Wasser marsch!

Im Frühjahr 2014 sorgte die europäische Bürgerinitiative Right2Water für Schlagzeilen. Mehr als 1,88 Millionen Menschen zeichneten die Petition, die sich gegen die Privatisierung von Wasser aussprach. Angesichts der 505,73 Millionen EU-Bürger ein vergleichsweise kleiner Prozentsatz, aber er zeigte Wirkung. Die Europäische Union gab die Privatisierungspläne auf. Mit der Kommerzialisierung des Wassers setzt sich auch der Schweizer Journalist Res Gehriger auseinander, der dies am Fall des Nestlé-Konzerns erläutert. Nestlé ist der weltweit größte Lebensmittelkonzern und das größte Industrieunternehmen in der Schweiz. Die Reise führt den Journalisten in ein Flüchtlingslager in Äthiopien, welches Nestlé angeblich mit Frischwasser versorgt. Vor Ort stellt Gehriger fest, das das humanitäre Engagment von Nestlé seit mehreren Jahren nicht mehr besteht. Des Weiteren sind mehrere Gemeinden im US-Bundesstaat Maine sein Ziel. Dort entnimmt Poland Springs, eine Mineralwassermarke, die ebenfalls zum Nestlé-Konzern gehört, natürliches Wasser, packt es ab und verkauft das gleiche Wasser im Ort, in dem es abgefüllt wird. Weitere Stationen sind auch Lagos in Nigeria. Hier gibt es wenig Alternativen zu sauberem Wasser und damit steht die Wassermarke „Pure Life“ von Nestlé fast ohne Konkurrenz da. Sauberes Wasser können sich dort nur die Wohlbetuchten leisten, denn eine Flasche „Pure“ Life ist teurer als ein Liter Benzin. Befragt wird weiter auch die ehemalige UNO-Chefberaterin für Wasserfragen Maude Barlow, die Nestlé vorwirft, die Not der Menschen auszunutzen, und Mitglieder einer amerikanischen lokalen Bürgerinitiative, die sich gegen die Privatiserung „ihres“ Grundwassers einzusetzen. Die Frage, die sich durch den Film zieht, ist: Wem gehört das Wasser und warum?

© Wfilm

Der Film gibt einen guten Überblick über die verschiedenen Auffassungen zum Wasser. Es gibt im Grunde nur zwei Positionen: 1. Wasser als Grundrecht bzw. saubereres Wasser für alle und 2. Wasser muss einen Wert bekommen wie andere Lebensmittel auch. Letzteres behauptet zumindest der Präsident des Nestlé-Verwaltungsrats Peter Brabeck. Brabeck wird von Regisseur Urs Schnell und Res Gehriger als der personifizierte Badboy inszeniert. Seine Statements werden meistens mit den Aussagen der Bürgerinitiativen gegengeschnitten und manchmal bekommt man dadurch den Eindruck, er sei der Einzige bei Nestlé, der sich für das Flaschenwasser einsetzt. Auffallend häufig – und das zieht sich durch alle in der Reportage beschriebenen Länder oder Gebiete – wird das Versagen der Regierung oder den Kommunen thematisiert, die lieber die Steuereinnahmen und großzügigen Spenden des Konzerns annehmen, anstatt auf ihre Bürger zu hören und ihr (Grund-)Wasser zu schützen. Zudem seien 800 Tonnen Plastik nötig um das Wasser überhaupt abzufüllen und  es sei zweifelhaft, wo das dann am Ende landet. Wahrscheinlich am Ende sogar in den Ozeanen.

© Wfilm

Nachteil ist, das die gesamte Dokumentation in der Ich-Form erzählt wird. Das wäre an sich noch kein Problem, allerdings stellt dies auch die Frage nach der Motivation des Journalisten. Wie kam er überhaupt auf das Thema? Betrifft ihn das Thema Wasser oder Nestlé in irgendeiner Form? Kam er durch andere Recherchen auf das Thema? All das wird nicht geklärt. Auch das Q&A von Nestle zum Film  kann nur bedingt Antworten geben und da muss man sich auch fragen, inwiefern man den dortigen Antworten glauben möchte. Der Coca-Cola-Konzern macht auch immer mehr in Mineralwasser, was gar nicht erzählt wird, weil man sich sehr auf Nestlé einschießt. Ein weiteres Manko ist die etwas zu plakativ geratene Umsetzung. Als Einleitungsbilder werden Quellen in den Bergen oder Flüsse gezeigt, was nicht unbedingt kreativ ist. Insgesamt ist BOTTLED LIFE aber eine Dokumentation, die zum Nachdenken über den eigenen Wasserkonsum anregt.

Spannendes Thema, plakative Umsetzung (4.5/6)

Titelbild, Bilder und Trailer: © Wfilm

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