Das Dilemma begann eigentlich mit dem zweiten Teil der HERR DER RINGE-Trilogie: THE TWO TOWERS. Auch wenn Peter Jackson und seine Animatoren das Motion Capture nicht erfunden haben, so haben sie es doch salonfähig gemacht. Gollum entfachte eine Diskussion, denn sie war die erste computeranimierte Figur, die mit Realfiguren interagierte und vom Zuschauer als eigenständige Person ernst genommen wurde. Schon damals wurde Andy Serkis von New Line Cinema nach Los Angeles geschickt um eine Oscar-Nominierung für seine Rolle zu erreichen. Aufgrund der Vorbehalte gegen die neue Technik kam es aber nicht dazu. Man befürchtete, das Motion Capture den Schauspieler auf lange Sicht überflüssig machen würde, obwohl Serkis ständig erklärte, dass Motion Capture eben nicht ohne eine Vorlage, also einen Schauspieler, funktioniert.

Quelle: http://serkis.com/performance-capture-gollum.htm
Quelle: http://serkis.com/performance-capture-gollum.htm
Kurzer Überblick: Definition und Technik

Heute werden die Begriffe Motion Capture (Abk. Mo-Cap) und Performance Capture häufig als Synonyme verwendet, obwohl es bei der Motion Capture eigentlich nur um die reine Bewegungsaufzeichnung geht, während beim Performance Capture die Körperbewegung UND die Mimik des Schauspielers aufgezeichnet werden. Letzteres wird immer dann eingesetzt, wenn die Mimik des Schauspielers Teil der animierten Figur ist, wie beispielsweise im Film AVATAR. Zudem muss man unterscheiden, ob eine komplette Person dargestellt wird, wie z.B. Bill Nighys Davy Jones in der PIRATES OF THE CARIBBEAN-Reihe oder einzelne Körperteile wie die eingefallene Nase von Lord Voldemort in den HARRY POTTER-Filmen (siehe Video). Motion Capture wurde ursprünglich in der medizinischen Forschung eingesetzt um Bewegungsabläufe sichtbar zu machen. Bereits zu Beginn der 1960er Jahre schlug der Pionier der elektronischen Analoganimation Lee Harrison III. in einem Aufsatz vor, Schauspieler in einen Anzug zu stecken, der mit Potentiometern an den Gelenken befestigt war, um einem Avatar Leben einzuhauchen. Heutzutage ist der Anzug, den ein Performance Capture Artist trägt, an den bewegungsrelevanten Körperteilen mit Markern versehen, die entweder Licht reflektieren oder selbst leuchten. Diese Leuchtpunkte werden dann in einem abgesteckten Gebiet, meistens einer gesonderten Mo-Cap-Bühne, von mehreren Kameras aufgezeichnet und im Computer gespeichert. Die Bewegung kann dann auf die animierte Figur übertragen werden. (Das klingt jetzt einfacher als es ist. Häufig muss die Bewegung noch umgerechnet werden, wenn die animierte Figur kleiner und leichter oder größer und schwerer ist als der Schauspieler, man denke dabei an KING KONG, oder andere Gesichtszüge hat.) Neuere Modelle sind nicht mehr an eine Motion- oder Performance Capture-Bühne gebunden und können direkt am Set getragen werden.

Das Problem: Alle haben Recht!

Das große Problem ist, dass jeder Recht hat. Wenn Regisseure und Schauspieler von den unbegrenzten Möglichkeiten und der Freiheit beim Spiel schwärmen, dann haben sie wahrscheinlich Recht. Wenn Andy Serkis sagt, Schauspiel sei Schauspiel, egal ob im Kostüm oder Mocap-Anzug, hat er Recht. Wenn sich daraufhin die Animatoren beschweren, weil sie sich in der Debatte übergangen fühlen und gerne mal als Zuarbeiter abgestempelt werden, obwohl sie auch einen großen Anteil am Animieren der Figur haben, haben sie auch Recht. Wenn jetzt auch noch die Kritiker kommen und sagen, dass diese Form der Computeranimation der Manipulation Tür und Tor öffnet und dass wahrscheinlich selbst der Schauspieler am Ende nicht sagen kann, ob er das selbst gespielt hat oder ob ihm die Animatoren einen anderen Gesichtsausdruck verpasst haben, haben sie auch Recht. Zusammenfassend kann man sagen, dass Performance Capture ein Zusammenspiel aus schauspielerischer Leistung und Computeranimation ist und diese Untrennbarkeit macht es so schwierig den „richtigen“ Leuten den Respekt für ihre Arbeit entgegenzubringen, den sie verdienen.

Quelle: http://www.keywestvideo.com/corporatevideoblog/index.php/power-motion-capture-dawn-planet-apes/
Quelle: http://www.keywestvideo.com/corporatevideoblog/index.php/power-motion-capture-dawn-planet-apes/
Aktuelle Entwicklungen

Aktuell versucht 20th Century Fox für Andy Serkis eine Oscarnominierung als beste Nebenrolle in DAWN OF THE PLANET OF THE APES erreichen. Die Chancen stehen gar nicht mal so schlecht, da sowohl von Kritikern als auch vom Publikum die realistische Darstellung der Affen gelobt wurde. Trotzdem hält Andy Serkis immer noch die Performance Capture für eine missverstandene Kunst (siehe Artikel) und scheint es auch langsam leid zu sein gebetsmühlenartig zu erklären, was er denn da überhaupt macht. Im Dezember wird der dritte Teil der HOBBIT-Trilogie mit Gollum, Azog (Manu Bennett) und Benedict Cumberbatch als Smaug in die Kinos kommen. James Cameron plant derweil an seinen zwei weiteren Teile seiner AVATAR-Geschichte, die ebenfalls wieder aus einer Mischung aus Motion- und Performance Capture entstehen werden. Eine eigene Performance-Capture-Kategorie bei den Oscars wird es wohl in nächster Zeit nicht geben genausowenig wie eine Gleichberechtigung von virtuellen und Realdarstellungen. Am 15.01.2015 werden wir mehr wissen. Da werden die Nominierten für die Oscar-Saison 2015 bekannt gegeben und die sind immer für eine Überraschung gut. Dann wird man sehen, ob Performance Capture neben Realschauspiel bestehen kann. Andy Serkis ist es zu wünschen. Good luck!

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