Die Hochzeit fällt aus

Auch auf die Gefahr hin mich zu wiederholen, aber James Spader ist toll. Es kommt echt selten vor, dass ein einzelner Schauspieler eine ganze Serie rechtfertigt  – meistens ist es doch eher eine Ensembleleistung – aber MEIN GOTT, das ist einfach großes Kino. Das Finale der zweiten Staffel endete mit einem Paukenknall. Elizabeth Keen (Megan Boone) erschoss dem Generalbundesanwalt Thomas Connolly (Reed Birney), nachdem sie herausfand, dass dieser für den Cabal arbeitete. Das macht sie zu einer der meistgesuchten Frauen des Landes. Reddington (James Spader) unterstützt sie bei der Flucht aus der Stadt. Währenddessen übernimmt Donald Ressler (Diego Klattenhoff) die Leitung der Taskforce, da die Rolle von Harold Cooper (Harry J. Lennix) beim Mord von Connolly erst einmal untersucht werden soll. Ressler will Keen um jeden Preis fassen, während Aram (Amir Arison) und Samar (Mozhan Marnò) an der harten Linie ihres neuen Bosses zweifeln. Ressler bekommt zudem noch viel größere Probleme, denn er soll mit dem CIA-Chef für geheime Operationen (David Strathairn) zusammenarbeiten. Dieser arbeitet aber erwiesenermaßen für den Cabal. Durch die umfangreiche Berichterstattung aufgeschreckt kehrt auch Tom Keen (Ryan Eggold) aus dem selbstgewählten Exil zurück um seiner Ex-Frau zu helfen.

Der Direktor (David Strathairn) - © NBC
Der Direktor (David Strathairn) – © NBC
Zusammenhalt der Gegensätze

Das Verhältnis zwischen Liz und Reddington hat sich mit der neuen Staffel noch einmal grundlegend geändert. Vorher waren beide zwar Arbeitskollegen, hatten aber eine unterschiedliche Auffassung von Moral und Gerechtigkeit. Elizabeth ist nun eine Gesetzlose, auf der Flucht zusammen mit Reddington, der das rastlose Leben, bei dem man permanent über die eigene Schulter sieht um nach potenziellen Verfolgern Ausschau zu halten, bereits kennt. Das Paar ergänzt sich daher auch überraschend gut, auch wenn Liz oft Zweifel oder Mitleid mit verletzten Unschuldigen äußert. Einen besseren Partner als Reddington hätte sie sich nicht aussuchen können und der versucht, sie nicht nur bei der eigentlichen Flucht zu unterstützen, sondern auch als emotionale Stütze zu fungieren – eine Rolle, in der er definitiv aufgeht. Auch in der Taskforce müssen die Gegensätze zusammenhalten. Ressler und sein Team haben den Feind plötzlich im eigenen Haus sitzen. Der Direktor ist ein würdiger Gegner, denn er hat nicht nur einflussreiche Kontakte, sondern auch Personal um seine Agenda durchzusetzen. Überraschungen wie ein Reddington-Doppelgänger oder Tony Shaloub als Gegenspieler, der sein Leben u.a. mit zwei Hündchen in der Badewanne verbringt, machen einfach Spaß. Die Schwangerschaft von Megan Boone wurde in die dritte Staffel hineingeschrieben, was man diesen Folgen auch anmerkt. Sie wirken etwas zu gewollt. Die Motivation von Elizabeth wird häufig nicht ganz klar. Mal reagiert sie zu entspannt, mal zu hysterisch. 

© NBC
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Humor, Ernst und Musik

Aram beziehungsweise Amir Arison wird immer mehr zum Humorzentrum der Truppe. Nicht nur sein trockener Humor sorgt für gute Laune, sondern auch seine Begeisterung. Wenn Elizabeth und Reddington ein weiteres Mal dem FBI entkommen können oder wenn er den Computer eines zwielichtigen Agenten anzapft, kann er seine Begeisterung kaum zurückhalten. Auch als Reddington eine komplette Etage in einem anderen Stockwerk nachbaut, ist Aram hin und weg – und ich auch. Dennoch schlägt die Staffel einen ernsten Ton an und endet besonders gegen Ende wieder mit einer großen Überraschung. Der Weg dorthin zieht sich etwas, besonders in der Staffelmitte. Ein Aspekt, den ich in meinen letzten beiden Kritiken zu THE BLACKLIST unterschlagen habe, ist der grandiose Soundtrack. Es gibt in so ziemlich jeder Folge einen großartigen Indie-Pop-Track, manchmal auch etwas Elektronisches, was gut zur Handlung passt ohne auf Dauer abzulenken oder zu nerven. Die vierte Staffel, die in Deutschland voraussichtlich Ende des Jahres starten wird, hat den Staffelslogan „Who’s your daddy?“ bekommen, was als Anspielung auf die Frage nach dem Verhältnis von Liz und Red zu sehen ist. Inwiefern hier mit den Erwartungen der Zuschauer gespielt wird und ob tatsächlich die alles entscheidende Frage enthüllt wird, erfahren wir dann.  Ich freue mich darauf schon sehr.

(5/6)

Trailer: © Youtube/Sky Living

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