Der Mörder und das FBI

Amerikanische Kriminalserien laufen eigentlich immer nach dem gleichen Muster ab. Ein Zivilist mit außergewöhnlichen Talenten (THE MENTALIST, CASTLE) oder ein Krimineller (WHITE COLLAR) hilft dem FBI oder irgendeiner anderen Regierungsbehörde dabei Kriminalfälle aufzuklären. Und auch wenn man hier wieder eine ungewöhnliche Paarung hat, ist THE BLACKLIST doch etwas anders. Hier stellt sich der gesuchte Kriminelle Raymond „Red“ Reddington (James Spader) in der FBI-Hauptzentrale und bietet seine Dienste im Austausch gegen Immunität an. Er verlangt ausschließlich mit der FBI-Agentin Elizabeth „Liz“ Keen (Megan Boone) zu verhandeln. Die Informationen, die Reddington anzubieten hat, sind vielversprechend. Kurzerhand wird eine Task Force gebildet, die von Assistant Director Harold Cooper (Harry J. Lennix) geleitet wird. Elizabeth arbeitet nun mit FBI-Special Agent Donald Ressler (Diego Klattenhoff), der hinzugezogenen CIA-Agentin Meera Malik (Parminder Nagra) sowie dem IT-Experten Aram Mojtabai (Amir Arison) zusammen. Reddington rekrutiert seinerseits den Bodyguard Dembe Zuma (Hisham Tawfiq). Obwohl allen Beteiligten klar ist, dass Reddington die Informationen über die gesuchten Verbrecher nur weitergibt um sich selbst einen Vorteil für seine weiterhin aktiven kriminellen Machenschaften zu verschaffen, lassen sich alle darauf ein. Besonders Liz ist neugierig, warum Red ausgerechnet sie ausgewählt hat. Doch je weiter sie Reddington in ihr Leben lässt, desto mehr stellt es Liz‘ Verhältnis zu ihrem Mann Tom (Ryan Eggold) auf die Probe.

Reddington (James Spader) - © NBC
Reddington (James Spader) – © NBC
James Spader – mehr ist nicht zu sagen!

Auch wenn → die Macher abstritten, dass es sich bei THE BLACKLIST um eine abgewandelte Version von DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER handelt, so sind in der ersten Folge die Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Besonders die Pilotfolge, wenn Reddington ausdrücklich nach Keen verlangt und das erste Aufeinandertreffen der beiden weist eine frapierende Ähnlichkeit auf. Dies liegt hauptsächlich an James Spaders Spiel. Spader hat einfach eine unfassbar starke Präsenz und in nahezu jeder Szene, in der er zu sehen ist, hat er mehr Charisma als der gesamte Restcast. Und genau das ist auch das große Manko der Serie: Spader ist nicht oft genug im Bild. Bei einer 22-Folgen-Staffel muss natürlich hier und da etwas gestreckt werden. Besonders in der Staffelmitte verlagert sich die Handlung zu sehr auf Elizabeth und ihr Umfeld, was dazu führt, dass Red nur noch da ist um einen oder zwei ergänzende Sätze zu sagen. Auch Elizabeth verhält sich nicht besonders klug. Als sie den Verdacht hat, Red könnte ihr leiblicher Vater sein, befragt sie lieber ihn anstatt DNA-Proben o.ä. sicherzustellen. Das ist schon deshalb taktisch unklug, weil Red in seiner ersten Begegnung mit Liz zugibt ein → notorischer Lügner zu sein. Im Grunde ist THE BLACKLIST eine abgewandelte Form von CRIMINAL MINDS. Jede Folge wird einem bestimmten Bösewicht gewidmet, der in den meisten Fällen dann entweder festgenommen oder liquidiert wird. Trotzdem wirken die Folgen nicht immer vorhersehbar. Die Staffel in ihrer Gesamtheit ist spannend und mitreißend, wirkt allerdings auch wie ein überlanges Intro für die zweite Staffel.

(4.5/6)

Titelbild: © NBC, Trailer: © RTL

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