Die zwei Gejagten

Anmerkung: Die Bewertung bezieht sich auf die vom ZDF → stark gekürzte deutsche Fassung. Wenn ich irgendwann mal dazu komme , die ungekürzte Version zu sehen (was nicht so unwahrscheinlich ist, denn die Serie ist toll), gibt es hierzu unter meinem Ersteindruck ein Update.

Es dauert ja immer eine Weile bis gute britische Serien ihren Weg ins deutsche Fernsehen finden, aber selten wird die Serie dann auch noch den deutschen Programmanforderungen angepasst. So aber geschehen bei THE FALL. Die ersten beiden Staffeln wurden auf sechs 90-Minüter zusammengekürzt, die dann Sonntag Nacht im ZDF und in der Originalfassung in der Mediathek liefen. Deutsche Fans teilten ihren den Unmut nicht nur mit dem ZDF-Zuschauerservice, sondern auch auf verschiedenen Filmwebseiten. Wie im deutschen Untertitel „Tod in Belfast“ anklingt, spielt die Handlung in der Nordirischen Hauptstadt. Dorthin wird Detective Superindendant Stella Gibson (Gillian Anderson) versetzt um die Revision einer Mordermittlung zu übernehmen. Ihr Vorgesetzter Jim Burns (John Lynch) erwartet, dass Stella bald wieder zurück in London ist. Doch Gibson entdeckt, dass es sich keinesfalls um eine Einzeltat handelt, sondern um ein Serienverbrechen. Der Frauenmörder ist der Trauertherapeut und Familienvater Paul Spector (Jamie Dornan), der zeitgleich die Mitdreißigerin Sarah Kay (Laura Donnelly) stalkt. Als kurz darauf die Leiche von Sarah Kay gefunden wird, entschließt sich Gibson den Fall komplett zu übernehmen und so lange in Belfast zu bleiben bis der Fall geklärt ist.

Paul Spector (Jamie Donan) - © BBC
Paul Spector (Jamie Donan) – © BBC

Eine gute Serie kann auch die ZDF-Schnitttechnik nicht entstellen. Dies liegt insbesondere auch an dem unfassbar hohen schauspielerischen Niveau. Selbst die kleinsten Nebenrollen bekommen im Laufe der Staffeln den ein oder anderen Glanzmoment. Jeder, der THE FALL gesehen hat, versteht, warum man ausgerechnet Jamie Dornan als Christian Grey gecastet hat. Die Intensität seines Spiels ist erschreckend (und jeder, der FIFTY SHADES OF GREY gesehen hat, weiß, dass er in diesem Film nicht mal 10 % dieser Intensität zeigen konnte). Als Gegenspielerin zum frauenmordenden Familienvater spielt Gillian Anderson eine verführerische Kommissarin, die sich nimmt, was auch immer sie braucht. Wenn es sein muss, auch einen Mann oder eine Frau für eine Nacht. Beide Figuren sind im Grunde Gejagte. Stella steht unter Erfolgsdruck. Die Presse und die Vorgesetzten möchten Ergebnisse sehen. Paul versucht sein Verlangen unter Kontrolle zu bekommen und gleichzeitig seine tödlichen Neigungen vor seiner Familie und der Polizei zu verheimlichen. Belfast scheint für eine Verfolgungsjagd dieser Art die perfekte Kulisse zu sein. Die Stadt selbst wirkt grau und brutal. Selbst Orte wie der Botanische Garten, eigentlich ein Ort der Ruhe und Entspannung, wird zum Auskundschaften von potenziellen Opfern genutzt.

Auf der Jagd nach dem Mörder - © BBC
Auf der Jagd nach dem Mörder – © BBC

Der Filmtitel wird nie wirklich erklärt, allerdings bezieht sich der offenbar auf den Sündenfall, das Vertreiben von Adam und Eva aus dem Paradies. Der Titel passt, denn das Verhältnis zwischen Mann und Frau und Themenfelder wie Versuchung und Sünde sind wiederkehrende Motive. Wenn man richtig in die Materie einsteigt, fallen einem nicht nur kirchliche Motive  auf (→ Peter und Paul, beides Namen, die Paul benutzt um Informationen zu erhalten), sondern auch die Nachnamen, die  häufig Namen von Gitarrenherstellern sind. Die Serie zeigt, wie erschreckend einfach es ist, an persönliche Daten zu kommen, wenn man wirklich dreist ist. Durch eine auktoriale Erzählweise, weiß man immer, was in beiden Lagern (Polizei/Mörder) los ist. Das macht den Zuschauer zwangsläufig zum Mitwisser. Es dauert eine Weile bis die Figurenkonstellationen vorgestellt sind, ist dies aber geschehen, entwickelt die Handlung eine fesselnde Sogwirkung. Die dritte Staffel wurde trotz schwächelnder Quoten von der BBC genehmigt und wird wahrscheinlich 2016 gesendet.

Spannendes Katz-und-Maus-Spiel(5/6)

Titelbild: © BBC, Trailer: © ZDF

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