Gladiatorenkampf zwischen Mensch und Alien

Es war nur ein kleines Easter Egg in I AM LEGEND. → Ein gigantisches Werbeposter für einen Film mit Superman und Batman hängt hier in einer postapokalyptischen Zukunft am Times Square. Nachdem I AM LEGEND und die DC-Comicfilme vom gleichen Filmstudio stammen, unterstellte man Warner Bros. nun, das Treffen der beiden Superhelden bereits schon Jahre vor dem eigentlichen Dreh des Films geplant zu haben, was nicht ganz stimmte. Der Produzent und Drehbuchautor von I AM LEGEND, Akiva Goldsman, schrieb einen ersten Entwurf für BATMAN V SUPERMAN, der allerdings nicht verwendet wurde. Als Hommage wurde aber in I AM LEGEND das Logo verwendet, ohne das Studio darüber zu informieren geschweigedenn die Rechte an der Verwendung des Logos einzukaufen. Nachdem es das gleiche Studio war, gab es aber keine Probleme.

Inzwischen ist 2016 und  BATMAN V SUPERMAN lief tatsächlich in den Kinos an. Die Geschichte beginnt mit dem Kampf zwischen Superman und General Zod (Finale von MAN OF STEEL), allerdings wird die Handlung dieses Mal aus der Sicht von Bruce Wayne (Ben Affleck) erzählt. Wayne reist von Gotham in die Nachbarstadt Metropolis, wo er Zeuge des finalen Kampfes zwischen Zod und Superman wird. Die Stadt wird verwüstet, unter anderem auch ein Hochhaus seines Unternehmens. Wayne kann ein paar Menschen retten, dennoch sterben viele Unschuldige. Für diese Zerstörung macht Wayne Superman (Henry Cavill) verantwortlich und sucht fortan nach einem Weg um Superman zu bekämpfen. Der wiederum rettet 18 Monate später seine Freundin Lois Lane (Amy Adams) vor gewalttätigen Warlords. Durch eine falsche Zeugenaussage wird in den Medien berichtet, Superman habe dabei unschuldige Zivilisten getötet. Von der Unschuld ihres Freundes überzeugt startet Lois eigene Nachforschungen. Der Unternehmer Lex Luthor (Jesse Eisenberg) sieht Superman ebenfalls als Bedrohung und beschafft Kryptonit, welches er als vorsorgliche Waffe gegen Superman einsetzen will. Als Superman sich vor der Politik erklären soll, kommt es zu einem Bombenanschlag und Superman ist sich klar, dass man ihn für den Schuldigen halten wird. Er zieht sich zurück. Inzwischen hat auch Bruce Wayne von dem Kryptonit erfahren und bestiehlt Luther. Als kurz darauf Luther die Ziehmutter (Diane Lane) von Superman entführt und verlangt dieser müsse innerhalb einer Stunde Batman töten, steht er zwischen den Stühlen. 

Superman (Henry Cavill), Wonderwoman (Gal Gadot) und Batman (Ben Affleck) - © Warner Bros.
Superman (Henry Cavill), Wonderwoman (Gal Gadot) und Batman (Ben Affleck) – © Warner Bros.
Die Fledermaus, die keiner wollte

Mit dem Casting von Ben Affleck als Batman waren die Fans alles andere als zufrieden. Sogar eine Petition gegen seine Besetzung gab es – hauptsächlich wegen seiner schlechten Darstellung des 2003 herausgekommenen Films DAREDEVIL. Und obwohl er eigentlich den Superheldenfilmen abgeschworen hatte, ließ sich Affleck dann doch vom Gegenteil überzeugen. Eines vorweg, ein schauspielerisches Fiasko war es nicht. Affleck spielt keinen schlechten Batman, einen herausragend guten allerdings auch nicht. Sein Batman ist eher ein Detektiv, ein Schnüffler, der versucht die Puzzleteile zusammenzusetzen um das große Ganze zu sehen. Nachdem der Fokus der Handlung aber immernoch über weite Strecken auf Superman liegt, bekommt man den Eindruck, Affleck habe nicht genügend Zeit bekommen um seine Rolle klar zu definieren. Sein Butler Alfred, dargestellt von Jeremy Irons, geht völlig unter. Ohnehin fungiert er – wie übrigens auch Lois Lane – hauptsächlich als → Deus ex machina. 

Lex Luther (Jesse Eisenberg) - © Warner Bros.
Lex Luther (Jesse Eisenberg) – © Warner Bros.
Der Lex Luther, den keiner wollte

Auch Jesse Eisenbergs Lex Luther lässt zu wünschen übrig. Während die einen meinten, er habe die Rolle zu sehr an seine Paraderolle des Mark Zuckerberg aus THE SOCIAL NETWORK angelegt, so sahen andere eine misslungene Interpretation von Heath Ledgers Joker → in Eisenbergs Darstellung. Der Joker passt tatsächlich besser zu dem exzentrischen, soziopathischen  CEO von LexCorp, der manchmal mitten im Satz vergisst was er sagen will, aber dann wieder völlig klar bei Verstand zu sein scheint. Eisenbergs Lex Luther ist sicherlich nicht der einzige Grund, warum der Film nicht gut ankam, aber einen Anteil am Scheitern hatte er sicherlich. Ein guter Film ist nur so gut wie sein Bösewicht, heißt es. Und das ist das Problem: Lex Luthers Motivation wird nicht deutlich. Er hat kein Motiv, er hat keinen Plan. Er entführt Supermans Ziehmutter und gibt ihm im Austausch für ihr Leben eine Stunde Zeit Batman zu töten. Diese eine Stunde könnte Superman auch damit verbringen seine Mutter zu suchen anstatt einen Kampf zu kämpfen, auf den er keine Lust hat. Die Mehrheit seiner Entscheidungen basiert auf Annahmen, was seinen Plan umso abstruser wirken lässt.

Superman (Henry Cavill) - © Warner Bros.
Superman (Henry Cavill) – © Warner Bros.
Nicht alles war schlecht

Zack Synder lässt sich eine gewisse Themaverfehlung vorwerfen, denn obwohl  der „Dawn of Justice“-Teil im Titel, also die Erklärung, wie sich die Justice League formierte, erfüllt ist, sieht es beim Kampf von Batman gegen Superman wirklich mau aus. Der eigentliche Kampf beschränkt sich auf ca. acht Minuten Screentime, was den Fans nicht gefallen wird. BATMAN V SUPERMAN als auch Marvels CIVIL WAR stellen die Frage nach den Folgen des eigenen Handelns, allerdings wird das bei CIVIL WAR wesentlich schöner herausgearbeitet. Gelungen ist das bildgewaltige Opening aus der Sicht von Bruce Wayne ebenso wie die Kampfchoreografien im Allgemeinen.  Das Batmobil wurde nicht nur optisch wie waffentechnisch aufgerüstet, sondern kann inzwischen auch ohne Probleme durch Wände und Schiffsrümpfe fahren. Muss man mögen. Als klare Konstante erweist sich Henry Cavill als Superman, dessen Figur ebenfalls zweifelhafte Entscheidungen trifft, aber diese Logiklöcher im Drehbuch gut zu verkaufen weiß. Auch Superwoman Gal Gadot überzeugt, auch wenn ihre Waffen aus dem Nichts auftauchen und ihr Motiv, warum sie in der Stadt ist, eher schwammig ist. Zack Snyder setzt nach wie vor mehr auf Optik als auf Story – ein Konzept, dass man bei Warner und DC so langsam mal überdenken sollte.

(2.5/6)

Titelbild und Trailer: © Warner Bros. Deutschland

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