Hope beyond the wall

Die YA-Filme boomen schon seit Jahren. Neben Harry Potter, den Vampiren aus Folks, den Tributen aus Panem, dem Mazerunner und weiß-Gott-wem-noch folgte 2014 DIVERGENT. Eine weitere Buchverfilmung, dem Plot der Hungerspiele nicht ganz unähnlich, also genau passend für die zahlungskräftige Jugend. Die Handlung beginnt drei Tage nach dem Plot des Vorgängers. Tris (Shailene Woodley), Four (Theo James), Kaleb (Ansel Elgort) und Peter (Miles Teller) sind inzwischen auf dem Land und haben Asyl von der Armite-Fraktion unter der Führung von Johanna (Octavia Spencer) bekommen. Doch die Milizen machen weiter Jagd auf die Flüchtigen. Zeitgleich finden die Truppen der machthungrigen Jeanine (Kate Winslet) in den Trümmern von Tris‘ Elternhaus eine fünfeckige Box. Sie vermutet darin eine Waffe um die Unbestimmten und Fraktionslosen ein für alle Mal loszuwerden. Doch leider kann nur ein Unbestimmter die Box öffnen. Darum machen die Schwergen Jeanines Jagd auf die Unbestimmten, doch auch nach mehrmaligen Versuchen schafft es keiner von ihnen die Box zu öffnen. Unterdessen suchen Tris, Four und Kaleb Hilfe bei den Fraktionslosen. Deren Anführerin Evelyn (Naomi Watts) ist die Mutter von Four und plant einen Umsturz. Doch an Kampf ist derzeit noch nicht zu denken; die Lage ist zu unübersichtlich. Nachdem Jeanine geschickt an Tris‘ Schuldgefühle appelliert, stellt sie sich freiwillig und durchlebt fünf Level um die Box zu öffnen. Doch der Inhalt ist ein anderer als Jeanine erwartet hat.

Kurze Besprechung und dann geht's ab ins Getümmel - © Concorde
Kurze Besprechung und dann geht’s ab ins Getümmel – © Concorde

INSURGENT ist eine Mischung aus den Hungerspielen und THE MAZE RUNNER; man hat aus beiden Filmen die schlechtesten Elemente herausgesucht und zu einem cineastischen Durchschnittsmansch zusammengefügt. Der Film besteht zum Großteil aus Traumsequenzen, die am Anfang sicherlich noch mitreißen, nach einer Weile aber einfach nur nerven, weil man dadurch den Film nicht mehr ernst nimmt und hinter jeder Ecke eine Traumsequenz vermutet, die dann auch tatsächlich eintritt. Diese Unruhe in der Narration zieht sich durch den ganzen Film. Wie schon im Vorgängerfilm können lediglich die Actionsequenzen und die atemberaubenden Kamerafahrten über das zerstörte Stadtbild Chicagos überzeugen. Auch die sogenannten SIMs, also halluzinatorische Simulationen, machen dank fliegendem brennenden Haus und Tris-vs-Tris-Kampf optisch wirklich Spaß. Leider wiederholen sich aber auch hier einige Elemente zu häufig. So scheint es eine Vorliebe von Regisseur Robert Schwentke zu sein, Gegenstände, Gebäude und Personen in deren Einzelteile zerspringen zu lassen und die Explosion bzw. Zersplitterung dann mit Slow-Motion zu zeigen. Es gibt durchaus Szenen, bei denen das einen Sinn ergibt, wie z.B. in dem SIM-Level, in dem Tris erkennt, dass Four nur eine Halluzination ist, sein Gesicht berührt und sich dieses langsam auflöst. Aber – ähnlich wie bei den Traumsequenzen – tauchen solche Szenen zu häufig auf. Schwentke kann so keine Akzente, keine Highlights  setzen und so wird alles zu einer großen undefinierbaren Masse an aufeinanderfolgenden Szenen.

Jeanine (Kate Winslet) ist jedes Mittel recht - © Concorde
Jeanine (Kate Winslet) ist jedes Mittel recht – © Concorde

Schauspielerisch tut sich absolut niemand hervor. Auch Kate Winslet nicht, die im Vergleich zum Vorgängerfilm noch stärker abbaut und nur zwei Gesichtsausdrücke zu haben scheint, und die brünette Naomi Watts profitiert lediglich von einem Neu-dabei-Bonus. Shailene Woodley kann auch hier nicht überzeugen. Die Ähnlichkeit zu CATCHING FIRE ist zu offensichtlich, als das man sie ignorieren könnte. Doch während Jennifer Lawrence als Katniss verzweifelt ist, zittert, weint, sich in Ecken zusammenkauert und ihr Umfeld vor Wut zusammenschreit, bleibt Shailenes Tris gewohnt blass. Hier mal eine Traumsequenz mit toten Menschen, da mal ein erschrockener Blick – mehr aber nicht. Wenn man schon kopiert, dann sollte man wenigstens gut kopieren. Leider bringt der Regisseurwechsel nicht den erwarteten  frischen Wind. März 2016 geht das Abenteuer von Tris weiter. Wer sich aber freut, das Leiden hätte dann ein Ende, irrt. ALLEGIANT wird in zwei Teile aufgeteilt. Warum, weiß kein Mensch. Schließlich schafft es schon ein einzelner Film nicht den Zuschauer mitzureißen. Filmkritikern schlottern schon die Knie.

Wird nicht besser (2.5/6)

© Titelbild und Trailer: Concorde Film

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