Schauspieler, trotzdem nur Durchschnitt (3/6)

Trailer zum Film (englisch)

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